Florida, Mai 2002

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Tag 6: Donnerstag, 30. Mai 2002

Universal Studios

Nach dem morgendlichen $5-Frühstück, Vince hatte heute einen besseren Tag und schenkte mit etwas mehr Elan den Kaffee ein, fuhren wir zu den Universal Studios, dem dritten Vergnügungspark, den wir sehen sollten. Die Füße schmerzten zwar schon vom vielen Laufen, aber was tut man nicht alles, um ein wenig was zu erleben. Eigentlich hätte ich ja lieber eine Besichtigungstour durch echte Filmstudios gemacht als in diesem Park den Tag zu verbringen, aber das war nun mal das Reiseprogramm (das allerdings etwas zweideutig war in dieser Hinsicht). Da die drei Parks zum Glück jedoch total unterschiedlich waren, wurde auch dieser Tag alles andere als langweilig.

Auf der Fahrt in den Park ging es wieder einmal über den International Drive, wo u.a. dieses Hotel zu sehen war, das "Twister Hotel":


Sein Erbauer, irgendein Millionär, hat es - zumindest von außen - auf dem Kopf gebaut, so als wäre es von einem Wirbelsturm auf den Kopf gestellt worden. Interessante Idee.

Achtung, ich again...


In diesen Universal Studios hatte man verschiedene Straßenzüge diverser amerikanischer Städte nachgebildet. Es war eigentlich alles auf recht kleinem Raum zusammengeballt, und so konnten wir immerhin die ganzen Rhides besuchen, die man unbedingt besuchen musste.

Los ging es mit dem niedlichen E.T.. Am Eingang musste man seinen Namen sagen, der dann am Ende der Fahrt von E.T. gesprochen werden sollte ("Bye bye Jens"). Das Bähnchen war herrlich kitschig und ganz nett gemacht. Nur habe ich nirgends meinen Namen gehört. Seltsam, seltsam. Und nein, E.T.-T-Shirts wollte ich dann auch nicht kaufen :-)

Dann war der "Back to the Future" Simulator an der Reihe. Hier stieg man in das Auto aus dem Film ("Zurück in die Zukunft"), nachdem man vom Doc entsprechend eingewiesen wurde. Während dieser Fahrt, die wirklich genial war, hatte man eine freie 90-Sicht aus dem Auto heraus, ganz im Gegensatz zu diesen anderen Simulatoren, in denen man nur vorne eine kleine Leinwand hat. Da raste man also durch Schilder und Uhren hindurch, landete im Maul eines Dinosauriers und rutschte einen Abhang hinunter, fast in einen Lavasee hinein. Ziemlich genial gemacht. Das war wohl die beste Attraktion, die dieser Park zu bieten hatte. Wer also hingeht: Da unbedingt reingehen!

Vor der Attraktion hatte man die Original-Requisite aus dem Film aufgestellt. Immerhin etwas 'echtes' Film-Feeling ;-)


Dann machten wir weiter mit den Alien-Jägern in "Men in Black", der anscheinend ersten und einzigen interaktiven Fahrt in Florida. Hmm, ich hatte mir ja einiges versprochen, aber wurde dann doch enttäuscht. Man bekam eine Laserpistole in die Hand und fuhr mit einem Wägelchen durch die Plastikstadt, in der im Film die Agenten trainieren konnte. Da tauchte also dann immer mal wieder so eine Alien-Plastikfigur hinter einer Mülltonne auf und man konnte darauf schießen. Aber man merkte auch gar nicht, ob man getroffen hatte - sollte angeblich durch die Lämpchen auf der Pistole angedeutet werden, aber dieses Lämpchen blinkte immer rot, obwohl ich laut Punktezähler doch einige Dinge traf. Dann drehte sich mal wieder der Wagen (aus welchem Grund auch immer, angeblich weil man getroffen wurde), aber sonst war das nicht besonders aufregend. Meine Banknachberin, die gar nicht richtig gezielt hatte, erreichte ganze 50700 Punkte, ich schaffte nur knapp 47000 - im Wagen hinter uns kamen fast alle auf über 100000. Irgendwas muss ich falsch gemacht haben :-)

