Schottland, 14.-20. Juni 2006
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Montag, 19. Juni

Gut begann er nicht, dieser Tag.

Nachdem wir früh aufgestanden waren, um das Auto zurück zu bringen, wartete unser Wagen ganz alleine am Straßenrand. Wir standen, wie wir eigentlich wussten, im Parkverbot, das aber an Wochenenden und wochentags bis 8:30 Uhr morgens nicht galt. Die Hoffnung, heil davon zu kommen, wurde von Joachim gleich in den Wind geschlagen. Bei so vielen Parkwächtern wie hier in Edinburgh sei dies kaum möglich. Und tatsächlich steckte ein roter Umschlag hinter dem Scheibenwischer... ausgestellt um 8:39 Uhr. 30 Pfund! Wenn man innerhalb von 14 Tagen zahlte, ansonsten kostete es 60 Pfund. Der Betrag sei entweder in Bar auf deren Büro zu entrichten, per Telefon und Kreditkarte zu zahlen, oder per Scheck in beiligendem Rückumschlag einzuschicken. Eine bequemere Technik wie Überweisungen oder gar Online-Banking scheint sich hier noch nicht verbreitet zu haben.

Gegen 11 Uhr ging ich wieder mal alleine los, weil Joachim noch zu arbeiten hatte.

Walk alone?

Eigentlich reizte es mich ein wenig, den Arthur's Seat zu erklettern, doch konnte ich mich wegen meiner schmerzenden Füße, meinem ebenfalls schmerzenden Bein, und wegen des eher durchschnittlichen Wetters nicht dazu aufraffen. Also beschloss ich, das Museum of Scotland zu besuchen. Vielleicht konnte ich dort etwas über die schottische Geschichte erfahren.

Im Museum sah ich mir ein paar alte Kilts, Schwerter, Pistolen und Gewehre an, und nahm dann den Lift zum Dach. Von dort oben hatte man einen netten Blick über die Stadt, aber es war nicht das beste Wetter, und selbst die koreanische Musik in meinem Ohr änderte kaum etwas an meiner doch recht moderaten Stimmung.

Und dann geschah etwas überraschendes. Wo ich kurz zuvor noch minutenlang ganz allein auf diesem Dach gewesen war, erschien nun plötzlich hinter mir eine junge asiatische Frau, die mich bat, ein Foto von ihr zu machen. Als ich sie zuerst sah, ging nur ein Gedanke durch meinen Kopf: "Oh mein Gott!"

Nackte Füße in Flip Flops, eine hautenge Zweidrittel-Jeans, ein ärmelloses Leibchen, hellrot lackierte Fingernägel, ein mächtiger weißer Hut und dazu noch eine dieser schrecklichen, wieder modern werdenden, riesenhaften Sonnenbrillen. Und das bei diesem Wetter!

Als ich sie fotografiert hatte, bot sie mir an, auch von mir ein Foto zu machen. Ich denke, dass man hier noch meinen skeptischen Blick erahnen kann:

Weil nun aber wieder meine Alarmglocken klingelten, fragte ich sie, aus welchem Land sie komme. Sie sagte "Korea" und meine Miene hellte sich sofort auf. Nicht dass ich das erwartet hätte...

Ich begrüßte sie in ihrer Sprache und sagte, ich sei sehr interessiert an Korea und lerne gerade die Sprache. Sie konnte das nicht so recht fassen und fragte nur: "Why? Why?"

Wir unterhielten uns kurz übers Wetter und über den Arthur's Seat, der von da oben gut zu sehen war. Sie hatte Interesse, da rauf zu steigen, aber sagte dann doch, es sei ihr ein bißchen kalt. Ach was? Sie käme gerade aus London, und dort sei es "very hot" gewesen. Nun ja. Das war es in London zu dieser Zeit tatsächlich. Doch nun war sie ein paar Hundert Kilometer weiter nördlich...

Wir gingen ein paar Minuten zusammen durchs Museum. Sie fragte mich, ob ich gerne in der Halle Rennwagen fahren wolle, was ich dann erstmal tat:

Und obwohl ich in fast jeder Kurve gegen die Bande prallte, fuhr ich die zweitbeste Zeit des Tages.

Ihr Name war Jinjoo, was auf Koreanisch "Perle" bedeutet. Ich überraschte sie, als ich ihr aus ihrem Reiseführer ein, zwei Sätze vorlas. Zwar verstand ich höchstens ein oder zwei Worte davon, aber dass sich überhaupt ein Ausländer für Korea interessierte, war ihr absolut neu. Viele Menschen interessierten sich für Japan oder China, aber nicht für das kleine, dazwischen liegende Korea. Schade eigentlich. Andererseits macht es das auch spannender - und die Kontakte werden viel witziger und interessanter.

