Usambara-Berge

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Sonntag, 23. Oktober 2011

Usambara-Berge

Geschrieben von Jens in Tansania 2011 um 17:54
Lushoto - irgendwo da
Die Busfahrt nach Lushoto mit dem Fahar Hasa-Bus, für den ich das doppelte des Normalpreises bezahlt habe, ist der absolute Horror. Sie reiht sich nun ein in die schlimmsten Busfahrten meines Lebens: Gleich hinter der ersten Nachtbusfahrt in Vietnam.

Die Fahrt dauert statt sechs Stunden fast acht Stunden. Ständig hält das Ding an, ständig steigen Leute zu und wieder aus, in jedem scheiß Dorf wird der Busbahnhof angefahren. Manchmal sind da fünf Häuser und ein Busbahnhof! Immer wieder stehen wir minutenlang da, manchmal fünf, machmal zwanzig. Draußen laufen Jungs herum, die zu jedem ankommenden Bus laufen, um ihre Waren zu verkaufen: Toastbrot, Kaugummis, Handy-Aufladekarten, Cookies, Wasser und Säfte. Ich sitze eingekeilt in meinem Sitz. Vorne drücken sich meine Knie in das Polster des nächsten Sitzes, rechts ist das Fenster, neben mir sitzt eine dicke Mama mitsamt Kind und großem Gepäck. Zunächst finde ich das noch ganz witzig, so ein bisschen auf Tuchfühlung zu gehen mit den Einheimischen. Vor allem die alte Frau, die immer wieder zu mir rüber linst, ist eine Augenweide: Ein schwarzes Gesicht voller Geschichte, ein Gesicht, das jeder Maler gerne malen würde. Doch nach einer Stunde habe ich schon genug, weil mein Hintern sich meldet. Das Polster ist zerschlissen, es ist absolut unbequem, der Bus klappert, als würde er gleich zusammenkrachen, einmal fällt sogar eine Schraube irgendwo raus und landet auf meinen Beinen. Mann! Es ist sauheiß, ich bekomme Kopfschmerzen, versuche mich ab und zu hin und her zu bewegen, doch es gelingt mir nicht. Ich bin gefangen und ergebe mich meinem Schicksal.

Irgendwann bin ich tatsächlich da. In Lushoto, einer Kleinstadt in den Usambara-Bergen, auf rund 1200 Metern Höhe. Hier soll es schön sein, habe ich gelesen. Als ich ankomme, regnet es natürlich. Ein Typ vom Touristenbüro entführt mich sofort vom Busbahnhof, zeigt mir ein Hotel und will mir gleich ne Tour verkaufen. Ich finde es etwas seltsam, dass die Touristeninformation selbst Touren anbietet, und buche schließlich eine Tages-Wandertour bei einem jungen Kerl, der mir ganz sympathisch ist. Die Touranbieter hier stecken 40% der Einnahmen in lokale Entwicklungsprojekte. Unter anderem bieten sie den jungen Leuten, die sich die Privatschulen nicht leisten können, kostenlose Englischkurse an. Ich zahle rund 40 Dollar für die Tagestour. Ich bin eigentlich verrückt, aber was soll ich hier sonst tun? Immerhin sind die Leute sehr freundlich, man wird nicht ständig angelabert, und es geht hier alles etwas gemächlicher zu. Eine Gruppe Jugendlicher trifft mich auf der Straße, die freuen sich total, und wollen gleich mal mit mir was trinken gehen. Meine Kopfschmerzen von der Busfahrt sind aber so schlimm, dass ich mich lieber ausruhen gehe.

Nach einer Nacht, in der ich wie ein Baby schlafe, starte ich die Tour mit meinem Guide Bakari. Wir laufen den Berg hoch, ein bisschen durch einen Regenwald durch, wir sehen eine Menge kleiner Chamäleons, die überall in den Bäumen sitzen. Sehr faszinierende Tiere! Es ist interessant, das dörfliche Leben zu sehen. Wie die Leute hier alle möglichen Früchte und Gemüsesorten anbauen und auf dem Markt verkaufen. Ich erfahre auch, warum ich scheinbar nirgends in Tansania frische Fruchtsäfte kriege, sondern höchstens was abgepacktes oder die übliche Coca Cola. Frische Früchte gibts immer nur von März bis Juni. Ich lerne viel über die Geschichte der Stadt. Die Deutschen haben sie gegründet, zu Kolonialzeiten, weil sie sich hier ein wenig an zuhause erinnert fühlten und es ein wenig kühler war. Noch immer stehen ein paar alte deutsche Gebäude herum, unter anderem eine Kirche. Der Ort hieß früher "Wilhelmstal", das Tal daneben "Jägertal".

