Freitag, 21. Oktober 2011
Flycatcher
Flycatcher - Fliegenfänger
Ich gehe abends auf der Straße, was sich kaum vermeiden lässt, da es um 18:30 Uhr bereits dunkel wird. Ich habe extra keinen Rucksack dabei, habe einen Teil meiner Wertsachen im Hotel gelassen. Ich möchte nur ein wenig rumlaufen, mir ein bisschen Wasser kaufen, vielleicht irgendwo was essen, die Umgebung auskundschaften.
Die zwei Kerle, die mich auf dem Weg zum chaotischen Busbahnhof anlabern, kriege ich recht schnell abgeschüttelt. Doch dann kommt einer, der aussieht wie Bob Marley auf Drogen. Hey friend, how are you? Where do you come from? Where do you go to? Did you make a Safari? Where do you stay? Have you had something to eat? What is your name? Hey, don't worry, it's just information, information is free of course! We are good friends, you know, just friends, no problem, hakuna matata. Do you know some Suaheli words? Pole pole, no problem, hakuna matata!
Ich versuche ihn abzuschütteln, doch es geht nicht. Er bleibt bei mir, führt mich zu nem Straßenrand-Shop, wo ich was zu trinken kaufe. Er warnt mich vor den bösen Leuten auf der Straße, dass ich aufpassen soll, speziell nachts. Er arbeitet für ein kleines Restaurant. Ich lasse mich überreden, dort was zu essen, da ich Hunger habe. Außerdem ist es immer toll, in lokalen Restaurants zu essen, in die sich Touristen selten verirren.
Ich esse Reis mit ein paar Gewürzen und etwas zähem Geflügel. Es ist einfach und gut, es macht satt. Ich komme mit einem anderen Kerl ins Gespräch, ein junger Tansanier im Anzug, der mir erzählt, dass Gaddafi getötet wurde. Ich sage "Oh, good!", und dann beginnt eine Diskussion, weil er da ganz anderer Meinung ist. Er glaubt, dass die Amerikaner Gaddafi auf dem Gewissen haben und dass sie sich da raushalten sollen. Auch er warnt mich vor den bösen Leuten auf der Straße, sagt, dass er vor kurzem ein paar Touristen sah, die offenbar gerade ausgeraubt wurden und hysterisch nach einem Taxi riefen. Währenddessen sitzt Bob Marley da und grinst sich einen weg.
Nach dem Essen will ich bezahlen, und natürlich kommt Bob und nimmt mir die Arbeit ab. Er sagt es kostet 6500 Schilling, das sind ca. 3 Euro. Ich glaube ihm das nicht, aber was soll ich schon tun. Ich gebe ihm das Geld, dann sehe ich die handgeschriebene Preistafel, auf der kein Gericht mehr kostet als 2500 Schilling. Er gibt mir das Rückgeld und jammert, dass ich ihm für seine tollen Dienste doch noch etwas mehr Geld geben soll. Ich zeige ihm das Schild und sage ihm, dass er mir eh schon dreimal den Preis berechnet und den Rest eingesteckt hat. Er will schon beginnen mit "Oh yes, my friend, but your meal was special", doch ich lache und denke mir nur: Ach, lassen wir ihn sein Geschäft machen, ich hab gut und immer noch günstig gegessen, hatte einen interessanten Abend, und gehe nun ins Bett, immer aufpassend, nicht überfallen zu werden.
Junger Verkaeufer
Wir kommen von der Safari zurück und halten an einem der zahlreichen Shops, die Maasai-Souvenirs verkaufen. Alles handgefertigt, alles Einzelstücke. Ich möchte ein bisschen was kaufen und bereite mich schon mal darauf vor, hart zu verhandeln.
Ich werde von einem ca. 13 jährigen Jungen durch den Laden begeleitet, der mir alles mögliche andrehen will. Ich entscheide mich letztlich für drei Sachen. Der Junge rechnet und rechnet, kommt etwas durcheinander und will 45000 Schilling für alles haben. Ich biete ihm 25000 an, er jammert rum, will 30000 haben. Letztlich sage ich ihm, dass 30000 okay sind, während er ganz verwirrt ist, weil er 40000 verstanden hat: Die Unterscheidung zwischen "thirty" und "fourty" ist nicht so einfach für die Tansanier, wie ich schon oft bemerkt habe.