Nach kurzer Zeit hatten wir beschlossen, zusammen Richtung Arthur's Hill zu gehen, um dann zu entscheiden, was wir tun sollten. Da sie seit 7 Monaten in London studiertee, war ihr Englisch sehr gut. Und mein Ersteindruck, dass es sich bei ihr um eine verwöhnte Tussi handeln könnte, wurde absolut nicht bestätigt. Nein, sie war witzig, liebenswert, und einfach nur knuffig.


Arthur's Seat

Bald erreichten wir den Fuß vom Arthur's Seat direkt neben dem tags zuvor vorgestellten schottischen Parlament.

Sie meinte, sie wolle da hinauf steigen. Ich sah sie immer wieder an und machte sie auf ihre Kleidung aufmerksam. Sie verstand das zwar, sah aber offenbar nicht die Probleme, die ich sah. Der Aufstieg zum Gipfel würde über winzige, relativ steile Pfade erfolgen, und ihre "Schuhe" waren dafür nicht unbedingt ausgelegt. Außerdem war sie eine Frau, und Frauen frieren normalerweise schon bei höheren Temperaturen als den 16 oder 17 Grad, die wir zu dieser Zeit hatten - erst recht in einem Outfit wie dem ihren.

Doch andererseits hatte ich richtig Lust bekommen, so viel Zeit wie möglich mit Jinjoo zu verbringen. Außerdem bot sich mir so die Möglichkeit, doch noch auf diesen Berg zu kommen. Meine schmerzenden Füße spürte ich gar nicht mehr. Also machten wir uns daran, den Berg zu erklimmen.

Das erste Bild stammt von der ersten Rast und zeigt das moderne Parlament in seiner ganzen Pracht, das nach ersten Planungen anno 1998 noch 55 Millionen Pfund kosten sollte, und bei seiner Eröffnung im Jahr 2004 satte 430 Millionen verschlungen hatte...

Okay, ich weiß, ich bin gemein... da rede ich lange und breit über die knuffige Jinjoo, aber gezeigt habe ich sie noch nicht. Dabei ist sie durchaus fotogen. Here she is:

Und wie man sieht, grinste ich nun wieder stärker. Irgendwie ist das immer so, wenn nette Frauen in der Nähe sind...

Dem Miniloch beim Arthur's Seat gönne ich aber auch noch ein eigenes Foto:

Glücklicherweise fanden wir einen Weg, der nicht so steil hinauf führte zum Gipfel. Zwar musste man dazu erst eine Zeitlang auf einer Straße gehen, doch dann wurde man mit einem leichteren Grasweg belohnt.

Wir machten mehrmals halt, um zu verschnaufen und den Blick zu genießen. Der Himmel klarte etwas auf, doch war es recht windig. Die Kälte spürte ich wegen der Anstrengung allerdings kaum mehr. Jinjoo musste es da anders gehen. Doch wie schon mehrmals zuvor spannte sie in einer witzigen Geste ihren rechten Arm an und sagte überzeugt: "I'm strong".

Der Blick war schön genug für ein erstes gemeinsames Foto:

Weiter ging es hinauf...

...immer weiter... (ich ließ sie voraus gehen, damit ich sie im Notfall auffangen konnte)

...und immer wieder bot ich ihr mein Jäckchen an, doch sie lehnte höflich ab. Und als es nur noch wenige Meter zum Gipfel waren, fragte ich sie, ob sie noch bis ganz nach oben gehen wolle. Ich war ja immer noch besorgt. Der Weg war mit großen Steinen gespickt, an zahlreichen Stellen konnte man ausrutschen. Doch sie sagte "Of course", und so bestiegen wir den windigen Gipfel:

Etwas im Windschatten machten wir Rast und aßen gemeinsam die Kekse, die ich mitgebracht hatte, und eine Orange, die sie hervor zauberte. Und dort oben fröstelte sie dann doch so sehr, dass sie mein Jacken-Angebot endlich annahm.

Der Ausblick war wiederum genial:

Als es uns zu kalt wurde, machten wir uns auf den Rückweg, der hier nach unten führte, in Richtung des kleinen Sees:

Auch eine winzige Ruine befand sich dort:

Ein guter Platz für ein weiteres, sehr hübsches Foto. Der Grashalm hat sich jedoch eher zu meinen Ungunsten bewegt...

