Dienstag, 18. Oktober 2011
Safari - Lake Manyara
Ich muss sagen, ich hatte einige Vorbehalte gegenüber Safaris. Man zahlt viel zu viel Geld dafür, durch eine Steppe zu fahren, um aus der Ferne vielleicht das ein oder andere Tier zu sehen. Man fühlt sich wie ein Eindringling, weil die Safari-Jeeps die Viecher verfolgen, und jeder Fahrer versucht, auf Teufel komm raus den besten Platz zu erwischen. So viele Jeeps fahren durch die Gegend, dass man kaum Zeit hat, sich auf die Umgebung einzulassen. Außerdem kommt man sich vor wie in einem Bähnchen, das durch einen Vergnügungspark fährt, ohne inne zu halten, damit man die Umgebung auf sich einwirken lassen kann. Nicht zuletzt fühlen sich die Tiere sicher gestört von all dem Trubel um sie herum, und die Landschaften, die man aus Dokumentationen über Afrika kennt, sind mit Sicherheit gar nicht mehr zugänglich.
Nach drei Tagen Safari - alles hat perfekt geklappt und meine Bedenken waren natürlich absolut falsch - muss ich sagen: Nichts davon trifft zu.
Sobald man die Tore des Nationalparks passiert, fühlt man sich wie in einer anderen Welt. Langsam und vorsichtig fahren die Jeeps auf den Straßen durch den Park. Und darauf bleiben sie auch. Es gibt relativ wenige Straßen, sodass die Tiere jederzeit die Möglichkeit haben, die Touristen zu meiden. Sobald ein guter Platz gefunden ist, halten wir an, stellen den Motor ab, und beobachten. Da Nebensaison ist, stehen wir sogar meist alleine da.
Und dann passiert es: Zunächst sehen wir den Kopf einer Giraffe zwischen den Bäumen hervorschauen. Wir sind ganz aus dem Häuschen. Das erste Mal eine Giraffe außerhalb des Zoos! Sie ist ca. 50 Meter entfernt. Wir beobachten, wie sie Blätter aus der Baumkrone frisst. Dann plötzlich erscheinen hinter ihr weitere Giraffen. Eine ganze Familie kommt aus dem Wald hervor und geht langsam, wie in Zeitlupe, auf uns zu. Immer näher kommen sie, an den zwei Jeeps, die auf der Straße stehen, scheinen sie sich nicht zu stören. Hinter den Giraffen erscheint ein Elefant und geht ebenfalls langsam in unsere Richtung. Und als die gesamte Familie dann langsam die Straße vor uns überquert und ganz ohne Hast in Richtung des Sees verschwindet, während wir in der Ferne sehen, wie Tausende rosarote Flamingos gemeinsam aus dem Wasser abheben, weiß ich: Das ist das schönste, was ich je in meinem Leben gesehen habe.
Es ist absolut faszinierend. Die weiten, unberührten Landschaften in den Parks. Wenn man durch das Tansania außerhalb der Parks fährt, kann man sich nicht vorstellen, dass so etwas noch existiert. Die Parks sind wie Oasen in einer von Menschen zerstörten Welt. Fast wirken sie wie Fremdkörper, wie riesige Vergnügungsparks, die extra für Touristen gebaut wurden. Wenn man von schmutzigen Dörfern und Städten, für den Ackerbau gerodeten Flächen, von Wellblechhütten, vielen Menschen, von Chaos, stinkenden LKWs und viel Armut begrüßt wird, fühlt man sich hier wie im letzten Paradies, das auf der Erde noch existiert.
Wir fahren weiter und freuen uns über Affen, die sich am Straßenrand am Hintern kratzen. Wir sehen Gazellen auf den weiten offenen Flächen. Zebras, die das letzte grüne Gras abweiden. Ehrfürchtig beobachten wir riesige Elefanten, ganze Familien von ihnen, die sich fast direkt vor uns in einem Fluss waschen. Wir sehen Löwen, die faul in der Sonne herumliegen, zwischendurch kurz aufstehen und sich wieder müde fallen lassen, während dreißig Meter von ihnen entfernt riesige Büffel ganz vorsichtig näher kommen, bevor sie sich nach ewig wirkenden Minuten entschließen, doch weiter entfernt von den Raubtieren zu grasen.
