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Donnerstag, 28. Juni 2007

Abgebrannt

Geschrieben von Jens in Korea 2007 um 10:36
Samchoek
Am Dienstag stand ich früh auf, um den 8:17-Zug nach Donghae zu kriegen. Das klappte auch alles hervorragend und die koreanischen Wagen stellten sich als recht bequem und räumlich großzügig heraus. Die Beine werden da nirgends eingeklemmt, und der Gang zwischen den beiden Sitzreihen ist breiter als in den deutschen Zügen. Ähnlich ist es übrigens in den Fernbussen, und das, obwohl die Koreaner durchschnittlich immer noch ein wenig kleiner sind als die Europäer (obwohl die meisten Männer so groß sind wie ich und mich manchmal auch überragen, sind die Frauen kleiner als bei uns).

Während der dreieinhalbstündigen Zugfahrt, in der das Bähnchen durch die bergige Landschaft tuckerte (Papa hätte das bestimmt sehr genossen), sah ich auch mal "richtige" koreanische Dörfer, und muss daher mein Statement "sehen aus wie kleine Städte" zurück nehmen. Echte Dörfer bestehen aus kleinen Häusern, die in traditioneller Form mit Ziegeln gedeckt sind, es gibt keine Neonreklame, und es gibt dort (fast) nur alte Menschen.

Blick aus dem Zugfenster
Mein Ticket für 9 Euro wollte auf der Fahrt niemand sehen, nicht beim Einsteigen, nicht beim Ausstiegen, und auch nicht während der Fahrt, obwohl immer mal wieder ein Bahnmitarbeiter durch die Gänge wanderte, gefolgt vom Getränkeverkäufer mit seinem Wägelchen. Dasselbe übrigens, als ich heute mit dem Zug eine Viertelstunde lang fuhr. Wieder wollte keiner das Ticket sehen. Seltsam.

Also ich hätte da Angst...
In Donghae angekommen führte mich ein netter englisch sprechender KoRail-Mitarbeiter zur Haltestelle, wo ich den Bus nach Samchoek nahm. Dort fand ich recht schnell ein Motel, das sich erst beim näheren Hinsehen als nicht ganz so sauber herausstellte (Krümel und Haare auf dem Bettlaken), aber da ich eh nur eine Nacht dort verbringen wollte, nahm ich das hin. Beschweren ist ja immer so ne Sache, wenn man unterschiedliche Sprachen spricht.

Geniale Landschaft um Hwansoendonggul
Mit dem Bus fuhr ich dann nachmittags in die Berge zur berühmten Hwansangdonggul. Laut Koreanern die "größte Höhle Asiens", laut dem Reiseführer "eine der größten Höhlen Asiens". Nach einem schweren und steilen Anstieg, der 30-40 Minuten dauerte, und während dem ich heftig schwitzte und meine langen Hosen verfluchte und mir gleichzeitig wünschte, Funktionskleidung zu tragen wie die zahlreichen koreanischen Wanderer, erreichte ich den riesigen Eingang zur Höhle, und sofort ging die Temperatur von knapp 30 auf ca. 10-14 Grad herunter. Heftig. Nachdem mein T-Shirt trocken war und ich zusammen mit ein paar älteren Koreanern Fotos gemacht hatte, ging ich die Höhle bestaunen.

Hwansoendonggul - endlich raus aus der Hitze!
Und das war wirklich, wirklich geil. So eine riesige Höhle hatte ich noch nie gesehen. Stahltreppen führten durch den Fels, 1.6 Kilometer weit. Durchzukommen dauerte rund eine Stunde. Und da sehr wenige Besucher dort waren (das bin ich ja mittlerweile schon gewohnt), konnte ich mir alles in Ruhe ansehen und ein paar Fotos machen, die das alles natürlich nicht so eindrucksvoll wiedergeben können.
Hwanseondonggul - angeblich Asiens größte Höhle
In der Höhle liebte ich dann meine lange Hose plötzlich wieder, und nach etwa einer Stunde war ich froh, wieder in der Wärme zu sein (die ich bald wieder nicht mehr leiden konnte - ein Teufelskreis).