"Jaws", also der 'Weiße Hai' war die nächste Attraktion. Man fuhr da mit so einem Bootchen durch einen See, während immer mal wieder ein Plastikhai links und rechts aus dem Wasser schoss oder Gasexplosionen verursachte (die waren gut gemacht, das waren echte, heiße Feuerbälle etwa fünf Meter neben dem Boot). Am coolsten war aber die braungebrannte Amerikanerin mit den Furchen im Gesicht und einem stählernen Blick, die vorne stand und so tat, als würde sie das Boot steuern und sichtlich erschreckt sein über den bösen Hai. Sie packte dann eine Pumpgun aus und schoss immer wieder auf den armen Hai, der letztlich dann irgendwie tot war - glaube ich. Diese Fahrt lohnt sich also vor allem wegen dieser verrückten Tante - kann man empfehlen ;-)


Weiter ging es mit "King Kong", wohl eine der ältesten Attraktionen, und das sah man dieser auch leider an. Man fuhr da mit so einer Hochbahn durch schlecht gestaltete Straßenzüge, bis dann plötzlich so eine fast unbewegliche King Kong Figur neben einem stand und das Bähnchen ein wenig wackelte. Ergo: Das Teil kann man sich wirklich sparen.

"Twister" hatte eine relativ lange Wartezeit. In den meisten Attraktionen wird man nach den ersten Schlangen in einen Vor-Raum geschleust, wo man bei Video-Berieselung warten muss, bis es losgeht. Hier zeigten die ein paar Ausschnitte aus dem Film und einige Schnipsel aus Interviews mit den Schauspielern. Danach kam man in einen Raum, der vorne eine Bühne hatte, auf der ein verkleinertes Set aus dem Film aufgestellt war (das mit der Kinoleinwand, durch das der Twister rauschte). Dann kam der Wirbelsturm also an, pfiff ein wenig, ein paar Dinge krachten zusammen, ein wenig Feuer, etwas Wind, ein bisschen Regen, und dann noch ein etwas einstürzendes Dach. Nach zwei Minuten wars auch schon vorbei. Naja. Kann man sich eigentlich auch schenken, ist nicht sonderlich aufregend. (Okay, die Amis waren wieder ganz aus dem Häuschen, aber das kannte ich ja mittlerweile).

Bei "Earthquake" gab es vor der Attraktion noch eine kleine Show, in der gezeigt wurde, wie das Bluescreen-Verfahren funktioniert, woraufhin man in eine gestellte U-Bahn eingesperrt wurde, die dann an einem Bahnhof hielt, während ein Erdbeben aufkam. Naja, es war eher ein leichtes Hin- und Herschwenken. Dann natürlich wieder etwas Krach, ein paar Feuerbälle und noch eine große Flutwelle von rechts (die Amis schrieen sich teilweise die Seele aus dem Leib - heieiei). Und dann war's auch schon wieder vorbei. Fazit: Besser als King Kong, aber kann man sich eigentlich auch sparen.

Außer "Back to the Future" gab es dann noch die letzte große Attraktion, auf die ich mich wirklich gefreut hatte: "Terminator II 3D - Battle Through Time" Und diese war wirklich genial gemacht. Man wurde zuerst wieder in einen Vorraum der Cyberdine Corporation aus dem Film eingeschleust, wo man einen lustigen Werbefilm dieser fiktiven Firma sah und eine verrückte Sekretärin auf alles wichtige hinwies. Dann bekam man seine "security glasses" (3D-Brillen) und setzte sich in den riesigen Saal. Dort ging es dann los mit einer Show. Der junge John kam mit seiner Mutter von der Decke herab, beide ballerten ein wenig herum, während links und rechts Roboter-Kampfmodelle aus dem Boden fuhren und ebenfalls ein wenig im Saal herumballerten. Dann kam ein Arnold-Verschnitt auf einem Motorrad hereingefahren, sagte "I said I'd be back" und fuhr in die Leinwand hinein, wo die beiden (er und John) dann in der Zukunft auf das große Gebäude von Cyberdine zusteuerten. Dank der 3D-Technik sah dies alles natürlich genial aus, vor allem beim Kampf gegen kleine Roboter, die immer wieder bis kurz vor die eigene Nase aus der Leinwand herausschossen, um dann wieder darin zu verschwinden. Schließlich fuhr Arni im Aufzug in den Keller von Cyberdine und zwei weitere Leinwände gingen auf der Seite auf. Nun fühlte man sich wirklich so, als wären da drei große Fenster, hinter denen der große futuristische Keller des Gebäudes lag und in dem eine große Spinne aus dem Terminator-Glibbermaterial herumfuchtelte. Dabei spielte sich die Show vor und hinter der Leinwand ab, die Schauspieler gingen durch die Tür und kamen dann 'im Film' wieder heraus, es war wirklich perfekt gemacht.