Unten angekommen standen wir an einem Tech, der von vielen Schwänen bevölkert wurde, die überhaupt keine Angst vor Menschen hatten:

Die Tiere sind sehr akrobatisch...

... und einer bewegte sich verdächtig in Richtung von Jinjoo, die gerade mit ihrem Freund in Korea telefonierte. "This is the first time he called me since 7 months". Ob es normal sei, dass sich die Jungs nicht melden, wenn sie ihre 2 Jahre Militärdienst verrichten, habe ich nicht gefragt. Einmal hielt sie mir das Telefon ans Ohr und sagte, ich solle mal "Annyeong" sagen. Und hinterher erzählte sie mir, ihr Freund hätte gesagt, meine Aussprache sei sehr gut. Na super. Ich möchte mal einen Menschen finden, der "Annyeong" falsch ausspricht...

Als wir hinterher begannen, die Schwäne mit den verbleibenden Keksen zu füttern, kamen immer mehr auf uns zu. Die Situation wurde bedrohlich, als eines der riesigen Tiere wild mit seinen Flügeln zappelte und auf uns zu rannte. Als ich noch versuchte, ruhig zu bleiben, hatte sich Jinjoo bereits zwanzig Meter entfernt. Mit Tieren hat sie es nicht so. Als wir an zwei Hunden vorbeigekommen waren, bekam sie Angst und drängte sich hinter mich. Dann nahm sie ihren riesigen Hut und hielt ihn sich vor die Augen. Was man nicht sieht, kann nicht gefährlich werden. Auch eine gute Taktik.


Zurück in der Stadt

Auf Arthur's Hill hatte ich Jinjoo erzählt, dass ich (ganz zufällig) Musik von Pak Hye-Kyeoung dabei hätte, einer bekannten koreanischen Sängerin. Sie war ganz aus dem Häuschen, als ich ihr Songs vorspielte, die sie selbst noch nicht kannte, weil sie seit 7 Monaten keine koreanische Musik mehr gehört hatte.

Und so gingen wir, ein Stöpsel in meinem, der andere in ihrem Ohr, die Refrains teilweise mitsingend, durch die Stadt, während sie mir einige Songtexte übersetzte. Das war sehr unterhaltsam.

Ein paar nette Ausblicke boten sich auch wieder, hier auf ein Schlösschen auf dem Calton Hill, das ich bisher übersehen hatte:

Und wie man sieht, war das Wetter auch viel besser geworden. Das ist absolut typisch für Schottland.

Das Grinsen war mir immer noch nicht vergangen, hatte sich gar noch verstärkt (das ist schon fast beängstigend, wenn ich das nun im Vergleich zu den ganzen anderen Bildern sehe):

Hier gab es auch Fotos von Jinjoo, doch diese befinden sich auf ihrer Kamera. Auch zwang sie mich an diesem Ort, ihre schreckliche Sonnenbrille aufzusetzen (um das Foto nachher in Korea herum zu zeigen - na super). Ich hoffe, dass sie mir diese Bilder noch schicken wird. Das heißt, sobald sie mal Zeit dafür findet. Tags darauf wollte sie weiter nach Glasgow, und von dort rüber nach Irland. Auch das restliche Jahr hatte sie schon mit Reisen verplant: Frankreich, Spanien, Italien, Türkei, Ägypten, dann will ihre Mutter sie besuchen, und mit ihr möchte sie Österreich, Deutschland und die Schweiz besuchen. Heftig. Und das meiste davon ganz alleine! Das ist schon mutig und bewundernswert, ich hätte ihr das nicht zugetraut. Auch nicht, dass sie mal für einen Monat Kickboxen gemacht hatte (und ihr Vater das nicht wissen durfte). Das tat sie so lange, bis sie sich die Hand gebrochen hatte...

Am National Monument setzten wir uns nach einer gegenseitigen Foto-Session auf eine Parkbank und hörten uns den Koreanisch-Kurs an, den ich dabei hatte. Von diesem hatte ich aber bisher nur die ersten beiden Teile gehört, und das Lachen von Jinjoo überzeugte mich vollends, dass diese Sprechweise, die hier Verwendung fand, viel zu formal sei. Ich wusste das schon aus den Filmen. Diese Sprechstufe wird nur bei geschäftlichen Treffen oder in bestimmten TV-Sendungen verwendet. Würde man jemanden auf der Straße so ansprechen, sagte sie, würde dieser wahrscheinlich lachen. Das Tragische ist aber leider immer noch, dass es viele Bücher gibt, die das Koreanische nur anhand dieser Sprechstufe vorstellen. Deshalb war ich ja auch auf englischsprachige Lernbücher der "University of Hawaii" ausgewichen, die viel besser in die Alltagssprache einführen. So begrüßen sich Geschäftsleute mit "Annyeonghassimnigga", normale Fremde oder auch Bekannte mit "Annyeonghaseyo" und Freunde schlicht mit "Annyeong".