Hwansoendonggul
Abends gegen 19 Uhr war ich zurück in der Stadt und suchte ein Restaurant, was sich mal wieder als extrem schwierig herausstellte. Ein paar wenige waren randvoll, sodass ich mich nicht traute, einen Vierertisch allein für mich zu beanspruchen, und die anderen standen alle leer. Also ging ich einfach in eins hinein. Falsche Entscheidung. Die Inhaberin war grässlich hässlich, hygienisch sah es dort nicht unbedingt aus, und das Essen war halbwegs okay, aber keineswegs gut.

Danach ging ich direkt ins Bett - mal wieder kaputt vom vielen Gehen.

Am Strang in Joengdongjin
Am Mittwoch schlief ich lange, weil ich nicht so recht wusste, wo ich hingehen sollte. Ich entschied mich für einen bekannten Strand, der etwas weiter im Norden lag. Denn obwohl Samchoek direkt am Meer liegen sollte, sah ich dort kein Meer, was ich etwas blöde fand. Ich nahm den Bus nach Donghae und wollte dort zur Bahnstation fahren, um mit dem Zug nach Joengdongjin zu kommen. Doch ein Kommunikationsproblem mit dem Taxifahrer (ich dachte er wollte nur fragen, wo ich vom Bahnhof aus hinfahren möchte) führte dazu, dass er mich direkt dort hin brachte. Zunächst dachte ich noch, das wäre vom Preis her relativ okay (13 Euro), doch dann tippte er was am Taxameter ein und plötzlich stand da was von 26000 Won (ca. 20 Euro). Argh! Der hat sich bestimmt gefreut, der Sack.

no comment
Zunächst tigerte ich an den Strand, weil noch nicht 12 Uhr war und man in Motels üblicherweise erst nach 12 Uhr einchecken sollte. Das außergewöhnliche dort sind zwei Schiffe aufe einem Hügel. Ein riesiges Kreuzfahrtschiff und ein kleinerer Segler. Ein sehr surrealer, aber irgendwie genialer Anblick. Das große Schiff ist ein Luxushotel, und das kleine ein Grammophon-Museum.

Mein Motel in Jeongdongjin - hoffentlich kommt kein Erdbeben
Als ich wartete, sprach mich ein geistig etwas behinderter Koreaner an, mit dem ich mich eine Weile mehr oder weniger unterhielt. Der traf mich dann noch ein- oder zweimal, und als er mir einmal grinsend an die Brustwarze griff, ergriff ich die Flucht.

Im Motel wollte die Inhaberin 40000 Won haben (1 Euro sind übrigens ca. 1200 Won), was mir zuviel war, weshalb ich auf 35000 runterhandeln wollte. Gekriegt hab ich das Zimmer dann für 30000. Auch recht.

Amerikanisches Schlachtschiff im Tongil-Park
Am Mittag fuhr ich mit dem Bus zum "Unification Park". Im Reiseführer stand, dass die Busse alle 30 Minuten fahren würden, aber sie tatden das leider nur stündlich. Die meisten Koreaner waren natürlich mit dem Auto oder mit Tourbussen angereist, sodass die damit keine Probleme hatten. Bei den Nahverkehrsbussen muss man zudem im richtigen Augenblick den Halt-Knopf drücken, und wenn man nicht weiß, wo man hin möchte bzw. wie der Zielort aussieht, ist das alles andere als einfach. In meinem Fall jedoch drückte ich sofort, als ich ein großes Kriegsschiff am Strand sehen sah.

Ein echtes nordkoreanisches U-Boot
Im "Vereinigungspark" (Tongil-Park) kann man sich einen über 100 Meter langen amerikanischen Kreuzer ansehen, der 1944 gebaut wurde, in 3 Kriegen (2. WK, Koreakrieg und Golfkrieg) im Einsatz war, und irgendwann den Südkoreanern vermacht worden war. Es soll das einzige Schiff dieser Art sein, das so komplett trocken gelegt besichtigt werden kann.

