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Mittwoch, 26. Oktober 2011

Sansibar - Stone Town

Geschrieben von Jens in Tansania 2011 um 20:00
Sansibar
Sansibar
Die Busfahrt von Lushoto nach Dar Es Salaam dauert lange, doch der Bus ist zum Glück weit komfortabler als der andere. Außerdem ist die Fahrt recht unterhaltsam, weil ich einen 49jährigen Kerl treffe, der seit sieben Jahren auf Weltreise ist. Er hat genügend Geld gespart, hat sich losgesagt von allem, und reist seither mit einem monatlichen Budget von ungefähr 600 Euro. Nächstes Jahr will er versuchen, eine Computersoftware zu verkaufen, die er in dieser Zeit nebenbei entwickelt hat, um dann vielleicht so viel Geld reinzukriegen, dass er weiterhin um die Welt reisen kann. Ein faszinierender Mann, wenn auch ein bisschen zu redselig für meinen Geschmack.

In Dar Es Salaam bleibe ich nur eine Nacht und hebe noch etwas Geld ab, um am nächsten Tag auf die Insel überzusetzen.

Man soll sich wie in einem anderen Land fühlen, wenn man nach Sansibar kommt. Wie in einer anderen Welt. Ein bisschen was ist da dran. Früher waren die Länder Tanganyika und Sansibar voneinander unabhängig, und haben sich erst 1964 zu dem zusammen geschlossen, was heute Tansania heißt. Noch heute gibt es eine extra Regierung auf Sansibar, die allerdings nichts groß zu melden hat. Und man muss durch Customs & Immigration durch. Bekommt einen zusätzlichen Stempel in den Pass, selbst wenn man vom Festland aus einreist.

Sansibar hat eine lange kulturelle Geschichte. Die Araber bauten hier die meisten Gebäude und brachten den Islam ins Land. Kurz unterbrochen wurde all dies, als die Portugiesen einfielen, die wiederum von den Briten rausgeworfen wurden. Bald darauf kam der Sultan von Oman und erlangte die Kontrolle über die Insel. Sansibar wurde eines der wichtigsten Handelszentren der Welt, und tat sich vor allem hervor durch den Sklavenhandel, der hier Ende des 19. Jahrhunderts seinen Höhepunkt fand.

Und so sieht die Stadt heute aus wie eine verwesende Mixtur aus arabischen, indischen und europäischen Einflüssen. Es gibt unzählige enge Gassen, die manchmal nur einen Meter breit sind. Stone Town ist quasi die Altstadt von Sansibar Town, der einzigen Stadt auf der Insel. Der Islam ist hier dominierend, über 95% der Einheimischen sind Moslems, dann kommen noch ein paar Hindus und einige wenige Christen. Auf den Straßen sind die Frauen vollständig bedeckt gekleidet, manche davon tragen sogar eine schwarze Burka, die nur die Augen frei lässt.

Das ist auch alles schön und gut, doch man merkt leider, was hier passiert ist: Die Einheimischen leben in diesen alten Häusern auf eine Weise, wie sie überall leben. Sie richten sich irgendwie ein, sodass sie gerade das nötigste haben. Und wenn sie was verkaufen wollen, basteln sie sich aus ein paar Brettern eine hässliche Hütte und stellen sich an den Straßenrand.

Restauration oder Renovierung scheinen Fremdworte zu sein. Man sieht es überall wo man hinkommt. Es gibt kaum neue oder zumindest erneuerte Gebäude, ab und zu ist vielleicht mal etwas eingerüstet. Alles was steht, wird so lange weiter benutzt, bis es zusammen fällt. Und wenn es zusammen gefallen ist, räumt niemand den Schutt weg. So läuft man hier durch die Straßen und sieht, wie die alten Gebäude regelrecht verfaulen. Wenn ich eine deprimierende Prognose wagen darf: In 100 Jahren wird hier alles kaputt sein und die Afrikaner werden wie überall sonst auf der Insel ihre Wellblechhütten aufgebaut haben: Ein paar Backsteine übereinander stapeln, Wellblech aufs Dach, und in seltenen Fällen ein wenig Farbe drüber. Sie haben hier schon den Innenhof des alten Forts mit Souvenir-Läden zugestopft. Und im historischen Haus des letzten Bischofs ist ein Schönheits-Salon eingezogen. Der Tourismus ist hier die wichtigste Einkommensquelle, aber selbst die Regierung hat bereits dem Abriss eines großen historischen Gebäudes zugestimmt, sodass an dessen Platz ein Hotel gebaut werden kann. Die Unesco protestiert dagegen, aber wie weit sie mit diesem Einspruch kommen, ist noch ungewiss.