Ich bin also bereit, 30000 zu bezahlen. Dann kommt der Deal. Er spricht plötzlich ganz leise und bietet mir das Zeug für 25000 an, wenn ich ihm nach dem Bezahlen 2000 Schilling persönlich gebe. Weil er mir so einen guten Preis gemacht hat. Klar willige ich da ein, zahle 25000 und gebe die restlichen 5000 dem Jungen, der es ganz sicher gebrauchen kann. Ob seine Eltern wohl wissen, was der Junge da so treibt?
Busticket
Ich möchte nach Lushoto fahren und begebe mich auf den Weg zur Busstation. Ich verlaufe mich ein paar Mal, weil die Straßen hier so chaotisch sind und jede irgendwie gleich chaotisch aussieht. Irgendwann labert mich mal wieder jemand an, gibt mir die Hand, fragt wo ich herkomme, wo ich hingehe, das übliche, wie immer.
Ich sage ihm, dass ich nach Lushoto will, woraufhin er erwidert, dass er da einen Kumpel hat an der Busstation, und da führt er mich jetzt hin. Ja, klar. Irgendwie hab ich das ja schon erwartet.
An der Busstation werde ich gleich von drei anderen in Empfang genommen, die mich umringen und mich in ein kleines Kabuff im Ticket-Büro führen. Ich versuche, den Typen nicht zu nahe zu kommen, und achte wie eine Katze darauf, dass mein Fluchtweg nicht versperrt wird.
Einer der Kerle zeigt mir einen Bus-Sitzplan und füllt ein Ticket aus. Sieht alles ganz normal aus. Dann will er 25000 Schilling haben. Eigentlich weiß ich, dass das Ticket nicht mal die Hälfte kosten sollte, aber auch hier: Was soll ich tun, wenn ichs nicht beweisen kann und alle - so wies aussieht - eh unter einer Decke stecken? Wenn man kein Suaheli kann, ist man aufgeschmissen und zahlt eben den Mzungu-Preis.
Die Typen zeigen mir genau, wo der Bus losfährt, und wo ich am nächsten Morgen um 6 Uhr stehen muss. Sechs Uhr! Da kann ich nicht mal was frühstücken, obwohl das hier im Zimmerpreis mit drin ist. Egal, was solls. Da muss ich eben durch.
Der Kerl, der mich angelabert hat, will jetzt noch 1000 Schilling haben für seine Dienstleistung. Ich winke ab, sage, dass er ja schon genug abbekommen hat, und verschwinde so schnell es nur geht.
Ich gehe abends auf der Straße, was sich kaum vermeiden lässt, da es um 18:30 Uhr bereits dunkel wird. Ich habe extra keinen Rucksack dabei, habe einen Teil meiner Wertsachen im Hotel gelassen. Ich möchte nur ein wenig rumlaufen, mir ein bisschen Wasser kaufen, vielleicht irgendwo was essen, die Umgebung auskundschaften.
Die zwei Kerle, die mich auf dem Weg zum chaotischen Busbahnhof anlabern, kriege ich recht schnell abgeschüttelt. Doch dann kommt einer, der aussieht wie Bob Marley auf Drogen. Hey friend, how are you? Where do you come from? Where do you go to? Did you make a Safari? Where do you stay? Have you had something to eat? What is your name? Hey, don't worry, it's just information, information is free of course! We are good friends, you know, just friends, no problem, hakuna matata. Do you know some Suaheli words? Pole pole, no problem, hakuna matata!
Ich versuche ihn abzuschütteln, doch es geht nicht. Er bleibt bei mir, führt mich zu nem Straßenrand-Shop, wo ich was zu trinken kaufe. Er warnt mich vor den bösen Leuten auf der Straße, dass ich aufpassen soll, speziell nachts. Er arbeitet für ein kleines Restaurant. Ich lasse mich überreden, dort was zu essen, da ich Hunger habe. Außerdem ist es immer toll, in lokalen Restaurants zu essen, in die sich Touristen selten verirren.
Ich esse Reis mit ein paar Gewürzen und etwas zähem Geflügel. Es ist einfach und gut, es macht satt. Ich komme mit einem anderen Kerl ins Gespräch, ein junger Tansanier im Anzug, der mir erzählt, dass Gaddafi getötet wurde. Ich sage "Oh, good!", und dann beginnt eine Diskussion, weil er da ganz anderer Meinung ist. Er glaubt, dass die Amerikaner Gaddafi auf dem Gewissen haben und dass sie sich da raushalten sollen. Auch er warnt mich vor den bösen Leuten auf der Straße, sagt, dass er vor kurzem ein paar Touristen sah, die offenbar gerade ausgeraubt wurden und hysterisch nach einem Taxi riefen. Währenddessen sitzt Bob Marley da und grinst sich einen weg.