Das war auch ganz interessant, aber viel interessanter (und der Grund, weshalb ich dort war) war das kleine nordkoreanische U-Boot.

Im nordkoreanischen U-Boot
Die Nordkoreaner hatten 1996 eine Spionageaktion gestartet. 26 Soldaten zwängten sich in das winzige 30 Meter lange U-Boot, und dummerweise liefen sie vor der Küste von Joengdongjin auf Grund. Der Commander verbrannte alle geheimen Dokumente, erschoss 11 Crewmitglieder, und flüchtete mit den anderen in die Berge.

Ha, noch ein Streifenhörnchen erwischt! :-)
Im Verlauf der nächsten 4 Wochen wurden alle bis auf einen Nordkoreaner vom südkoreanischen Militär aufgespürt und getötet, nur einer wurde lebend gefangen genommen. In dem Faltblatt, das man im Park bekommt, steht übrigens nicht "nordkoreanische Soldaten", sondern "rote Banditen". Und da die Südkoreaner einen weiteren Angriff dieser Art befürchten, ist die Küste von Joengdongjin bis hinauf zur Grenze mit Zäunen und teilweise Stacheldreht bewehrt. Ab und zu sieht man Panzersperren oder einen Wachturm.

Im U-Boot war nichts hinter Glas oder Plastik verborgen, alles war anfassbar. Man trug einen Helm, weil es sehr eng war, und es ist kaum zu glauben, wie 26 Leute dort hinein gepasst haben sollen. Wirklich faszinierend. Und eine ziemlich dramatische Geschichte.

Wenn man da drin bleibt, vergeht das Leben schneller
Zurück in der "Stadt" (die mehr ein Dorf war) suchte ich eine Bank und fand nach ein paar Anläufen die "AutoBank". Ich war fast total abgebrannt, weil die Taxifahrt so teuer geworden war, und brauchte dringend Kohle. Der Automat dort gab mir aber keine. Die Mädels, die dort arbeiteten, konnten kein bisschen Englisch, aber sie versuchten alles, um mir zu helfen. Als wir es dann auch noch auf der Post probiert hatten und der Automat immer nur hübsche Zettelchen mit "ERROR" ausdruckte, und der Postmitarbeiter nach etwas Recherche ebenfalls nur ein hilfloses "No" aushauchte, schickte mich die junge Frau nach Gangneung, eine größere Stadt in der Nähe. Ich solle es dort versuchen. Nun denn. Ich hatte ja noch ca. 14000 Won.

Dean Koontz vertreibt Geldsorgen
Also dachte ich an was anderes und ging an den fast leeren Strand. Das Wetter war nicht umwerfend, aber okay. Ich legte mich hin und las ein Buch. Für ein, zwei Stunden kann ich sowas tun, dann muss ich wieder irgendwas machen. Ich bezahle doch nicht so viel Geld, nur um mich irgendwo auf die faule Haut zu legen ;-). Außerdem hat sich bereits genügend Hornhaut an meinen Füßen gebildet, sodass ich die Blasenpflaster wohl nicht benötigen werde.

Abseilleine als Rettungshilfe
Abends aß ich eine Bohnensuppe (die hier sogar schmeckte) für 5000 Won. Blieben mir also noch 9000. Beim Herumreisen gibt es eigentlich nur eine Regel: Wenn man Geld hat, kann nichts passieren. Aber sobald man keins mehr hat, kommt man in eine Notlage. Und das war erst der Anfang. Denn ich war zuversichtlich, in der Stadt sofort irgendwo Geld zu kriegen.