Gut, natürlich ist so eine Ballershow Geschmackssache. Den anderen hat es nicht so gefallen, was mich aber auch nicht wunderte. Ich mag furiose Actionfilme, und Terminator II ist nun mal einer der wirklich großen und bekannten. Und davon einige bisher unbekannte Szenen in 3D zu erleben, war eben genial. Natürlich schleppten die Amis wieder ihre kleinsten Kinder und sogar die Babies mit hinein, was ich absolut nicht verstehen konnte. Für kleine Kinder war das ganz sicher nichts. Wer Actionfilme ein wenig mag, dem sei diese Attraktion bestens empfohlen. Mit dem Back to the Future Simulator war es die beste in diesem Park.

Der Tag war heiß und drückend, aber mit Wasser war das noch relativ gut auszuhalten. Hier zwei typische Straßenzüge aus dem Park:



Und diese Skyline hier, die ich auf Bildern immer mal wieder gesehen hatte und die dort ziemlich gut ausgesehen hatte, sieht in echt so richtig total künstlich aus:


Außer den Attraktionen gab es natürlich auch noch eine Menge Shows und Ausstellungen in dem Park, doch da wir nicht wussten, welche Attraktionen nun wirklich lohnenswert sind und wir nichts verpassen wollten (David, unser Reiseleiter, fand irgendwie alle toll und "mussen sie maken"), haben wir eben alle gemacht. Ich hätte mir viel lieber noch eine Requisiten-Ausstellung angesehen, aber die anderen wollten noch kurz ins Hard Rock Cafe schauen - was ich natürlich auch interessant fand. Dort essen wollte ich aber nicht. Schön gestaltet war es dennoch:


Auf dem Nummernschild dieses sich drehenden Wagens stand: "God is my Co Driver" :-)

Ein paar Leute mussten natürlich ein T-Shirt kaufen, kostete ja nur schlappe $20. Egal. Die einzige Show, die wir gesehen hatten in dem Park, war "Animal Planet Live", eine ganz lustige Show, in der auch der gute alte Lassy einen kurzen Gastauftritt hatte:



Klischee ahoy

Von USA-Reisenden hört man ja immer wieder, dass die Menschen dort drüben alle Übergewicht hätten, und das obwohl man im Fernsehen meist nur die hübschen schlanken sieht. Nun habe ich mir das selbst mal ansehen können, und die Vergnügungsparks, Orte, in denen ganz normale, typisch amerikanische Familien aus den ganzen USA den Tag verbringen, sind ein idealer Beobachtungsplatz. Leider muss man wirklich sagen: Ca. 40-50% der Amerikaner (da mehr als 90% der anwesenden Menschen Amerikaner waren, ist das nicht schwer festzustellen) hatten zumindest sichtbares Übergewicht. Sehr viele, ungefähr 20% (würde ich schätzen) hatten jedoch enormes Übergewicht. Das zeigt sich bei Männern dann in Riesenbäuchen und bei Frauen in Hintern groß wie Scheunentore. Bildbeispiele folgen.

Hier eine Frau:


Da, wo der Zeigefinger hindeutet (nein, das war nicht meiner, und nein, er zeigte auch nicht auf die Frau, das ist bloßer Zufall):


Und nochmal was schönes:


Hier das ganze in schwarz:


Und hier ein amerikanischer Megabauch-Mann mit Baseballcap:


Interessant ist es, wenn man Kulturen vergleicht. Auf dem folgenden Bild sind links einige Europäer aus unserer Gruppe (stark gemischt, da ist alles dabei), in der Mitte läuft eine Amerikanerin und rechts sind rein schlanke Koreaner (die in den gelben T-Shirts):

Und nun zum Aussehen eines typischen Amerikaners. Das ist kein Klischee, denn die folgende Beschreibung sieht man jede Minute einmal, wenn man sich in einem solchen Park auf ein Bänkchen setzt und sich die vorbeigehenden Leute anschaut. Und mehrmals pro Minute, wenn man z.B. das Amerika-T-Shirt durch ein anderes ersetzt :-)

