Schottland, 14.-20. Juni 2006
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Samstag, 17. Juni

Na, noch alle da? Ich hatte versprochen, nicht so viel zu labern, aber ich kann nicht anders, wenn ich mal anfange zu schreiben. Sorry. Wenn ihr mich trotzdem noch den zweiten Highlands-Tag hindurch begleitet, wär das cool (und die nächsten zwei Tage natürlich auch noch, aber da sind wir noch laaaange nicht).

Dann mal los. Um 5 Uhr morgens war ich aufgewacht, weil ich schlecht geschlafen hatte. Ich spickte durch die Vorhänge nach draußen und sah... Regen und dichten Nebel. Ich dachte "Scheiße" und schlief weiter. Um 7 wachte ich erneut auf, sah wieder hinaus, und erblickte immer noch dasselbe. Unsere Stimmung wurde dadurch nicht gerade besser.

Trotzdem, das darf einen Schottland-Urlauber nicht schrecken. Das Wetter kann hier plötzlich umspringen, außerdem gehören Wolken und ein bisschen Regen zum "echten" Feeling dazu.

Nachdem wir geduscht hatten, gingen wir frühstücken. Im Wohnzimmer war ein Tisch aufgebaut, auf dem zahlreiche halbwegs gut aussehende Dinge standen: Labbriges Toast, verschiedene Müsli-Schachteln, Kaffee, Tee, Orangensaft, Butter, Marmelade... Ich aß also zuerst ein wenig Müsli, dann ein bißchen Toast, und war dann satt.

Plötzlich flog die kleine Tür zur Küche auf und Ann kam heraus. "Good morning, boys!" rief sie, und stellte uns beiden einen riesigen Teller mit British Breakfast hin: Zwei zähe Würstchen, ein Spiegelei, Bohnen und Speck. Der Engländer, der ebenfalls mit am Tisch saß, bekam noch eine schöne Portion Black Pudding. Als ich das sah, war ich froh, dass Joachim sich ausgekannt hatte.

Mit Mühe und Not bezwang ich das Festmahl und war danach erstmal kaputt. Während des Essens redete der Engländer sehr viel. Aufgrund seiner Ausrüstung (Laptop, Kamera etc.) und seiner Statur (etwas dicklich, rundes Gesicht mit Brille) hatte ich ihn zuerst als Computerfuzzi eingeschätzt, wurde dann aber eines besseren belehrt, als er meinte, er arbeite für die Krankenkasse. Außerdem hasse er die IT in seiner Firma. Hmm.

Er redete viel über seine Arbeit, und lästerte dann ein wenig über die Franzosen, wie es die Engländer gerne tun. "I don't have anything against the French", sagte er. "But they put their toast into the tea! How awful is that!" Außerdem habe er sich köstlich amüsiert über eine Deutschen-Verarschung, die mittags im Radio gelaufen war. Jaja... überhaupt Radio: Wir können froh sein um jeden Dödelsender, den wir haben. Das Zeug, was man da oben in Schottland zu hören kriegt, ist an Eintönigkeit und Doofheit kaum zu überbieten. Gut, bei der Fahrt durch die Highlands bekamen wir halt nur einen Sender rein, und den nur selten. Trotzdem.

Um etwa 9:30 Uhr starteten wir unseren zweiten Tag. Das Wetter war scheiße, aber was wir sahen, machte das alles wieder wett. Und Joachim meinte noch, dass die bisherigen Eindrücke nicht noch überboten werden könnten. Wir haben uns zum Glück geirrt. Bis zuletzt.

Weiterfahrt

Zunächst noch einmal die Karte mit einem etwas kleineren Ausschnitt (ohne Edinburgh). Zur Erinnerung: Wir befinden uns immer noch an Punkt 12, dem Städtchen Portree ganz oben im Nordwesten. Von nun an ging es an der Küste entlang über den nördlichen Zipfel von Skye. Da dies die einzige Straße war, konnte man sich nicht verfahren. Fast alle abgehenden Straßen waren jeweils als Sackgasse markiert.


13 - Skye, Loch Leathan & geniale Ausblicke

Nach Portree wurde die Straße wieder mal einspurig (Single Track Road). In regelmäßigen Abständen verfügen diese Straßen über Ausweichbuchten (Passing Places). Glücklicherweise verhalten sich die meisten Autofahrer sehr rücksichtsvoll, sodass diese Ausweichgeschichten überhaupt kein Problem darstellen.