Sie hatte mich, wie die Koreaner ein paar Tage zuvor, schon bald nach unserem Kennenlernen, nach meinem Alter befragt. Sie hatte mich auf höchstens 25 geschätzt und war überrascht, dass ich schon fast 28 war. Ich sollte auch ihr Alter schätzen und lag mit 23 Jahren genau richtig. Zumindest was das westliche Alter betrifft. In Korea ist jeder ein Jahr älter, weil man bereits bei der Geburt 1 Jahr als ist, was - zumindest zu neun Zwölftel - eigentlich auch korrekt ist.

Sie sagte mir, in Korea müsste sie mich "Obba" nennen, was soviel wie "älterer Bruder" bedeutet. Allerdings mögen das die Mädels nicht wirklich. Bei mir musste sie das natürlich nicht, ich war mit "Jens" glücklicher als mit der Anspielung auf mein hohes Alter... und natürlich komme ich auch nicht aus einem Land, in dem schon ein Jahr Altersunterschied den Respekt des jüngeren gegenüber dem älteren abverlangt.


Abend

Da mir der Tag mit Jinjoo sehr gefallen hatte, fragte ich sie, ob sie mich und Joachim nicht zum Essen begleiten wolle. Obwohl sie zunächst etwas zögerte (weil sie noch Essen dabei hatte, welches sie eigentlich in Edinburgh verzehren wollte), stimmte sie letztlich zu.

Sie ging in ihre Jugendherberge und sagte "5 minutes". Frauen sind in solchen Dingen aber überall gleich. Aus den 5 wurden 10, und aus den 10 wurden 15 Minuten. Ich dachte schon fast, sie würde mich da sitzen lassen und hätte ihre Höflichkeit nur gespielt (was idiotisch gewesen wäre, aber man weiß ja nie), doch dann kam sie zurück. Ohne Hut, aber mit einem langärmeligen Oberteil.

Wir trafen Joachim bei der Camera Obscura. Er hat schon etwas gestaunt, als er mich dort mit Jinjoo erblickte. Wahrscheinlich dachte er sich: Kaum lässt man den mal allein, schleppt er schon ein koreanisches Mädel an...

Weil mich die Hologramme am Sonntag hier so fasziniert hatten, musste ich mir unbedingt eins kaufen, obwohl sie mit 28 Pfund schweineteuer waren. Aber da kam dann wieder dieses "Scheiß drauf" durch, das aus folgenden Gedanken erwuchs: Wenn ich 3 Mal im Pub zu Abend esse, habe ich genau so viel Geld verplempert und dabei keine Freude verspürt.

Die Frage war nur, welches der vielen Bilder ich kaufen sollte. Das technisch perfekteste war ein Dracula-Kopf, der je nach Betrachtungswinkel Haare hatte oder sich als verweste Mumie zeigte. Allerdings gefiel mir das vom Motiv her nicht. Nach langem, langem Überlegen und entsprechenden Diskussionen entschied ich mich dann doch für die Frau, die auf einem Bett saß. Wenn man seinen Kopf von links nach rechts bewegt, während man das Hologramm ansieht, bewegt sich die Frau auf dem Bett leicht zur Seite und ihr rechter Büstenhalter fällt herunter. Das ist wirklich äußerst witzig gemacht. Und, rein technisch gesehen, war es das zweitbeste. Nicht dass ich das wegen der Frau gekauft hätte... nein, nie.

Die "Penne Diavoli" beim Italiener schmeckten immerhin leicht scharf, was mehr war, als ich erwarten konnte. Insgesamt war das Essen recht gut, auch wenn Jinjoo offensichtlich etwas Mühe hatte, ihre Spaghetti herunterzukriegen. Angeblich schmeckte ihr sogar das englische Essen. Hmm.

Nach dem Essen gingen wir in einen Pub, zu Greyfriars (der mit dem Bobby). Dort war es sehr nett, und wir unterhielten uns gut. Obwohl Jinjoo irgendwann zu Joachim meinte, dass sie eigentlich bei unserem Treffen gedacht hätte, ich sei ein eher ruhiger Typ, doch Joachim sei noch viel ruhiger. Pah, und das, wo ich so viel wie an diesem Tag noch nie geredet hatte in dieser Woche!

