Florida, Mai 2002

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Tag 8: Samstag, 01. Juni 2002

Von Orlando nach Miami

Ich werde mal versuchen, diesen Tag schneller abzuhaken als die letzten. Ich bin ja gespannt, ob mir das gelingt. Ich fange immer an zu schreiben, schreibe weiter und weiter und immer weiter, und irgendwann reißt dann der Gedankenstrom ab und ich höre auf. Das ist ein unberechenbarer Prozess. Keine Ahnung, wie es hier sein wird. So, let's go...

Nach dem Frühstück (nochmal im Ponderosa) ging es auf die letzte lange Fahrt. Ich 'freute' mich ja schon riesig auf den ewig langen Flug... immerhin war das Wetter schön. Am Orlando Airport stiegen die ersten Mitreisenden aus, wir machten einen kurzen Halt an einer Autobahnraststätte, und dann ging es direkt weiter nach Palm Beach, der absoluten Millionärs-Stadt von Florida.

Hier sah alles noch einmal gepflegter aus als in einem Disney-Park, und das will was heißen. Eine Menge kleiner, superteurer Villen hinter riesigen Hecken standen da herum, dazwischen für den Verkehr gesperrte Privatstraßen. Die Reichen, die sich hier durchschnittlich 6 Wochen pro Jahr aufhalten, sind hier mehr oder weniger unter sich. Viel haben wir leider nicht gesehen von der Stadt.

Hier eine typische Villa, diese ist angeblich die teuerste und gehört Donald Trump:


Dies war auch der einzige Ort, in dem ich BMW und Mercedes auf den Straßen sah. Normalerweise findet man hier auch eine Menge Rolls Royce, aber erst in der Saison, und die war nicht zur Zeit. Und es gab natürlich Palmen, große Royal-Palms, von denen eine 2000 bis 5000 Dollar kosten soll:


Über eine Brücke ging es von Palm Beach wieder zurück ins Land, noch vorbei am Yachthafen:


Die Weiterfahrt nach Miami war relativ langweilig. Wir sollten noch einen Feedback-Bogen ausfüllen. Wie war das Hotel, wie war der Reiseleiter, und natürlich gab es auch ein Feld für Anmerkungen jeglicher Art, das von den meisten natürlich komplett voll geschrieben wurde. Ich hatte nichts zu bemängeln, mir hat die Reise gefallen. Und dass die Space Center Typen nur ein Drittel der Busfahrt machten und das schlechte Wetter gerade dann seinen Frust über Cape Kennedy abließ, dafür konnte ja die Reisegesellschaft nichts.

Ich habe mir noch ein paar typische amerikanische Wagen herausgesucht und fotografiert:




Kleinwagen scheint es nicht zu geben in den USA, das muss ich mir als leidenschaftlicher Twingo-Fahrer wohl eingestehen. Die Distanzen sind wahrscheinlich auch oft zu groß, vielleicht würde sich da ein Kleinwagen gar nicht lohnen. Hmm. Viele Highways kosten übrigens Maut, das nur als Anmerkung.

An dieser Stelle sagte ich 'Bye Bye America', naja, zumindest 'Bye Bye, streets of America'. Hier ein abschließendes Beispiel eines tyischen Straßenbildes mit USA-Flagge:



Flughafen

Irgendwann kamen wir am Flughafen an, muss so gegen 14 Uhr gewesen sein. Unser Flieger sollte um 16:50 Uhr starten. Wir checkten ein und erfuhren, dass er eine Stunde Verspätung hätte. Na toll. Ich hatte ja gar nichts anderes erwartet. Flugzeuge sind wie Gottschalk. Man kann eigentlich immer 15 bis 30 Minuten auf die Zeiten draufschlagen, ohne dass man daneben liegt.

Nachdem wir die ewig langsam voranschreitende Schlange am Check-In-Schalter der Swiss durchschritten hatten, musste man wieder tolle Fragen beantworten, die auf einem Zettel angeschrieben standen. So etwas wie "Wurden Sie von jemandem aufgefordert, ihr Gepäck überprüfen zu lassen?" und "Dou you have sharp things inside your handbags?"

Weiter ging es. Nach dieser ersten Passkontrolle beim Check-In mussten wir Ticket und Pass als nächstes bei der Rolltreppe vorzeigen, die uns zum entsprechenden Terminal bringen sollte. Als wir oben waren, gingen wir etwa 100 Meter an einer Menschenschlange entlang, bis wir deren Ende gefunden hatten. Zoll. Na toll. Dann kam jedoch ein Sicherheitsbeamter und winkte der halben Schlange zu, "please follow me". Er führte die ganzen Leute schnellen Schrittes (war schwer, ihn nicht aus den Augen zu verlieren) zum Zollschalter im Terminal B, von wo aus man dann wieder zurück ins Terminal A gehen sollte.