Ein echt typischer USA-Mann hat, zumindest im Vergnügungspark, weiße Turnschuhe mit weißen Socken an. Dazu eine kurze, beige oder khakifarbene Hose. Auf seinem Kopf sitzt eine Baseballmütze und auf dem T-Shirt prangt irgend etwas Amerika-spezifisches, z.B. das schon erwähnte "USA 2002" oder (auch sehr oft gesehen) "United We Stand". Außerdem hat er natürlich oft einen dicken Bauch. Die USA-Frau ist ähnlich, nur wirkt sich bei ihr eben alles eher auf den Hüft- und Beinbereich aus. Wenn man beiden dann noch einen Milchshake von McDonald's in die Hand drückt, ist das Bild perfekt :-)

Gesehen habe ich diese Fastfood-Hintern (ich nenne sie gerne so, weil dies offensichtlich zutrifft, nachdem ich sah, was die den ganzen Tag essen) in allen Entwicklungsstufen. Kinder von 'stärkeren' Eltern haben meist ebenfalls schon Übergewicht. Und wenn man dann mal eine Stufe erreicht hat, in der man nicht mehr laufen kann, was bedauerlicherweise erstaunlich oft zu sehen war, wird natürlich ein (schon erwähnter) Stroller gefüllt:


Nein, hier geht es nicht darum, über Dicke herzuziehen. Darum geht es überhaupt nicht. Mir scheint jedoch, dass die ausgiebigen Essgewohnheiten der Amerikaner sehr oft in massivem Übergewicht enden. Und das ist kein 'normales' Übergewicht, das ist richtig schlimm (vor allem, wenn die Leute vor lauter Körpermasse nicht mehr gehen können). Allein das möchte ich ansprechen und ein wenig anprangern. Und wenn das ganze Fett dann noch in diese engen Shorts gezwängt wird, ist es außerdem auch nicht mehr schön, sich das anzusehen... ;-)

Deshalb, besser zurück zur Rundfahrt.


Back to Hotel

Abends ging es dann zurück zum Hotel. David erzählte vom Shuttle-Abschuss, der eigentlich heute stattfinden sollte. Er erkundigte sich nochmal bei seinem Kumpel, der mit einer Gruppe in Cape Canaveral war. Dieser sagte, es sei gutes Wetter, geplanter Start um 19:24 Uhr. David meinte, man könne den Start auch vom Hotel aus sehen, was mich natürlich SEHR interessierte, so als Vorprogramm zum nächsten Tag im Space Center. Cape Canaveral liegt natürlich von Orlando aus gesehen im Osten, und jetzt mussten die Leute natürlich fragen: "In welcher Richtung ist denn Osten? Zur Straße raus?" Umpf... David erklärte dann ganz genau, wo die Leute hinzuschauen hatten. Aber eigentlich lernt man doch schon im Kindergarten, dass die Sonne im Osten auf- und im Westen untergeht, oder? Was ist also so schwer daran, abends bei Sonnenuntergang Osten zu finden? Deutsche Alligatoren dieses Mal? ;-)

Aber ich muss zugeben: An diesem Abend war es tatsächlich nicht allzu einfach, da der Himmel stark bewölkt war. Kurz vor dem Abendessen schaute ich nochmal im Fernsehen nach: Wetter okay für Start. Das war eineinhalb Stunden vorher. Bei uns, etwa 50 Meilen vom Startplatz entfernt, ballten sich Wolkenberge zusammen, als wir ins Steak House zum Essen gingen. Wir hatten Abendessen-Buffet für zwei Personen mit zwei "Sodas" für $22. Das war auch sehr gut, man konnte seinen Bauch so richtig vollmachen. Im Grunde gab es auch fast wieder daselbe wie zum Frühstück, nur noch mehr Fleisch. Die Amerikaner türmten sich wieder die Chicken Wings auf, daneben Steaks mit fetter weißer Soße, ich begnügte mich da mit Hackfleischbällchen, Kartoffelbrei und Gemüse. Und zum Nachtisch natürlich wieder einen Teller Obst - Amerikaner stehen offensichtlich nicht so auf Obst. Bis auf den obligatorischen Orangensaft am Morgen ist da nicht viel zu wollen.