Immer wieder sah man Schäfchen am Rand der Straße, manchmal auch auf der Straße. Und so sah ich mich genötigt, die Tierchen endlich einmal abzulichten. Das Problem an der Sache war, dass die Schafe zwar keine Angst vor Autos hatten (man konnte 1 Meter an ihnen vorbeifahren und sie rührten sich nicht), doch sobald sich ein Mensch auf weniger als 10 Meter näherte, hauetn sie ab. Hmm. Aber die schwarzen Köpfe waren sooo cool.

Bald kamen wir an einem netten Ort vorbei, an dem wir wieder mal anhalten und Fotos machen mussten.

Was der da fotografiert? Na, das Mini-Loch hier, welches wahrscheinlich Loch Leathan ist. Allerdings bin ich mir da nicht so sicher, weil es auf der Karte größer aussah...

Weiter ging die Fahrt an netten Örtchen vorbei wie z.B. diesem Wasserfall:

Und dann... ganz plötzlich erschien rechts von uns ein wahrhaft bezaubernder Horizont. Das Wasser glänzte im Schein heller Wolken. Daraus ragten schroffe, schwarze Felsen hervor, und dahinter sah man evtl. sogar wieder das "Festland" (was eine blöde Bezeichnung für eine große Insel neben einer kleinen Insel ist, aber was solls). Leider war es äußerst stürmisch und regnerisch kalt, sodass ich die Kamera im Zoommodus kaum ruhig halten konnte. Von dem überwältigenden Ausblick bleibt auf dem Foto gerade noch eine vage Ahnung.

Ein paar Spanier waren ebenfalls begeistert und haben uns freundlicherweise abgelichtet. Meine Kamera auf dem Ministativ hätte ich nicht aufstellen können. Sie wäre weggewindet worden.


14 - Skye, Flachklippen

Kurz darauf erreichten wir ein weiteres Highlight unserer Tour. Die Straße führte über eine Brücke, unter der ein Fluss über einen Wasserfall ins Meer brodelte. Eingerahmt wurde dieses Szenario von wunderbar grünen, durch Schafe weiß gesprenkelte Klippen. Und in Richtung Meer bot sich derselbe magische Anblick wie eine Station zuvor.

Auf einem Pfad entlang des Abgrunds konnte man zu einem weiteren Aussichtspunkt gehen. Zum Glück kam der Wind vom Meer, so lief man nicht Gefahr, in die falsche Richtumg umgeweht zu werden.


15 - Skye, Kilt Rock

Der Reiseführer hatte schon von diesem Ort geschwärmt, und als wir auf den Parkplatz fuhren, waren wir nicht die einzigen. Da dies, wie schon gesagt, die einzige Straße um die Insel herum war, hielten hier alle Touristen, um den Ausblick zu genießen.

Der Kilt Rock heißt so wegen seiner Maserung in zwei Richtungen, die ihm (grob gesagt) das Aussehen eines Kilts verleiht.

Die Klippen waren zwar sehr beeindruckend, jedoch hat mir der vorherige Ort noch einen Tick besser gefallen. Vielleicht auch, weil dieser noch nicht ganz so Touristen-Ausblickspunkt-mäßig aufgebaut war.

Und die andere Richtung:


16 - Skye, über die Nordspitze

Weiter ging die Fahrt an der Küste entlang, wo es ebenfalls viele schöne Ausblicke gab. Zum Beispiel Häuschen wie diese, die mich immer wieder faszinierten, auch wenn sie kaputt und unbewohnt waren. So einsam, wie sie auf den Wiesen herumstanden und sich perfekt in die Landschaft einfügten...

Und auch hier, einfach genial.

Dieses Haus stand in einer interessanten Bucht. Auf einem Felsen am Wasser befand sich die Ruine eines alten Hauses oder einer Festung, und aus dem Wasser ragte ein schräger Felsen.

Dort in der Nähe entstand auch ein Panorama, das leider aufgrund der Wetterverhältnisse nicht so gut wurde. Die kleinen Häuser am Hang vor dem Bergmassiv sind jedoch zu erkennen.

Auf dem weiteren Weg sahen wir am Wegesrand noch viele weitere Schäfchen. Eines konnten wir überlisten, indem wir es aus dem Auto fotografierten:

Und hier ein Schafsbock mit Tochter (oder Frau, oder so). Das kleine Schaf ist wie die meisten farblich markiert, sodass die Schäfer ihre Tierchen später auch noch auseinanderhalten können.

