Ein Strand ist ein Strand ist ein Strand. Theoretisch. Ein Stück Ufer mit mehr oder weniger fein zermahlenen Steinen. Manchmal mit mehr oder weniger schönen Ausblicken, manchmal mit mehr oder weniger schöner Bebauung und mehr oder weniger Leuten. Dieser hier bei Paje an der Ostküste von Sansibar Wirkt wie eine zum Strand mutierte Arztpraxis: Weiß, fast schon steril, recht langweilig.
In Malaysia habe ich zwei Tag am schönsten Strand meines Lebens verbracht: Eine ruhige Bucht, Bungalows direkt am Strand, ruhiges Wasser ohne Wellen, keine Gezeiten, viele Fische, sogar ein paar Korallen, sodass man direkt vom Strand aus schnorcheln konnte. Und das alles für ein Viertel des Preises, den man hier bezahlt.
Obwohl die Strände auf Sansibar zu den besten der Welt gehören sollen: Mich beeindruckt das nicht sonderlich im direkten Vergleich mit Pulau Perhentian. Der Sand ist schön, ja. Die türkisen Schattierungen des Wassers sind genial. Die Wanderungen über das Watt bei Ebbe haben ihren Reiz. Man kann den bunt gekleideten Frauen zuschauen, wie sie Seegras ernten, auch wenn es dafür eigentlich viel zu heiß ist. Der Bungalow für 35 Dollar pro Nacht ist total okay. Es ist meine bisher teuerste Übernachtung in diesem Land. Ich esse das teuerste Essen überhaupt, heute habe ich allein rund 20 Euro für Verpflegung ausgegeben. Und das nicht nur, weil ich es mir die letzten zwei Tage noch gut gehen lassen will, nach all den Entbehrungen der letzten zwei Wochen, sondern ganz einfach deshalb: Es geht hier gar nicht anders!
Der Tourismus in Afrika scheint auf die falsche Weise entstanden zu sein. Aus Europäern und Amerikanern, die hier damals für ein Heidengeld ihre Safaris gemacht haben. "Jeder Mzungu ist reich" hat mir ein Beach Boy gestern gesagt, ja fast schon vorgeworfen, nachdem ich sein Angebot abgelehnt hatte, für 80 Dollar eine Schnorcheltour zu machen. 80 Dollar! Davon kann hier jemand (mit Entbehrungen) einen Monat lang leben.
Der Tarangire-Nationalpark hat gut gezeigt, welch unterschiedliches Maß hier angelegt wird: Ostafrikaner zahlen 80 Cent Eintritt, Nicht-Ostafrikaner zahlen 30 Euro. Ganz selten bekommt man einen lokalen Preis. Wenn man das Glück hat, in einem lokalen Restaurant zu essen zum Beispiel. 2-3 Euro für eine riesige Platte mit Reis, Gemüse- oder Fleischsauce, dazu die übliche Cola. Ungefähr 10 Dollar für eine Übernachtung in einem Budget-Hotel ist auch total in Ordnung. Aber hier auf der Insel ist die Welt verdreht: 35 Dollar ist fast schon die unterste Grenze. Fürs Essen werden fast westliche Preise verlangt.
Und dafür hat man dann diese weiße Wüste zum Sich-Braten-Lassen.
Okay, ich gebs zu: Ich relaxe hier und versuche es mir gut gehen zu lassen. Morgens jogge ich den Strand entlang, mache ein paar Fitnessübungen. Dann gehe ich etwas schwimmen, wobei mich jedoch das Seegras stört, das überall rumschwimmt. Dann ist das Wasser weg und ich laufe fast einen Kilometer weit nach draußen, in der sengenden Hitze. Der Ort, wo ich eigentlich hin möchte, kommt und kommt nicht näher. Dann trete ich auf einen See-Igel, seine Dornen bohren sich in meinen Fuss. Einige davon stecken jetzt noch drin - ich krieg sie nicht mal mit der Pinzette wieder raus. Ein Junge, der mit mir eine Schnorcheltour macht (für 20 Dollar - immer noch zuviel, aber die Fahrt mit dem Fischerboot ist ein Erlebnis für sich), gibt mir den Tip, den weißen Saft aus der Papaya-Schale drauf zu schmieren - dann kämen die Dornen wohl von selbst raus. Da bin ich mal gespannt. Dann Essen, mal wieder, eine Pizza für 6 Euro, dann relaxen, mal wieder - blöd dass ich kein Buch mehr habe -, dann nochmal den Strand auf- und ablaufen, dann Essen, again, diesmal für 10 Euro...
Ich bin jetzt eineinhalb Tage hier und ich habe genug! Ich will wieder weg! Was treiben die Menschen hier bloß wochenlang?
Morgen gehts zurück nach Stone Town, wo ich versuche Ethopian Airlines dazu zu bringen, mich in Sansibar einsteigen zu lassen statt in Dar Es Salaam. Wär auch ziemlich bescheuert, wieder zurück zu gehen. Der Rückflug hat so schon die bescheuertste Zeit überhaupt: Um 4 Uhr morgens.
Es geht mir gut. Es war schön. Sogar hier, am Strand. Bis auf die Sache mit dem See-Igel und dem Moment, als ich von einer Kuh rücksichtslos umgerannt wurde, weil ich ihr im Weg stand. Erlebt man ja nicht jeden Tag.
Ich freu mich wieder auf zu Hause