Bye, bye, Joengdongjin!
Am nächsten Tag, ich hatte schlecht geschlafen, weil ab 4:30 Uhr irgendwo ein Hahn krähte (alle 30 Sekunden) und immer mal wieder ein lauter Zug durch fuhr, kaufte ich mir am Bahnhof einen kleinen Snack, der anderswo vielleicht 2500 Won gekostet hätte. Aber hier wollte die Dame 5000 Won haben. Blieben mir also noch 4000. Das Bahnticket schlug mit 3100 Won zu Buche, also hatte ich noch ein paar Münzen übrig. Argh!

Der damit - ich - rechts - nirgends - ran - fahre - Sicherheits - Spiegel
In Gangneung wanderte ich dann mit meinem schweren Rucksack durch die Innenstadt und war glücklich, sofort eine Bank zu finden. Doch deren Automat gab mir auch nur "ERROR"-Zettelchen. Ich versuchte eine andere Bank, die Shinhan-Bank, bei der ich auch in anderen Städten schon Geld bekommen hatte. Die freundlichen Mitarbeiterinnen dort versuchten mal wieder einiges, aber es half nichts. Ich wurde zu einer anderen Bank geschickt. Die Hana-Bank, eigentlich eine der größeren, hatte auch nur Automaten, die "Domestic"-Credit-Cards (also in Korea ausgestelle) annahmen. Eine Mitarbeiterin dort konnte ein bisschen Englisch, schwitzte aber dabei, weil es ihr total peinlich war, Englisch zwar zu können, aber solche Schwierigkeiten beim Sprechen zu haben. Zusammen mit meinen paar Brocken Koreanisch funktionierte die Kommunikation dann aber wesentlich entspannter. Sie malte mir eine Wegbeschreibung auf zu einer Bank, die einen "Global ATM" besitzen sollte.

Reiskuchen frisch vom Markt
Also ging ich dort hin, doch diese Bank war gerade im Umbau begriffen. Ich probierte es aus, aber natürlich ging wieder nichts. Langsam verzweifelte ich. Ich musste doch irgendwo in dieser Stadt mit meiner Visa-Karte Geld bekommen können! Also wieder die Mitarbeiter heiß gemacht. Der freundliche ältere Herr, der jeden neuen Gast empfängt und nach seinen Wünschen fragt, wollte mir letztlich, als alle Stricke gerissen waren, sogar 10000 Won in Bar anbieten! Ich lehnte natürlich ab, denn mein Problem löste sich dadurch ja nicht. Eine Mitarbeiterin probierte dann mit mir jeden einzelnen der 6 Automaten aus, denn einer davon sei ein "Global ATM", nur das Schild fehle noch, wie sie zu wissen glaubte. Natürlich ging keiner... Aber ein Ass hatte sie noch im Ärmel: Noch eine andere Bank. Vielleicht haben die einen Global ATM. Bitte bitte...

Nur um das Gerücht zu zerstreuen, in Korea gäbs nur schlanke Menschen
Nach nochmal einer 20 Minuten Laufen fand ich tatsächlich einen "Global ATM" im Foyer eines riesigen Gebäudes. Wahrscheinlich der einzige in der ganzen Stadt. Ich hob gleich 400.000 Won ab, damit es eine Zeitlang reichen würde. Mann, was war ich erleichtert! Aber immerhin habe ich wieder was gelernt: Auftanken immer nur in den großen Städten ab 1 Million Einwohnern. Ich dachte eigentlich, dass 200.000 ausreichend sein sollten, denn groß wirkte die Stadt schon auf mich. Doch vermutlich lohnt es sich bei der riesigen Anzahl ausländischer Touristen gar nicht, so was aufzustellen. Irgendwie verständlich :-)

Mittlerweile bin ich noch viel weiter im Norden angekommen, aber darüber schreibe ich an einem anderen Tag. Denn das Wetter ist öde, und Bergwandern macht dann keinen Spaß. Deshalb weiß ich noch nicht, was ich morgen tun werde.
Kommentare (2)

