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Sonntag, 20. November 2011

Tansania - Fazit

Geschrieben von Jens in Tansania 2011 um 11:39
Nun bin ich schon seit drei Wochen wieder zu Hause und das übliche Fazit steht noch aus. Ich bin mehrmals darauf angesprochen worden, dass ich mich in meinem Blog beschweren würde über die schlechten Zustände vor Ort, über schlechte Busse, Dreck und Schmutz, obwohl ich das doch erwarten müsste in einem der ärmsten Länder dieser Erde.

Dass dies so rüber gekommen ist, hatte ich nicht beabsichtigt. Beim Schreiben lasse ich mich von meiner Stimmung leiten. Meine Texte zeigen an, wie ich mich beim Schreiben gefühlt habe. Dass da an gewissen Stellen Frustration durchscheint ist deshalb durchaus normal. Auch wenn ich es erwartet habe, dass ich in klapprigen Bussen reisen muss, so wird es dadurch auch nicht zu einem schöneren Erlebnis. Genervt hat mich dabei vor allem, dass ich einen weit besseren Bus für den halben Preis hätte nehmen können, und dass die Buslinie, die ich beschrieben habe, auch unter Einheimischen nicht sehr beliebt ist.

Auf solchen Reisen durchlebt man viele Hochs und Tiefs. Rückblickend betrachtet passiert jedoch Erstaunliches: Plötzlich lächelt man über die negativen Erlebnisse, und man ist froh, sie erfahren zu haben. Negatives prägt weit mehr als positives, und zeigt einem viel anschaulicher, wie gut wir es haben in unserem Luxushotel Deutschland. Und es zeigt einem, dass man noch so viele Nachrichtenbeiträge und Magazine über Entwicklungsländer sehen kann, und man dennoch nicht weiß, wie es dort wirklich zugeht.

Ich hatte natürlich auch erwartet, dass man mich als Tourist als einen wandelnden Geldbeutel betrachten würde. Das ist in jedem armen Land so, bis zu einem gewissen Ausmaß. Ich bin auch bereit, etwas mehr zu bezahlen als Einheimische. Doch ich fühle mich schlichtweg ausgenommen, wenn ich für dieselbe Leistung den doppelten bis vierfachen Preis bezahlen muss, nur weil ich eine andere Hautfarbe habe. Der Vergleich hinkt zwar, aber: Wie würden bei uns in Deutschland die Schweizer reagieren, wenn wir ihnen aufgrund ihrer Herkunft alles 30% teurer berechnen als Deutschen? Ist Armut ein valides Alibi für unethisches Verhalten?

Auch wenn sich der physische Schaden in Grenzen hält (ob ich jetzt 6 oder 12 Euro für eine Busfahrt bezahle, ist wirklich relativ egal angesichts der Gesamtkosten), so hindert diese Mentalität einen daran, die Menschen näher kennen zu lernen.

Als ich einmal in Stone Town unterwegs war, wo man alle 50 Meter von einem Kerl angelabert wird, der einem was verkaufen will, habe ich zwei nette Jungs getroffen, die auf einer Mauer saßen und Kasawa aßen. Sie haben mir angeboten, auch davon zu probieren. Und was dachte ich in diesem Augenblick als allererstes? "Die wollen hinterher bestimmt Geld dafür haben."
DAS ist es, was ich so schade finde. Diese Jungs wollten nur nett sein, sie wollten mich kennen lernen. Später bin ich mit einem der beiden ein wenig durch die nächtlichen Straßen gelaufen, wir haben uns über alles mögliche unterhalten. Es war nett, es war interessant. Doch leider enden viele Begegnungen dieser Art mit der Aufforderung, ihnen doch für die "Stadttour" oder das Zeigen der richtigen Richtung Geld zu geben.

So störend wie in Tansania habe ich das bisher noch nie empfunden. In Asien wurde ich jedenfalls noch nie kilometerweit von den Kerlen verfolgt. Und genau aus diesem Grund steht dies auch häufig in meinem Blog. Von herumreisenden Pärchen oder Gruppen habe ich jedoch auch gehört, dass die Kerle oft zufrieden waren, wenn man ihnen ein deutliches Nein an den Kopf geworfen hat. Das hat bei mir nie funktioniert, was ich mal darauf zurück führe, dass ich alleine unterwegs und somit "Freiwild" war.

Dennoch hatte ich in Tansania trotz all der negativen Dinge auch viele wunderschöne Erlebnisse, die ich nicht missen möchte. Eines davon, das ich niemals vergessen werde, ist eigentlich relativ simpel.

Als wir auf Safari im Ngorongoro-Krater Rast machten und wir dazu aus dem Jeep aussteigen durften, waren nach einiger Zeit die meisten anderen Touristen vom Picknickplatz verschwunden. Ich ging ein paar Meter einen Hügel hinauf, oben über die Kuppe, gerade so weit, dass ich die Autos und die Menschen hinter mir nicht mehr sehen konnte, und ich nur noch die offene Wildnis vor mir hatte.

Ich spürte den staubigen Boden unter meinen Füßen, sah hinein in die Weite. In der Ferne der aufragende Kraterrand, dazwischen weidende Büffelherden, vereinzelte Vegetation, und keinerlei menschliche Einflüsse. Nichts. Ich stellte mir vor, alleine hier zu sein. Ich und die Natur. Ich spürte ein seltsames Gefühl in mir: Es war zum einen verstörend, weil ich mich der Natur schutzlos ausgeliefert fühlte. Aber es war auch ein Gefühl absoluter Freiheit, als wäre ich mit einem Mal von allen Zwängen der Zivilisation befreit.

Die ganze Zeit, in der man im Jeep unterwegs ist, fühlt man sich wie in einem Erlebnisbähnchen im Vergnügungspark. Man fährt auf festgelegten Bahnen durch eine Erlebnis-Landschaft. Man fühlt sich sicher. Nichts kann passieren.
Doch sobald man die Füße auf den Boden setzt und in dieser Landschaft herumspaziert, fühlt sie sich "echt" an. Man spürt erst dann, dass all dies wirklich existiert, dass es nichts künstliches ist. Dass man sich in diesem Moment der Natur ausliefert, sich ihr unterordnen muss, und nicht umgekehrt, wie das sonst der Fall ist in dem, was wir Zivilisation nennen.

Genau dieses Erlebnis, diese paar Meter auf dem staubigen Boden des Ngorongoro-Kraters, werden mir für immer im Gedächtnis bleiben. Allein dafür hat sich das Geld gelohnt.

Und damit schließe ich diese Passage meines Reiseblogs, und freue mich bereits auf die nächste Tour. Wo auch immer mich diese hinführen wird.
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