Drei Parks erleben wir in drei Tagen: Lake Manyara, der kleinste, bildet den Auftakt. Dichter Regenwald, weite offene Savannenflächen, ein teilweise ausgetrockneter See, und waldbedeckte Steilhänge als nördliche Begrenzung. Hier hat man alle Landschaften in einem, verpackt wie ein Geschenk.
Am zweiten Tag erleben wir den Ngorongoro-Krater. Vor Millionen von Jahren entstanden, als sich riesige Vulkane auftürmten und wieder in sich zusammen fielen, als die Erde in Bewegung war und der große ostafrikanische Graben entstand. Der Krater hat einen Durchmesser von rund 20 Kilometern und wird von allen Seiten begrenzt durch 500 Meter hohe Wände. Ein in sich konservierter Lebensraum für viele Tausend Tiere befindet sich darin, mit mehreren verbundenen Lebensräumen.
Am dritten Tag sehen wir den kleinsten Teil eines größeren Parks: Tarangire. Hier haben wir Savanne. Braunes Gras. Ab und zu Akazienbäume. Vereinzelte Flächen mit mehr Vegetation. Ein kleines bisschen Wald, ein paar Flüsse, die eher Bächen gleichen. Und eine Wahnsinns-Hitze.
Wir haben jeweils genügend Zeit in den Parks, und sind froh um jedes Tier, das sich uns zeigt. Manchmal fahren wir minutenlang durch die Gegend, ohne dass wir etwas lebendiges sehen. Doch genau das nutze ich, um die weiten Landschaften in mich aufzusaugen, sie in meinem Kopf zu verankern. Es ist anstrengend, den ganzen Tag im Jeep zu sitzen, und so bin ich troz allem froh, als die drei Tage vorbei sind. Um die riesige Serengeti ebenfalls zu sehen, müsste man mindestens fünf Tage Safari machen. Vielleicht ein anderes Mal - wenn ich genügend Geld gespart habe.
Mit ca. 140 Dollar pro Tag bin ich gut weggekommen. Das "Tented Camp", in dem wir übernachten, ist komfortabler, als ich mir "Camping" vorgestellt habe - ich bin ja nun was gewohnt von der Kilimanjaro-Tour. Die fixen Zelte stehen unter Strohhütten, darin befinden sich nicht gerade komfortable, aber akzeptable Betten mit Schaumstoffmatten. Es gibt ein Restaurant und immer gutes Essen. Am Abend tritt noch eine lokale Hampelgruppe auf, die ein bisschen singt und tanzt und ein paar akrobatische Späßchen zeigt - und natürlich hinterher das Bettelschälchen rumgehen lässt. Alles ist wirklich ganz okay, bis auf die Gesellschaft in unserer Gruppe: Ein französisches Paar, beide rund 50 Jahre alt. Sie können fast kein Englisch und labern die ganze Zeit auf Französisch. Unser Fahrer kann ebenfalls besser Französisch als Englisch, sodass ich mir die meiste Zeit ziemlich ausgeschlossen vorkomme. Erstens diese nervige Sprache, die ich weder verstehe noch lernen will. Zweitens dieser schmierige Franzose, der irgendwann anfängt, witzig wirken zu wollen. Bei jedem Viech, das aus den Bäumen guckt, höre ich ihn hinter mir: "Öh, lüüüg, ün petite Gazelle!" Manchmal braucht er zehn Minuten, bis er kapiert hat, wie ein spezielles Tier heißt, um es nach fünf Minuten wieder zu vergessen. Ab und zu fängt er an zu singen. Beim Abendessen geht der Zirkus weiter: Französisch, Französisch, Französisch. Argh! Er wünscht "Bon appetite", ich wünsche "Guten Appetit" zurück. Immerhin ist da noch das junge Pärchen aus Chile, mit denen ich mich ein wenig unterhalten kann.
Alles in allem kann ich nun sagen: Wer in seinem Leben die Möglichkeit hat, eine Safari in den nördlichen Parks in Ostafrika zu machen, sollte diese Gelegenheit auf jeden Fall nutzen. Es ist schweineteuer, doch das bezahlte Geld verwandelt sich in bleibende Erinnerungen. Hier ist das Afrika, das man aus den BBC-Dokumentationen kennt. Es umgibt und durchdringt einen, alles in Full-HD und Rundum-Panoramablick.