Während sich uns gegenüber ein Musiker und eine Frau einfanden, um den Pub mit schönen Geigen-, Flöten- und Gitarrenklängen einschließlich Gesang zu füllen, war es Zeit für etwas sehr besonderes.

Jinjoo hatte tags zuvor einige Koreaner getroffen und mit ihnen den Tag verbracht. Sie schenkten ihr eine Packung Kimchi, dem koreanischen Nationalgericht. Und nun wollte sie, dass ich das probierte.

Kimchi ist im Prinzip eine Zubereitungsart für Gemüse, bezeichnet allerdings meist auf diese Weise eingelegtes Gemüse, das einen sehr eigenständigen Geschmack entfaltet, und, aufgrund der Zubereitung mit Peperoni, sehr scharf ist. Die Koreaner essen Kimchi mit Reis jeden Tag, morgens, mittags, und abends. Dazu gibt es dann natürlich jeweils verschiedenste Hauptgerichte. Doch an Kimchi führt in Korea kein Weg vorbei.

Und so war ich nervös ohne Ende. Schon länger. Denn da ich ohnehin recht verschleckt bin, wenn es ums Essen geht, und ich irgendwann nach Korea gehen möchte, hoffte ich, dass mir das Zeug schmecken würde. Sonst würde ich dort eine schwere (und dickmachende) Zeit verbringen, weil ich mich jeden Tag bei McDonald's aufhalten müsste.

Ich war total begeistert von der Möglichkeit, die Jinjoo mir da bot. Ich hätte nicht gewusst, wo ich sonst Kimchi hätte essen sollen.

Also pirschte sich Jinjoo durch den Pub, um ganz unbemerkt zwei Gabeln zu stibitzen, und ich öffnete die Packung. Ein starker Duft verbreitete sich sofort um unseren Tisch herum. Bald wurde dieser so stark, dass ich es vorzog, den Pub zu verlassen und das Kimchi draußen zu essen. Und so standen wir beiden vor dem Pub und genossen Kimchi...

Zu meiner Überraschung hat es mir wahnsinnig gut geschmeckt. Endlich wieder mal richtig scharfes Essen, yeah! Jinjoo dagegen, die mittlerweile das gewürzlose englische Essen gewohnt war, war es schon "too hot".

Gott, was war ich erleichtert...

Zurück im Pub machten wir noch ein Abschiedsfoto mit meinem geliebten Selbstauslöser. Erst hinterher bemerkte ich meinen roten Kopf. Hye-Suk, meine koreanische Brieffreundin, schlug vor, dies sei sicher wegen Jinjoo gewesen. Aber wahrscheinlich war es doch "nur" die Sonne, der ich heute ein Stückchen näher gewesen war.

Um kurz nach Elf verließ uns Jinjoo, nicht ohne mir ihre E-Mail-Adresse sowie Cyworld-Homepage aufzuschreiben (jeder junge Koreaner hat so eine). Sie sagte: "I will never forget this day!" Und ich konnte ihr nur zustimmen.


Fazit

Ein Wahnsinns-Tag war das, und das nach dieser Wahnsinns-Woche. Ich hatte nicht nur Koreaner gesehen, nein, ich habe sogar mit ihnen gesprochen und mit einem süßen Mädel den ganzen Tag verbracht! Ich habe Kimchi gegessen, es hat mir geschmeckt, ich weiß nun, dass Joachim in Jinjoos Augen wie ein "typischer Deutscher" aussieht (längliches Gesicht und große Nase) und dass auch Jinjoo leichte Komplexe wegen ihrer angeblich "kleinen" Augen hatte, wobei ich an ihrer Stelle eher Komplexe wegen ihrer zurückgedrängten Eckzähne gehabt hätte... ;-) (die Augenkomplexe hat Hye-Suk seltsamerweise auch und kommen wahrscheinlich nur daher, wenn sich Asiaten mit Europäern vergleichen. Die Augengröße ist nämlich meist gleich, nur fehlt den Koreanern die ausgeprägte Bucht, in der nicht-asiatische Augen begraben liegen, deshalb wirken sie kleiner).

An diesem Montag habe ich richtig Lust auf Korea bekommen...

Alles in allem eine geniale Woche, die ich nicht vergessen werde - schon gar nicht nach diesem Reisebericht, der allerdings noch nicht ganz beendet ist. Es lohnt sich, noch ein einziges Mal umzublättern...


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