Montag, 25. Juni 2007

Auf dem Land

Geschrieben von Jens in Korea 2007 um 14:32
Andong
Gestern Abend kam ich in Andong an, einem 150.000-Seelen-Städtchen nördlich von Daegu. Diese Stadt ist auch tatsächlich ganz überschaubar. Außer mir gibt es noch 2 andere Wessis, ein älteres Ehepaar. Diese beiden hatte ich heute 3x an total unterschiedlichen Orten gesehen. Genau wie mich die Einheimischen immer wieder erkannten, wenn ich auf der Suche nach einem Restaurant an ihnen vorbei wanderte. Das ist das Los, wenn man fremd ist und fremd aussieht - und gelbe T-Shirts trägt.

Hahoe-Dorf
Heute Morgen fuhr ich in das Hahoe Folk Village. Die Busfahrt in einem alten Bus dauerte rund 40 Minuten. In Hahoe leben Menschen in alten Häusern, und zwar solchen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Von der Regierung werden sie ein bisschen gesponsert, damit sie das freiwillig tun. Für Touristen eine tolle Gelegenheit, einen Eindruck davon zu bekommen, wie die Koreaner damals gelebt haben. Die einfachen Menschen in stohgedeckten Hütten (deren Dach man alle 2-3 Jahre auswechseln musste), die reicheren Schichten in ziegelgedeckten Villen.

Haus für höher gestellte Leute
Und obwohl man ab und zu Satellitenschüsseln, ein paar bessere Strassen und anderes modernes Zeug sieht, so sah es hier tatsächlich im Großen und Ganzen so aus, wie es damals gewesen sein könnte. Und auch die Umgebung, tief im Landesinneren, war absolut einen Blick wert. Wenn man mutig ist, kann man dort sogar in einem der Haushalte übernachten. Was aber bedeutet, in den winzigen Zimmern der Häuser auf dem harten Boden zu schlafen und die Bodentoiletten außerhalb zu benutzen. Muss ja nicht sein ;-).

So funktioniert Ondol
Sehr schön immer wieder zu sehen ist übrigens die Fußbodenheizung. Kein koreanisches Haus ohne Ondol, unter dem es in Korea bekannt ist. Und das seit sehr, sehr langer Zeit. Früher, als man noch kein warmes Wasser in Plastikschläuchen unter den Böden durchfließen liess, machte man ein Feuer in Nischen unter dem Haus. Der heiße Rauch wärmte die Wohnquartiere dann von unten und wurde über einen Kamin abgeführt.
Landschaft um Hahoe
Deshalb sind alle traditionellen Häuser auch etwas erhöht, der Eingang ist nie ganz ebenerdig.

Ähm... Blitzeisgefahr...?
Zurück in der Stadt ging ich in den Bahnhof, um mir ein Ticket für die morgige Weiterreise zu besorgen. Als ich unentschlossen vor der Anzeigetafel stand, kam ein strahlender Ticketverkäufer auf mich zu, der Englisch konnte - oder zumindest dachte, es zu können. Er redete etwas von "photo" und "one cut" und ich hatte keine Ahnung, was er eigentlich genau meinte.
Eingang zur Marktpassage
Er stellte mich vor den Verkaufsschalter, die Damen dahinter traten gefügig in den Hintergrund, und er übernahm die Kontrolle. Während die Mädels die englische Konversation beobachteten, verkaufte er mir voller Vergnügen das Ticket. Und rechts hinter mir stand eine Frau, die diese faszinierende Begegnung der 3. Art fotografierte.

Stausee bei Andong
Manchmal muss man die Leute nicht verstehen :-).

Danach fuhr ich zum Andong Folk Village, das in der Nähe des Andong-Damms liegt, am Ufer des riesigen Andong-Stausees. Dies sind Häuser, die originalgetreu erhalten werden und in eine schöne Kulisse eingebaut wurden.