Die Bilder können all dies kaum wiedergeben. Eine kleine Kompaktkamera ist nicht ausreichend, um die Schönheit dieser kontrastreichen Landschaften einzufangen. Ein kleiner Eindruck lässt sich jedoch vermitteln, und genau das werde ich hier tun.
Nach drei Tagen Safari - alles hat perfekt geklappt und meine Bedenken waren natürlich absolut falsch - muss ich sagen: Nichts davon trifft zu.
Sobald man die Tore des Nationalparks passiert, fühlt man sich wie in einer anderen Welt. Langsam und vorsichtig fahren die Jeeps auf den Straßen durch den Park. Und darauf bleiben sie auch. Es gibt relativ wenige Straßen, sodass die Tiere jederzeit die Möglichkeit haben, die Touristen zu meiden. Sobald ein guter Platz gefunden ist, halten wir an, stellen den Motor ab, und beobachten. Da Nebensaison ist, stehen wir sogar meist alleine da.
Und dann passiert es: Zunächst sehen wir den Kopf einer Giraffe zwischen den Bäumen hervorschauen. Wir sind ganz aus dem Häuschen. Das erste Mal eine Giraffe außerhalb des Zoos! Sie ist ca. 50 Meter entfernt. Wir beobachten, wie sie Blätter aus der Baumkrone frisst. Dann plötzlich erscheinen hinter ihr weitere Giraffen. Eine ganze Familie kommt aus dem Wald hervor und geht langsam, wie in Zeitlupe, auf uns zu. Immer näher kommen sie, an den zwei Jeeps, die auf der Straße stehen, scheinen sie sich nicht zu stören. Hinter den Giraffen erscheint ein Elefant und geht ebenfalls langsam in unsere Richtung. Und als die gesamte Familie dann langsam die Straße vor uns überquert und ganz ohne Hast in Richtung des Sees verschwindet, während wir in der Ferne sehen, wie Tausende rosarote Flamingos gemeinsam aus dem Wasser abheben, weiß ich: Das ist das schönste, was ich je in meinem Leben gesehen habe.
Es ist absolut faszinierend. Die weiten, unberührten Landschaften in den Parks. Wenn man durch das Tansania außerhalb der Parks fährt, kann man sich nicht vorstellen, dass so etwas noch existiert. Die Parks sind wie Oasen in einer von Menschen zerstörten Welt. Fast wirken sie wie Fremdkörper, wie riesige Vergnügungsparks, die extra für Touristen gebaut wurden. Wenn man von schmutzigen Dörfern und Städten, für den Ackerbau gerodeten Flächen, von Wellblechhütten, vielen Menschen, von Chaos, stinkenden LKWs und viel Armut begrüßt wird, fühlt man sich hier wie im letzten Paradies, das auf der Erde noch existiert.
Wir fahren weiter und freuen uns über Affen, die sich am Straßenrand am Hintern kratzen. Wir sehen Gazellen auf den weiten offenen Flächen. Zebras, die das letzte grüne Gras abweiden. Ehrfürchtig beobachten wir riesige Elefanten, ganze Familien von ihnen, die sich fast direkt vor uns in einem Fluss waschen. Wir sehen Löwen, die faul in der Sonne herumliegen, zwischendurch kurz aufstehen und sich wieder müde fallen lassen, während dreißig Meter von ihnen entfernt riesige Büffel ganz vorsichtig näher kommen, bevor sie sich nach ewig wirkenden Minuten entschließen, doch weiter entfernt von den Raubtieren zu grasen.
Drei Parks erleben wir in drei Tagen: Lake Manyara, der kleinste, bildet den Auftakt. Dichter Regenwald, weite offene Savannenflächen, ein teilweise ausgetrockneter See, und waldbedeckte Steilhänge als nördliche Begrenzung. Hier hat man alle Landschaften in einem, verpackt wie ein Geschenk.