Und während ich in einem kleinen Ort gerade auf dem Postamt war, um meine Ansichtskarten abzugeben (wer weiß, ob die von da aus je ankommen), verfolgte Joachim junge Schäfchen durch eine Seitenstraße:

Ab der Nordspitze von Skye fuhr ich den Wagen. Es war recht anstrengend, weil ich ständig drohte, in den linken Straßengraben abzudriften. Das Schalten mit der linken Hand stellte ebenfalls eine Herausforderung dar. Von der Landschaft auf diesem Weg habe ich nicht so viel mitbekommen. Aber wir habens heil überstanden.


17 - Skye, ab nach Uig

Auf dem Weg Richtung Uig kamen wir endlich mal recht nahe an Highland-Rindern vorbei, die regungslos, geduldig (oder stur) auf ihrer Weide herumstanden.

Wir passierten einen kleinen Ort, der aus vielleicht 10 Häusern bestand, und einem Briefkasten:

Und schließlich erreichten wir den Ort mit dem witzigen Namen Uig auf der Westseite des Skye-Zipfels. Der Blick über die Uig-Bucht in Richtung Loch Snizort (was eigentlich eine große Meeresbucht ist) war genial. Kalt war es auch, es hatte dort oben vielleicht noch knapp 10 Grad.

Und hier gelang mir wieder ein tolles Panorama:

Ab Uig war ich voll konzentriert auf die Straße, doch mit jedem Kilometer gelang mir das Spurhalten besser. Ich fuhr bis zum Ende der Insel, dann übernahm Joachim wieder das Steuer.

Auf dem Weg kamen wir wieder an einigen Geschwindigkeitskontrollen vorbei. Diese sind allerdings recht sinnlos, da sie, wie Joachim erzählte, offenbar von Gesetz wegen angekündigt werden müssen. Soll heißen: Man sieht ein Schild, das vor der Kamera warnt, kurz vor der Kamera befinden sich Mess-Streifen auf der Straße (wahrscheinlich, um die Geräte einzustellen?), und außerdem müssen sowohl Autos als auch stationäre Kameras neonfarben sein, damit man sie schon weit aus der Ferne erkennen kann.


18 - Skye, Black Cuillins & Loch Sligachan

Bei Portree fanden wir den Weg zurück auf die Straße, über die wir tags zuvor gekommen waren. Jedoch sah die Umgebung aus der anderen Richtung unterschiedlich aus, und so fanden wir trotzdem noch schöne Stellen, die uns am Freitag verborgen geblieben waren.

Hier fotografiert Joachim die hohen schwarzen Berge im Hintergrund, die sog. Black Cuillins:

Von diesem genialen Ausblick gibts natürlich noch 2 geniale Panoramen:

Beim Loch Sligachan fanden wir wieder einen genialen Ausblick über das Wasser auf den Ben Lee, dessen Struktur ebenfalls sehr interessant war:

Und auch hier, ein Panorama. Leider wirds nach rechts hin dunkler.

Und das "Vorsicht Schafe"-Schild mussten wir natürlich noch fotografieren, da man dies bei uns nicht findet, in Schottland aber sehr wichtig ist:


19 - Loch Carron

Als wir die Brücke von Skye beim Kyle of Lochalsh hinter uns hatten, überlegten wir lange, ob uns die Zeit noch reichen würde, eine zweite Tour zu fahren, die laut Reiseführer sehr interessant zu werden versprach. Jedoch war es bereits 15 Uhr und uns stand noch ein über vierstündiger Rückweg nach Edinburgh bevor.

Letztlich entschieden wir uns, den Schlenker zumindest zum Teil zu wagen. Mussten wir eben wieder denselben Weg zurückfahren. Aber vielleicht würde es sich ja lohnen.

Über Stromeferry führte der Weg durch, wie der Reiseführer schrieb, "eine der landschaftlich schönsten Strecken Schottlands". Was diese Strecke von den anderen unterschied, war der überaus dichte Waldbewuchs, der mich und Joachim allerdings sehr an den Schwarzwald erinnerte und uns nicht als wirklich "Boah" in Erinnerung blieb.

Schön wars trotzdem:

Um Loch Carron mussten wir herumfahren, um auf der gegenüberliegenden Seite auf die Pass-Strasse Richtung Applecross zu kommen.

Hier kann man schön erkennen, welchen Schlenker wir nehmen mussten:

Auch von weiter unten war das äußerst reizvoll. Auf dem nächsten Panoramabild sieht man im Hintergrund die wolkenumwehten Berge, zwischen denen wir später hinauf fahren sollten.

Ein kleines Moorgebiet lag am Ende des Lochs:


20 - Applecross-Pass

Als das Loch endlich umrundet war, wurde die Straße enger...