Zehn Minuten, bevor die Endeavour zu ihrer Mission STS 111 zur ISS ins All starten sollte, standen wir vor dem Ponderosa, blickten nach Osten und waren im schlimmsten Regen gefangen, den wir bisher in Florida erlebt hatten. Dicke Regentropfen fielen zischend schnell zur Erde und wir wären nach drei Schritten von Kopf bis Fuß durchnässt gewesen. Der Himmel war dunkel, dicke Wolken waren bis zum Horizont zu sehen. Um 19:24 Uhr schaute ich immer noch nach Osten und fragte mich, ob das Shuttle vielleicht doch gestartet war - Gewitter sind ja oft auf wenige Kilometer begrenzt. Ich wollte an den Fernseher und mir den Start immerhin dort anschauen. Aber daran war nicht zu denken. Wir standen noch ein wenig herum, dann kam ein Kollege von Vince und meinte "Better have a seat". Was wir dann schließlich auch taten. Nach über einer halben Stunde ließ der Regen soweit nach, dass wir durch ihn hindurch zum Hotel sprinteten. Wir waren trotzdem vollständig nass, als wir im Zimmer ankamen. Ich drückte eine halbe Stunde die 25 Kanäle des Fernsehers durch, bis ich endlich herausfand, dass der Shuttle-Start (natürlich) abgesagt wurde und vorerst auf Freitag Abend verlegt wurde. Ich bekam Panik, denn am Freitag sollten wir ja ins Space Center gehen, und ich fürchtete, dass die uns nicht hineinlassen würden. Immerhin war der Besuch schon auf Donnerstag geplant gewesen und dann wegen dem angekündigten Start auf Freitag verschoben worden.

Ami-TV

Nachdem ich geduscht hatte und wieder trocken war, legte ich mich aufs Bett und schaute ein wenig amerikanisches Fernsehen. Durch den heftigen Regen verschwand das Bild auf einigen Kanälen immer wieder und die Meldung "Satellite signal lost" erschien. Ab und zu fand ich zwischen der ganzen Werbung (ich veranstaltete kollossalles Zapping - etwas anderes ist bei dem Programm nicht möglich) noch einige Sendungen. Eigentlich wollte ich Nachrichten sehen, aber so richtige Nachrichtensendungen (also so seriöse, wie wir sie kennen) scheint es da nicht zu geben.

Ich sah eine Werbesendung, in der unangeschnellte aufgeschreckte Eltern und ihre Kinder in ihren Autos gezeigt wurden, während ein böse blickender Polizist einen Strafzettel ausstellte. Das ungefähr dreimal hintereinander mit verschiedenen Eltern, Kindern, Polizisten und Autos - und schließlich der sich fünfmal wiederholende Slogan "Click it or ticket", der die Leute auf die Anschnallpflicht aufmerksam machen sollte. Grins, was habe ich gelacht.

Dann kam auf CNN der "CNN-Poll", in dem gefragt wurde: What should be done with Ground Zero? Zur Auswahl standen "a) build memorial" (13%), "b) rebuild" (17%) - tja, und was könnte wohl c sein, für das 70% der Amis stimmten? "c) build memorial and rebuild" natürlich. Grins :-)

Dann wieder so eine supergeniale Frage, deren Antwort dem gesunden Menschenverstand nach immer "nein" lauten müsste: "Will the USA win the war on terrorism?" Im Januar waren noch 66% davon überzeugt, jetzt sind es nur noch 41%. Frage: Wie soll man den Krieg gegen den Terrorismus 'gewinnen'? Wer gewinnt irgendwelche Kriege überhaupt? Der, der weniger Verluste hat? Der, der nachher mehr Vorteile hat als vorher? Und ist der Krieg gegen den Terror nicht etwas, was eigentlich ständig stattfindet, ganz im Gegensatz zu einem zeitlich begrenzten 'normalen' Krieg? Naja... man muss halt blöde Fragen stellen. 15% der Amis meinen sogar, die Terroristen würden 'gewinnen'? Wie das? Indem sie die ganze USA mit Atombomben plattmachen oder was?