Mich erinnert all das hier an das Hochland in Vietnam. Es ist alles sehr ähnlich. Einige Reisende sagen mir, dass diese Landschaft hier das schönste ist, was sie in Tansania gesehen haben. Im Vergleich zum üblichen Tansania stimme ich ihnen zu. Im Vergleich zu den Nationalparks, dem deutschen Schwarzwald oder gar der Schweiz kann das hier allerdings abstinken. Die Landschaft wirkt zu sehr zerfleddert durch all die wellbleckgedeckten Farmhäuschen und Äcker.

Dennoch eine schöne Tour, die am "Irente Viewpoint" ihren Höhepunkt findet. Hier kann man sehr weit hinab ins Tal sehen. Ein wirklich toller Ausblick. Mittagessen gibts auch, auf der Irente Farm. Hier esse ich zum ersten Mal in Tansania ein ordentliches, frisches Brot. Überall sonst gibts nur Toastbrot, nichts anderes. Doch hier machen die Brot erster Güte. Ich kaufe etwas davon und ein Glas Marmelade. Hier oben gibt es keinen Geldautomaten. Ich habe nur noch zehn Euro in der Tasche und muss schauen, dass ich damit klar komme. Das heißt, heute Abend und morgen früh esse ich mein Brot mit Güezeli, und dann gehts ab mit dem Bus nach Dar Es Salaam. Von dort setze ich mit der Fähre über nach Sansibar, wo ich noch ein paar Hundert Dollar brauchen werde, um mich ein paar Tage lang zu beschäftigen. Mann Mann Mann. Wird das teuer hier!

Auf Anraten eines anderen Pärchens, das ich hier treffe, kaufe ich ein Ticket von Ibariki Tours. Die sollen weit komfortablere Busse haben. Mein Tourguide jedoch meint, dass dies eine der schlimmsten Buslinien ist, und er niemals damit fahren würde. Einmal ging der Bus kaputt und er musste zehn Stunden lang warten, bis die das Ding repariert hatten. Ja geil. Später erzählt mir ein anderes deutsches Pärchen, dass sie ebenfalls bei Ibariki gebucht haben, weil sie gehört haben, die Busse sollen gut sein.

Mal sehen. Es sind nochmal sieben Stunden bis Dar Es Salaam. Ich werds schon überleben. Danach ist ja eh Relaxen angesagt. Wenn auch teures Relaxen. Argh.

Das uebliche Treiben an der Busstation
Das uebliche Treiben an der Busstation


Der lokale Markt in Lushoto
Der lokale Markt in Lushoto


Chamaeleon
Chamaeleon


:-)
:-)


Kurzes Stueck im Regenwald, Guide Bakari
Kurzes Stueck im Regenwald, Guide Bakari


Erster Aussichtspunkt auf 1800 Metern
Erster Aussichtspunkt auf 1800 Metern


Blick in die Umgebung
Blick in die Umgebung


Friseur
Friseur


Cooler Berg nebendran
Cooler Berg nebendran


Irente Viewpoint - Blick Richtung Mafia-Berg
Irente Viewpoint - Blick Richtung Mafia-Berg


Irente Viewpoint
Irente Viewpoint


Irente Viewpoint
Irente Viewpoint


New Haven Bar - noch nicht ganz fertig - und wird es wohl auch nie
New Haven Bar - noch nicht ganz fertig - und wird es wohl auch nie


Strasse
Strasse


Kommentare (4)
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Kommentare
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Das Camäleon ist süüüss!! Versuch doch, eins nach hause zu schmuggeln - fällt bestimmt nicht auf! Hihi ;-)
#1 Jana am 24.10.2011 20:57 (Antwort)
Ich möchte auch ein Chamäleon, bring bitte 2 mit ;-)
#2 BAD am 26.10.2011 10:15 (Antwort)
Ich hätte gerne ein Usambaraveilchen... ;-)
#3 Michael Kleerbaum am 27.10.2011 08:50 (Antwort)
Oh, dann nehm ich auch eins! (Chamäleon, nicht Veilchen)
#4 Malte am 29.10.2011 12:15 (Antwort)

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