...und dann kamen die Warnschilder. Anfänger sollten sich nicht die Straße hoch wagen, auch nicht Fahrer größerer Autos. Im Winter sei die Straße generell unpassierbar. Wie sich herausstellte, lagen wir mit unserem kleinen Corsa hier goldrichtig.

So wand sich die Strasse hinauf...

...und wie man sieht, wurde es kälter, nur noch 7.5 Grad...

Ein genialer Blick auf ein Flüsschen, das sich von ganz oben tief hinab in das Tal windet...

Das Wetter war scheiße, aber bei dem tollen Blick ins Tal war das egal.

Ganz oben genossen wir noch den Rundblick, bevor wir uns wieder auf die Rückfahrt begaben. Was ganz gut war, denn kurz nach diesen Bildern wurden wir von dichten Wolken eingehüllt und waren froh, schließlich wieder unten im Tal zu sein.


21 - Fort William

Zurück nach Edinburgh wollten wir auf einer anderen Route fahren, weshalb wir Fort William passierten. Ich weiß nicht mehr genau, ob wir dort etwas aßen oder einkauften, was letztlich auch egal ist, aber immerhin sah ich dort, aus dem fahrenden Auto heraus, ganz bewusst, die erste und einzige Whisky-Destillery während meines Schottland-Aufenthalts: Die Ben Nevis Destillery.

Ben Nevis ist mit 1344 Metern der höchste Berg Schottlands. Zu sehen war er allerdings nicht...


22 - Glen Coe

Auf dem sich ewig hinziehenden Rückweg hatte ich zwei Probleme: Erstens drohte der Akku meiner Kamera leer zu gehen (weil ich das Ladekabel vergessen hatte, um die Cam in Portree aufzuladen). Und zweitens hatte ich schon so viele Berge fotografiert, dass ich fast schon keine Lust mehr hatte und nur noch ins Bett wollte, um die Eindrücke zu verarbeiten.

Dennoch hat es sich immer wieder gelohnt, anzuhalten. Zum Beispiel hier. Ich schätze, dies war das Tal Glen Coe. Ich bin nicht sicher, aber möglich ist es.

Und noch ein Panorama, für das ich allerdings zu wenig Licht hatte...


23 - Sun comes out

Ab diesem Zeitpunkt glaubten wir, das schönste an diesem Tag schon gesehen zu haben. Doch dann, als wir um etwa halb Zehn ein dunkles Moor durchquerten, riss ein Loch im Himmel auf, ließ die Sonne sehr kontrastreich und warm hindurchscheinen und tauchte das Moor in ein märchenhaft schönes Licht.

Die Bilder können kaum ausdrücken, wie schön dieser Zauber, der nur wenige Minuten anhielt, ausgesehen hat. Aber sie geben, wie immer, zumindest eine kleine Vorstellung davon. Nun war ich froh, dass mein Akku noch nicht schlapp gemacht hatte.

Und dann dieses niedliche Brückchen... in 2 Farbvariationen:


Ab ins Bett...

Mit obiger, sonniger Nummer 23 kam unser Ausflug in die Highlands zu einem Ende. Und selbst jetzt wo ich das schreibe, bin ich durch die Bilder wieder direkt vor Ort, kann den kalten Wind spüren und die Weite genießen, mich an den winzigen Schäfchen freuen und das saftige Grün der Weideflächen aufsaugen.

Ein letztes Bild bleibt noch für diesen Tag. Irgendwo am Weg, Joachim kannte es schon, vegetierte ein einsames Rind auf einer Privatweide. Tagsüber wird es von zahlreichen Touristen angesehen und fotografiert. Sie rufen ihm zu, auf dass es sich endlich mal bewegen möge. Doch das einsame Rind ist gleichgültig geworden. Es sah einfach nur noch in eine Richtung. Keine Regung. Nur Traurigkeit. Nicht weit entfernt befand sich eine Weide mit vielen seiner Artgenossen.

Deshalb gilt mein letztes Bild dieses Tages diesem einsamen Highland-Rind. Möge es irgendwann seinen Frieden finden.

Und Joachim und ich? Wir kämpften uns die letzten Kilometer zurück nach Edinburgh, er fand den Weg recht zielsicher, obwohl er zunächst dachte, sich verfahren zu haben, und landeten gegen Mitternacht, nachdem wir über 600 Meilen in 2 Tagen gefahren waren, erschöpft in in unseren Betten...


Hier gehts weiter zu Tag 5!


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