Ich lasse mir von einem jungen Guide die Stadt ein bisschen zeigen. Auf dem Platz des alten Sklavenmarktes wurde eine Kirche gebaut. Darunter befinden sich noch zwei gut erhaltene Kammern, in denen die Sklaven damals "aufbewahrt" wurden. Was mich abseits von dem historischen Kram aber noch am meisten fasziniert ist, als er erzählt, dass er pro Jahr ungefähr einmal an Malaria erkrankt - und diese mit einem selbst gemixten Trank aus diversen Baumbestandteilen und Gewürzen innerhalb weniger Tage in den Griff bekommt. Und der Weltreisende hat mir erzählt, dass man hier in den Städten in guten Apotheken dasselbe Medikament gegen Malaria bekommt wie bei uns: Malarone. Hier heißt es nur anders und kostet statt 50 Euro nur 20 Dollar.

Anyway: Es ist ganz schön hier. Wenn ich auf den Straßen unterwegs bin, werde ich nur alle 100 Meter angelabert und nicht wie sonst alle 20. Das ist doch schon mal ein Fortschritt. Ich treffe zwei Jungs, die gerade vom Mittagsgebet kommen und mich einladen, mit ihnen etwas Kasawa zu essen, eine Frucht, welche die Grundlage für viele lokale Speisen bildet. Am nächsten Abend treffe ich einen von den beiden erneut. Wir gehen ein wenig durch die dunklen Gassen, er stellt mich all seinen Freunden vor und zeigt mir das Haus, in dem er zusammen mit seinen "Ersatzeltern" wohnt (seine richtigen Eltern leben auf Pemba, der Insel nördlich von Sansibar). Hier sitzen zwei Frauen auf dem Boden und kümmern sich um ein Baby. Daneben sitzt ein junger Mann, der von der einen Frau gebeten wird, kurz die Windel zu halten. Mit einem genervten, fast schon angewiderten Gesichtsausdruck wirft er das Ding nach kurzer Zeit wieder seiner Frau zu. Windelwechseln ist Frauensache, so wie Putzen, Waschen und Kochen. Das ist für Muslime absolut selbstverständlich. Genau wie die Tatsache, dass alle Muslime, die nicht oder nur sporadisch beten, Sünder sind und in der Hölle schmoren werden. Das erzählt mir der Junge, als ich ihn frage, warum offenbar nicht alle Männer zu den Gebetszeiten in die Moscheen gehen.

Am nächsten Tag mache ich eine "Spice Tour", die mir von vielen Reisenden empfohlen wurde. Doch ich bin nicht so begeistert: Es ist genau einer jener Touri-Touren, die ich so verabscheue: Eine Riesengruppe aus 20 Leuten wird durch die Gegend kutschiert wie auf einer Kaffeefahrt für Rentner. Auf der Gewürzfarm, die nur eine Demonstrationsfarm ist, verbringen wir gerade mal eine Stunde. Der Guide redet schnell und gelangweilt, er wartet nicht mal darauf, bis die ganze Gruppe um ihn herum steht. Es ist ganz interessant zu sehen, wie Vanille, Zimt und ähnliche Gewürze "am Baum" aussehen. Doch das ist es dann auch schon. Während der Tour laufen ein paar Jungs mit uns mit, die aus Palmblättern alberne Hütte, Ketten und Krawatten basteln, sie jedem Besucher ungefragt umhängen, und hinterher dafür das Bettelschälchen aufhalten - sowas nervt mich ja tierisch. Danach kommt der unvermeidliche Teil mit dem Verkaufsstand. Dann gibts Mittagessen - das beste an der Tour. Und schließlich fahren wir noch an einen kleinen Strand, um dort ein wenig zu schwimmen. Letztlich verbringen wir mehr Zeit mit Warten und Fahren und unnützen Tätigkeiten, sodass der Begriff "Spice Tour" eigentlich zu hoch gegriffen ist. Zwischendurch fühle ich mich wie ein Eindringling, wie ein dummer Tourist, der aus seinem Hotel geholt wird, um mal zu sehen, wie "die Leute da draußen" denn so leben. Aber gut, die meisten Leute mögen solches Zeug. Die hatten bestimmt ihren Spaß.


25. Oktober

Dar Es Salaam von der Faehre aus gesehen
Dar Es Salaam von der Faehre aus gesehen


Lokaler Hafen
Lokaler Hafen


Irgendwas fehlt da
Irgendwas fehlt da


Stone Town
Stone Town


Sultanspalast in Stone Town
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House of Wonders - heisst so, weils damals das groesste in ganz Tansania war
House of Wonders - heisst so, weils damals das groesste in ganz Tansania war


Shops im alten Fort
Shops im alten Fort


Arabische Tuer mit indischen Einfluessen - erkennt man am runden Teil oben dran
Arabische Tuer mit indischen Einfluessen - erkennt man am runden Teil oben dran


Freddy Mercury ist in dieser Stadt geboren
Freddy Mercury ist in dieser Stadt geboren


Gassen
Gassen


Rote Bananen auf dem Markt
Rote Bananen auf dem Markt


Sklaven-Aufbewahrungskeller
Sklaven-Aufbewahrungskeller


Religionen
Religionen





26. Oktober

Zimt
Zimt


Alien
Alien


Vanille
Vanille


Muskatnuss
Muskatnuss


Touri-Tour. Man beachte die albernen Huete.
Touri-Tour. Man beachte die albernen Huete.


Strand
Strand


Stone Town - again
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Stone Town
Stone Town



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