Nach dem Essen will ich bezahlen, und natürlich kommt Bob und nimmt mir die Arbeit ab. Er sagt es kostet 6500 Schilling, das sind ca. 3 Euro. Ich glaube ihm das nicht, aber was soll ich schon tun. Ich gebe ihm das Geld, dann sehe ich die handgeschriebene Preistafel, auf der kein Gericht mehr kostet als 2500 Schilling. Er gibt mir das Rückgeld und jammert, dass ich ihm für seine tollen Dienste doch noch etwas mehr Geld geben soll. Ich zeige ihm das Schild und sage ihm, dass er mir eh schon dreimal den Preis berechnet und den Rest eingesteckt hat. Er will schon beginnen mit "Oh yes, my friend, but your meal was special", doch ich lache und denke mir nur: Ach, lassen wir ihn sein Geschäft machen, ich hab gut und immer noch günstig gegessen, hatte einen interessanten Abend, und gehe nun ins Bett, immer aufpassend, nicht überfallen zu werden.
Junger Verkaeufer
Wir kommen von der Safari zurück und halten an einem der zahlreichen Shops, die Maasai-Souvenirs verkaufen. Alles handgefertigt, alles Einzelstücke. Ich möchte ein bisschen was kaufen und bereite mich schon mal darauf vor, hart zu verhandeln.
Ich werde von einem ca. 13 jährigen Jungen durch den Laden begeleitet, der mir alles mögliche andrehen will. Ich entscheide mich letztlich für drei Sachen. Der Junge rechnet und rechnet, kommt etwas durcheinander und will 45000 Schilling für alles haben. Ich biete ihm 25000 an, er jammert rum, will 30000 haben. Letztlich sage ich ihm, dass 30000 okay sind, während er ganz verwirrt ist, weil er 40000 verstanden hat: Die Unterscheidung zwischen "thirty" und "fourty" ist nicht so einfach für die Tansanier, wie ich schon oft bemerkt habe.
Ich bin also bereit, 30000 zu bezahlen. Dann kommt der Deal. Er spricht plötzlich ganz leise und bietet mir das Zeug für 25000 an, wenn ich ihm nach dem Bezahlen 2000 Schilling persönlich gebe. Weil er mir so einen guten Preis gemacht hat. Klar willige ich da ein, zahle 25000 und gebe die restlichen 5000 dem Jungen, der es ganz sicher gebrauchen kann. Ob seine Eltern wohl wissen, was der Junge da so treibt?
Busticket
Ich möchte nach Lushoto fahren und begebe mich auf den Weg zur Busstation. Ich verlaufe mich ein paar Mal, weil die Straßen hier so chaotisch sind und jede irgendwie gleich chaotisch aussieht. Irgendwann labert mich mal wieder jemand an, gibt mir die Hand, fragt wo ich herkomme, wo ich hingehe, das übliche, wie immer.
Ich sage ihm, dass ich nach Lushoto will, woraufhin er erwidert, dass er da einen Kumpel hat an der Busstation, und da führt er mich jetzt hin. Ja, klar. Irgendwie hab ich das ja schon erwartet.
An der Busstation werde ich gleich von drei anderen in Empfang genommen, die mich umringen und mich in ein kleines Kabuff im Ticket-Büro führen. Ich versuche, den Typen nicht zu nahe zu kommen, und achte wie eine Katze darauf, dass mein Fluchtweg nicht versperrt wird.
Einer der Kerle zeigt mir einen Bus-Sitzplan und füllt ein Ticket aus. Sieht alles ganz normal aus. Dann will er 25000 Schilling haben. Eigentlich weiß ich, dass das Ticket nicht mal die Hälfte kosten sollte, aber auch hier: Was soll ich tun, wenn ichs nicht beweisen kann und alle - so wies aussieht - eh unter einer Decke stecken? Wenn man kein Suaheli kann, ist man aufgeschmissen und zahlt eben den Mzungu-Preis.
Die Typen zeigen mir genau, wo der Bus losfährt, und wo ich am nächsten Morgen um 6 Uhr stehen muss. Sechs Uhr! Da kann ich nicht mal was frühstücken, obwohl das hier im Zimmerpreis mit drin ist. Egal, was solls. Da muss ich eben durch.
Der Kerl, der mich angelabert hat, will jetzt noch 1000 Schilling haben für seine Dienstleistung. Ich winke ab, sage, dass er ja schon genug abbekommen hat, und verschwinde so schnell es nur geht.
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Rather! This was a very fantastic publish. Thanks for the furnished details.
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