Frau mit Mundschutz im klapprigen Bus
Als ich schon wieder auf dem Weg zurück war, merkte ich anhand einer Karte, dass ich noch gar nicht alles gesehen hatte. Das interessanteste lag nämlich ganz oben auf dem Hügel. Es war sehr anstrengend, da hoch zu gehen, weil mir die hohe Luftfeuchtigkeit und die Wärme hier (obwohl die Sonne nicht mal schien) ziemlich zu schaffen machten.

Andong Folk Village
Ganz oben also waren ein paar leere Restaurants, ein paar wenige Autos, und keine Menschen. Aber dafür das Filmset für eine Dramaserie auf KBS, die in der Joseon-Dynastie spielte. Für diese Serie war ein komplettes Dorf mitsamt einer Art Palast originalgetreu nachgebaut worden, das man nun (sogar kostenlos) besichtigen kann.
KBS-Filmset
Teilweise waren auch noch Bagger dort, die Gruben für neue Häuser aushoben. Aber gearbeitet wurde nicht. Stattdessen war ich... ganz allein. Und hatte das komplette Dorf für mich. Das mag daran liegen, dass die Koreaner schon fast so gehfaul sind wie die Amis. Was auch den starken Verkehr auf den Straßen erklären dürfte.

Am Schaum unter den Ziegeln merkt man die Fälschung ;-)
Jedenfalls wanderte ich dort oben ein wenig herum, fotografierte die Häuser, fotografierte mich, spielte ein wenig mit einer Lanze, fühlte mich wie ein König ohne Volk... und dann ging ich wieder hinunter.

Zeit zum Rumspinnen...
Abends wollte ich mal wieder in ein Restaurant, aber die meisten waren leer. Und diejenigen, in denen Menschen waren, sahen so aus, als hätten sie nur Gerichte, die man nicht allein bestellen kann, was hier häufig der Fall ist.
...herrschen...
Alles mit Grill auf dem Tisch ist normalerweise für mehrere Personen gedacht. Koreaner als Gemeinschaftsvolk gehen ohnehin nicht alleine essen.

Ich setzte mich in ein Restaurant, und der Inhaber machte mir klar, dass es hier nur was zu trinken gab, obwohl auf der Karte an der Wand auch Essen angeschrieben war. Hmm.
...und ausruhen :-)
Also wieder raus, anderes Restaurant gesucht. Eine sehr alte Frau sprach mich an und redete auf mich ein. Ich verstand fast nichts. Ein netter Herr half etwas bei der Konversation. Sie dachte, ich sei ein Amerikaner und war dann ganz glücklich, dass ich Deutscher war.
Toilette im 18. Jahrhundert
Ich meinte zu dem Mann, dass ich ein gutes Restaurant suche, und er schickte mich in das, in dem ich gestern Abend schon gegessen hatte. Na dann. Die Leute dort erinnerten sich immerhin an mich, und das Essen war gut, auch wenn ich nichts neues probiert habe.

Morgen früh steht mir eine dreieinhalbstündige Zugfahrt bevor. Wahrscheinlich ein übler Bummelzug. Es geht zurück ans Meer, denn das Wetter soll endlich wieder besser werden.
Kommentar (1)

Sonntag, 24. Juni 2007

Daegu

Geschrieben von Jens in Korea 2007 um 13:44
Shoppen in Daegu
Viel zu erzählen gibt es leider nicht über die letzten beiden Tage. Gestern Morgen habe ich um 11 Uhr Hye-Suk getroffen, die nach einer zweieinhalbstündigen Busfahrt in Daegu angekommen war.

Reiskuchen
Beim Herumwandern in den Shoppingmeilen der Stadt fanden wir unter anderem die Reiskuchenstraße. Diese sind beliebt als Geschenke für Hochzeiten oder sonstige feierliche Anlässe, und dementsprechend liebevoll sind sie zubereitet. Da gibts Reiskuchen in den unterschiedlichsten Formen und Farben. Gekauft hab ich mir ein kleines Päckchen, dies aber erst am nächsten Tag verzehrt, weshalb es nicht mehr ganz so gut war. Reiskuchen sollte man innerhalb eines Tages essen oder einfrieren.