In der dortigen Schlange wurde unser Ticket und unser Pass noch einmal ganz genau von einer Dame überprüft. Sogar so genau, dass sie noch einen Kollegen wegen irgend etwas fragen musste und ihrerseits einen etwas strengen Blick aufsetzte. Wie sich herausstellte, war das die Zollkontrolle, obwohl die doch normalerweise von irgendwelchen Leuten in Häuschen durchgeführt wird. Hmm. Danach folgte eine supergenaue Handgepäck-Überprüfung. Die Leute an den Monitoren ließen die Taschen nicht einfach nur so durchlaufen wie an den europäischen Flughäfen, sondern betrachteten sich jede 20 bis 40 Sekunden lang mit äußerster Sorgfalt. Manche der Reisenden mussten auch noch ihre Schuhe ausziehen und dem Personal übergeben. Uns blieb das zum Glück erspart.

Terminal A, Gate 26 war natürlich ganz hinten. Aber wir hatten ja eine Menge Zeit. Wir warteten und bummelten, und ich bekloppter Idiot kaufte mir einen "Focus" für schlappe 9 Dollar... ich muss verrückt gewesen sein, aber der war mit dem Spiegel eigentlich die einzige deutsche Zeitschrift, die es dort gab. Und eine interessante amerikanische fand ich nicht.

Als wir dann endlich einsteigen konnten, wurde noch einmal überprüft, ob Pass und Ticket beim Namen übereinstimmten, und im Flugzeug wurden alle Passagiere kurz vor dem Abflug noch einmal komplett durchgezählt. Hier nahm man es also ziemlich genau...

Dieses Mal saß ein bärtiger Universäts-Mensch auf 'Eastern Europe'-Tour neben mir, der allerdings recht schweigsam war. Der Rückflug sollte aufgrund besserer Windverhältnisse nur 8 statt 10 Stunden dauern, und tatsächlich flog das Flugzeug mit über 1000 km/h statt mit nur 850 wie beim Hinflug.

Nach dem seltsamen Abendessen wurde das Licht in der Kabine gedämpft, um später ganz ausgeschaltet zu werden. Die Fenster wurden verschlossen, (ich hatte natürlich wieder keinen Fensterplatz, saß wieder in der Mitte), und viele Leute schliefen. Ich versuchte das ebenfalls, denn ich war wirklich müde, aber ich konnte nicht. Meine Beine konnte ich nirgends hinstrecken, der Sitz ließ sich nicht weit genug zurückstellen, auf die Seite konnte ich mich schon gar nicht legen, außerdem war es laut und absolut unbequem... ich driftete also wieder einige Male, so wie beim Hinflug. Ich schaltete mein Licht ein und las ein wenig, was aber bei starker Müdigkeit nicht gerade einfach ist. Zum Glück hatte ich dieses Mal einen etwas größeren Monitor direkt in Sichtweite, ich musste meinen Kopf nur ganz leicht anheben. So konnte ich mir die beiden Filme "Ich bin Sam" und "A Beautiful Mind" komplett anschauen, was schon einmal fast vier Stunden Zeit verschlang. Es war zwar eigentlich schade, vor allem den letzteren Film auf so einem Runzelmonitor zu sehen, aber immerhin war es Unterhaltung - und ich hatte ihn ja im Kino verpasst, obwohl ich ihn mir dort anschauen wollte.

Eigentlich hätte ich, als das Licht komplett ausgeschaltet war und nur noch ein oder zwei Punktstrahler von der Decke strahlten, gerne mal durch ein Fenster geschaut, wie der Nachthimmel aus dieser Höhe aussehen würde. Muss ja theoretisch ziemlich genial sein. Natürlich tat das niemand. Alle Fenster waren zugeschoben, die Leute davor pennten. Manche von ihnen schauten nicht einmal beim Landeanflug hinaus. Grmbl, die haben echt keinen Sinn für Schönheit - von oben sieht nämlich wirklich alles viel schöner aus als von unten :-)

Ich wusste nicht genau, wann eigentlich richtig Mitternacht war (aufgrund der Zeitverschiebung), aber als meine Mutter aufwachte, gratulierte ich ihr zu ihrem 50. Geburtstag. Leider hatte ich kein Geschenk, aber das musste ich auch gar nicht haben, ich war schließlich mit ihr in Urlaub, und wir sind beide gut miteinander ausgekommen.

Bei der Ankunft in Zürich hatten wir schönes, sehr heißes Wetter. Wir frühstückten noch einmal (auf Wunsch meiner Mutter und meiner Schwester, die uns abgeholt hatte) im superteuren Mövenpick-Restaurant (war ein kleines Mißverständnis, aber egal) und kamen gegen Mittag endlich völlig erschöpft zurück. Eigentlich wollte ich gleich ins Bett fallen, aber dann wäre mein Rhythmus wieder total durcheinander geraten. Ich trank nochmal zwei Kaffee und wachte gegen Abend wieder etwas auf. Dann konnte ich normal schlafen. In meinem eigenen Bett. Tolle Sache...

Ende

Und damit endet mein Mega-Mega-Reisebericht, der längste und ausführlichste Reisebericht, den ich je geschrieben habe. Hoffentlich hat ihn jemand wirklich bis zu diesem Ende durchgelesen. Wenn ja: Kompliment, you're a hero.

Nun gehts wieder zurück ins Standardleben.