Dann noch einmal CNN: "Today on CNN Crossfire: India VS Pakistan on the verge of war!" Das natürlich total reißerisch gestaltet, mit Titeln im Fernsehen, wie man sie sonst nicht einmal in der Bildzeitung sieht und es eher von der Berichterstattung über einen Boxkampf erwartet...

Dann wieder mal ein Werbeclip, in dem ein junger Soldat, stehend vor einem Kampfhelikopter auftauchte, der irgendwo stationiert war und nach Hause grüßte: "Just want to say Hi to my family" Direkt nach einem langen Clip über die "heroes", die Amerika verteidigen und mit modernstem Gerät dem Feind auf den Zahn rückten. goarmy.com ist die Rindernet-Adresse. Jetzt weiß ich auch, wo die Bundeswehr die Idee für ihre idiotischen Spots her hatte, die mittlerweile zum Glück wieder abgesetzt wurden.

Weitergezappt und das Original von "Wer wird Millionär?" gefunden. Es ist im Grunde total dasselbe. Dasselbe Studio, dieselbe Musik, der gleiche Quiz-Aufbau. Nur der Showmaster ist mindestens doppelt so alt wie der Jauch, fast schon ein Greis.

Eine weitere Ankündigung einer ständig laufenden Sendung: "Manhunt" Dort werden Bilder von Kriminellen gezeigt, damit die schneller gefunden werden können. Angekündigt wurde mit reißerischen Bildern dieses Mal das Special über "Sex Crimes".

Wieder umgeschaltet: Talkshow läuft. Naja, der gleiche Mist wie bei uns. Nur mit dem Unterschied, dass alles viel weniger witzig ist, weil wirklich alle 'bösen' oder 'anstößigen' Worte durch ein "Piep" ersetzt werden. Sogar der Mund der betreffenden Personen wird weichgezeichnet! Wieso denn das? Damit stumme Lippenleser die bösen Worte nicht mitbekommen...? Ach, die Gerichtsshows hat Deutschland ja auch aus Amiland importiert, nur sind diese dort nochmal blöder, zumindest schien es mir so. Da hat zum Beispiel eine Frau ihre Zimmernachbarin verklagt, weil diese angeblich ihre Katze entführt hatte...

Insgesamt haben mir diese zwei oder drei Stunden Fernsehen nicht gerade gefallen. "Was Frauen wollen" mit Mel Gibson lief gerade noch, wurde aber - wie alles andere - in flottem Rhythmus immer wieder von Werbung unterbrochen. Und das total plötzlich, das Bild schaltet einfach um. Nicht einmal die Nachrichten bleiben davon verschont. Diese kann man aber eh vergessen, wie schon gesagt. Da werden unwichtige Dinge, z.B., dass irgendeine Schauspielerin in eine Reha-Klinik eingewiesen wurde, vor die wichtigen politischen Themen gestellt. Reißerische Bilder, wie die des gefilmten Helikopter-Absturzes bei seiner Rettungsaktion, stehen natürlich vornean. Nein, da bin ich echt froh um unser Fernsehen. Und die Werbung und deren Plazierung ist ein Traum verglichen mit diesem USA-TV-Mist.

Die Zeitungen sind eigentlich ähnlich. Aber dazu kann ich kein allzu großes Urteil abgeben, ich habe mir nur die USA Today und den "Citizen" der Florida Keys gekauft. Ein Riesenartikel in letzterem bezog sich natürlich auf den Memorial Day am Montag, dem 27. Mai. Da wird ein Onkel eines gefallenen Soldaten stolz zitiert: "He grew from a lanky boy to a man; from a wisecracking teenager to a soldier of boundless courage, from a humble smalltown neighbor arose a hero for the nation." Seine 14jährige Tochter ist ebenfalls superstolz auf Daddy: "My father was a great man, and I love him and I'm proud of what he did. He died defending the U.S. He died defending YOU." Und ein NavySEAL, der von AlQuaida-Kämpfern erschossen wurde, schrieb in einem Brief an seine Eltern: "I loved being a SEAL. If I die doing something for the Teams, then I died doing what made me happy. Very few people have the luxury of that." Tolle Sache, wenn denen der Krieg Spaß bereitet... vor allem, weil die Afghanistan-Plattmachaktion eigentlich kein Defensiv- sondern ein Angriffskrieg war. Doch diese Dinge wurden ja schon genügend diskutiert...

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