Reiskuchen
In einem kleinen Stadtpark, in dem fast nur alte Leute auf den Bänklein saßen, gab es dann eine Aufführung von traditionellem Tanz, Schwerttraining, Glockenschlagen, Wachablösung usw. - dabei sind die Gewänder der Beteiligten sehr schön und farbenfroh. Als wir dort zusahen, kam ein Mitarbeiter des Kulturkomittes zu Hye-Suk und erklärte ihr, dass sie mich gerne mal die Glocke schlagen lassen würden. Weil da selten Fremde auf den Bildern wären, die man übrigens auch im Internet bewundern kann.

Das Grinsen passt nicht, gebs ja zu
Aber zunächst durfte ich mich in ein traditionelles Wächtergewand einpacken und fotografieren lassen. Später ließen Hye-Suk und ich die riesige Glocke erklingen, nachdem ein Wächter "Taejon" rief und ein anderer eine riesige Trommel schlug. Das war ziemlich lustig. Die machen das da wohl fast jeden Tag für die Touristen. Gelohnt hat es sich allemal.

Traditionell gekleideter Schwertkämpfer
In einem kleinen Eisrestaurant aßen wir Eis mit verschiedensten Früchten, Gemüse (u.a. Tomaten), so ner Art Cornflakes und vielem anderen Zeug aus einer großen Schüssel für 2 Personen. So hatte ich Eis jedenfalls noch nie gegessen. In diesem Laden, der nicht sonderlich groß war (vielleicht 8x3 Meter), gab es ca. 7 Angestellte, hauptsächlich jüngere Frauen. Sieben! Wenn ein Gast hereinkam, riefen die im Chor "Osoe oseyo!" (Willkommen!), und verabschiedeten jeden Gast auf dieselbe Weise. Das ist hier übrigens in jedem Geschäft oder Restaurant so. Wenn man reinkommt, wird man begrüßt, und wenn man rausgeht, wird man verabschiedet. Echt toll.

Mit Gewand hätt mich (vielleicht) keiner erkannt
Am Abend waren unsere Beine ziemlich erschöpft, sodass wir einen Snack kauften (Kimbap, in Seetangpapier gewickelten Reis mit diversen zusätzlichen Inhalten, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Kimbap, und zusätzlich eine Fertigsuppe, die in einem Becher daher kam und man nur noch mit heißem Wasser anrühren musste) und diesen im Hotelzimmer verzehrten.

Ich und Hye-Suk in Bereitschaft fürs Glockenschlagen
Heute Mittag deponierten wir unser Gepäck am Bahnhof und gingen noch ein wenig durch die Stadt, u.a. aßen wir bei "Lotteria" (ein von Lotte betriebenes Fastfood-Restaurant im McDonalds-Stil). Das Essen da lag mir etwas schwer im Magen, weshalb ich heute Abend eine scharfe Suppe aß, die gut für die Verdauung sein soll. Um 16 Uhr trennten wir uns. Ich nahm den Bus nach Andong, sie ging zurück nach Choengju. In Andong bin ich jetzt gerade, nachdem ich mich beim Abendessen etwas unwohl gefühlt hatte, weil ich diese spezielle Suppe plötzlich mit einer zusätzlichen Riesenschüssel bekommen hatte, in der nur etwas Salat lag - und ich keine Ahnung hatte, was ich damit anstellen sollte.

Gute Suppe
In Daegu habe ich gestern und heute ungefähr 20-25 Fremde gesehen. Immerhin! Hier in Andong, über das ich morgen mehr schreiben werde, bisher noch keinen. Die Leute hier sehen mich auch wieder etwas entgeisterter an als in Daegu.