Am zweiten Tag erleben wir den Ngorongoro-Krater. Vor Millionen von Jahren entstanden, als sich riesige Vulkane auftürmten und wieder in sich zusammen fielen, als die Erde in Bewegung war und der große ostafrikanische Graben entstand. Der Krater hat einen Durchmesser von rund 20 Kilometern und wird von allen Seiten begrenzt durch 500 Meter hohe Wände. Ein in sich konservierter Lebensraum für viele Tausend Tiere befindet sich darin, mit mehreren verbundenen Lebensräumen.
Am dritten Tag sehen wir den kleinsten Teil eines größeren Parks: Tarangire. Hier haben wir Savanne. Braunes Gras. Ab und zu Akazienbäume. Vereinzelte Flächen mit mehr Vegetation. Ein kleines bisschen Wald, ein paar Flüsse, die eher Bächen gleichen. Und eine Wahnsinns-Hitze.
Wir haben jeweils genügend Zeit in den Parks, und sind froh um jedes Tier, das sich uns zeigt. Manchmal fahren wir minutenlang durch die Gegend, ohne dass wir etwas lebendiges sehen. Doch genau das nutze ich, um die weiten Landschaften in mich aufzusaugen, sie in meinem Kopf zu verankern. Es ist anstrengend, den ganzen Tag im Jeep zu sitzen, und so bin ich troz allem froh, als die drei Tage vorbei sind. Um die riesige Serengeti ebenfalls zu sehen, müsste man mindestens fünf Tage Safari machen. Vielleicht ein anderes Mal - wenn ich genügend Geld gespart habe.
Mit ca. 140 Dollar pro Tag bin ich gut weggekommen. Das "Tented Camp", in dem wir übernachten, ist komfortabler, als ich mir "Camping" vorgestellt habe - ich bin ja nun was gewohnt von der Kilimanjaro-Tour. Die fixen Zelte stehen unter Strohhütten, darin befinden sich nicht gerade komfortable, aber akzeptable Betten mit Schaumstoffmatten. Es gibt ein Restaurant und immer gutes Essen. Am Abend tritt noch eine lokale Hampelgruppe auf, die ein bisschen singt und tanzt und ein paar akrobatische Späßchen zeigt - und natürlich hinterher das Bettelschälchen rumgehen lässt. Alles ist wirklich ganz okay, bis auf die Gesellschaft in unserer Gruppe: Ein französisches Paar, beide rund 50 Jahre alt. Sie können fast kein Englisch und labern die ganze Zeit auf Französisch. Unser Fahrer kann ebenfalls besser Französisch als Englisch, sodass ich mir die meiste Zeit ziemlich ausgeschlossen vorkomme. Erstens diese nervige Sprache, die ich weder verstehe noch lernen will. Zweitens dieser schmierige Franzose, der irgendwann anfängt, witzig wirken zu wollen. Bei jedem Viech, das aus den Bäumen guckt, höre ich ihn hinter mir: "Öh, lüüüg, ün petite Gazelle!" Manchmal braucht er zehn Minuten, bis er kapiert hat, wie ein spezielles Tier heißt, um es nach fünf Minuten wieder zu vergessen. Ab und zu fängt er an zu singen. Beim Abendessen geht der Zirkus weiter: Französisch, Französisch, Französisch. Argh! Er wünscht "Bon appetite", ich wünsche "Guten Appetit" zurück. Immerhin ist da noch das junge Pärchen aus Chile, mit denen ich mich ein wenig unterhalten kann.
Alles in allem kann ich nun sagen: Wer in seinem Leben die Möglichkeit hat, eine Safari in den nördlichen Parks in Ostafrika zu machen, sollte diese Gelegenheit auf jeden Fall nutzen. Es ist schweineteuer, doch das bezahlte Geld verwandelt sich in bleibende Erinnerungen. Hier ist das Afrika, das man aus den BBC-Dokumentationen kennt. Es umgibt und durchdringt einen, alles in Full-HD und Rundum-Panoramablick.
Die Bilder können all dies kaum wiedergeben. Eine kleine Kompaktkamera ist nicht ausreichend, um die Schönheit dieser kontrastreichen Landschaften einzufangen. Ein kleiner Eindruck lässt sich jedoch vermitteln, und genau das werde ich hier tun.
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