Da ich sonst nichts mehr zu erzählen habe, hier einfach noch ein interessante paar Dinge, die ich aufschreiben kann:

Für die traditionelle Selbstmedikation
Die U-Bahn-Stationen und -Wagen in Daegu waren die saubersten und teilweise auch modernsten auf meinem ganzen bisherigen Trip. So sauber, dass man sogar die Mülleimer auf die Toiletten verlagert hatte. Aber vielleicht hängt dies mit einem großen Unglück zusammen, das 2003 geschah und das Land ziemlich erschütterte. Ein geistig verwirrter Attentäter, der sich das Leben nehmen wollte, legte einen Brand in einem U-Bahn-Wagen. Vieles lief daraufhin falsch: In den Wagen gab es zu viele leicht brennbare Materialien, und nicht zuletzt zog der Fahrer den Hauptschlüssel, machte sich aus dem Staub, und ließ damit den Zug stromlos zurück, sodass die Türen nicht mehr aufgingen und die Leute darin gefangen waren. Knapp 200 Koreaner verbrannten oder erstickten damals. Seither wurde eine Menge in die Sicherheit investiert, die Wagen und teilweise auch die Stationen wurden komplett umgerüstet.

Galbi-Restaurant mit Abzügen über Tisch - wollte ich noch nachreichen
Statt Papiertickets gibt es dort übrigens Plastikchips. Jedoch scheint das System noch nicht so rund zu funktionieren. Die Ein- und Ausgangsschranken standen meistens offen, obwohl manchmal ein Wächter daneben stand und guckte, ob auch jeder bezahlte. Die Einheimischen zahlen im öffentlichen Nahkverkehr mit elektronischem Geld, das auf einem Chip gespeichert ist, den man meist am Handy mit sich herum trägt.

Der Döner ist noch nicht angekommen - Eiscreme dagegen schon
Wie man an den riesigen Straßen und dem wahnsinnigen Verkehr (selbst in kleinen Städten) erkennen kann, sind die Koreaner extrem auto-fixiert, so ähnlich wie die Amis. Sie lassen auch gerne mal den Wagen mit laufendem Motor stehen, vermutlich, damit die Klimaanlage nicht ausgeschaltet wird. Dementsprechend sind Fußgängerampeln absolut nicht priorisiert. Oft wartet man mehrere Minuten, bis eine Ampel auf Grün schaltet. Und wenn sie dies dann tut, dann gerade mal für 30-50 Sekunden. An einer Ampel in Daegu gab es einen Zähler, der die letzten 20 Sekunden anzeigte.
Selten zu sehen: Sekundenzähler an Fußgängerampel
An Zebrastreifen muss man als Autofahrer nicht anhalten, wenn Menschen darüber gehen wollen. Dementsprechend vorsichtig muss man sich hier auf der Straße auch bewegen. Der einzige Vorteil am Zebrastreifen: Die Autofahrer hupen nicht, wenn sie anhalten müssen, und wenn man von ihnen überfahren wird, sind sie vollständig schuld.

Kneipen heißen "Hof" in Korea
Kneipen hier in Korea heißen "Hof", das aus dem Deutschen entlehnt wurde. Das ist eigentlich seltsam, da die Koreaner kein richtiges "F" sprechen können und dieser Buchstabe auch im Alphabet fehlt. Dementsprechend heißen die Hofs eigentlich "Hop" oder "Hopue".

Trainingsmeile in kleiner Allee
Bei den T-Shirts, die von den jungen Leuten getragen wurden, habe ich noch kein einziges mit koreanischer Aufschrift gesehen. Meistens sind die Sprüche auf Englisch und enthalten oft Grammatik- oder extreme Stilfehler. Sinnlos sind sie fast immer. Heute sah ich ein Mädchen mit einem deutsch beschrifteten T-Shirt: "Eine Million Volkswagen-Transporter" ...

Und in einer kleinen Parkmeile in Daegu gab es lustige Trainingsgeräte für den Sport zwischendurch.

Regenwetter haben wir hier immer noch, aber am Dienstag spätestens soll es wieder schöner werden. Hoffentlich, hoffentlich!
Kommentare (3)
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