Heute bin ich in Arusha gelandet, einer etwas größeren und chaotischeren Stadt. Es ist völlig verrückt. So viele Leute auf den Strassen, überall Autos, überall Verkaeufer, die seeeehr nervig sein können.
Schon in Moshi hat mich ein junger Souvenir-Verkäufer, der sein Lager direkt gegenüber dem Hotel aufgeschlagen hat, mehrmals verfolgt, bevor ich mich von ihm überreden ließ, das Zeug in seinem Shop zumindest mal anzuschauen. Er folgte mir gar bis vors Internet-Cafe und war nach einer Stunde, als ich wieder raus kam, immer noch da. Ich wollte eigentlich nichts kaufen, schon gar nicht für so ein Heidengeld. Naja, er wird sich gefreut haben. Immerhin hat er mir zum Dank noch gezeigt, wo der Bus nach Arusha losfährt. Die Busstationen hier sind chaotischer als irgendwo sonst auf der Welt. Und wenn man als Ausländer aus- oder einsteigt, wird man ständig von Typen belagert, die einem ein Taxi, ein Hotel oder ne Safari andrehen wollen. Mann.
Im Bus nach Arusha sitzt ein 13jähriger Junge neben mir, mit dem ich mich ein wenig anfreunde. Er will mal Pilot werden und erklärt mir gründlichst, welche Schulen er noch besuchen will. Ich bitte ihn, mich gleich nach der Ankunft zu einem Taxi zu bringen, weil ich sonst wieder ewig in der Gegend herumirren würde, umlagert von zehn bis zwanzig aufdringlichen Mzungu-Ausquetschern.
Der Junge hat nach der Ankunft plötzlich einen nett wirkenden Taxifahrer an der Hand, bei dem ich mal einsteige. Er bringt mich in das Lutherische Gästehaus, das mir von Philipp empfohlen wurde. Die Angestellten dort scheinen wenig begeistert zu sein, mich aufzunehmen. Zuerst zeigen sie mir ein Zimmer mit Bad für 35000 Schilling. Das ist mir aber viel zu teuer. Nach etwas Drängen kriege ich ein einfaches Zimmer mit geteilten Toiletten für 15000 Schilling (ca. 8 Euro).
Der nette Taxifahrer arbeitet natürlich auch für einen Safari-Anbieter und bietet mir an, zumindest mal vorbei zu schauen. Tue ich, da ich eh vergleichen will. Er bietet mir eine zweitägige Camping-Safari mit Abfahrt heute Abend an für insgesamt 300 Dollar. Auch wenns hoch klingt: Das ist verrückterweise ein normaler Preis für die einfachsten Safaris. 100 Dollar pro Tag ist Minimum, die meisten kosten zwischen 100 und 200 Dollar. Da ich wenig Lust habe, mich noch weiter durch diese chaotische Stadt zu kämpfen, schlage ich zu.
Der freundliche Taxifahrer bringt mich auch nochmal zurück zum Hotel, um mein Gepäck wieder zu holen, weil ich das Zimmer ja nun doch nicht brauche, bzw. erst zwei Tage später. Dann bringt er mich und Abdallah zu nem Restaurant. Und für die ganze Rumfahrerei will er 35000 Schilling haben. Fuck! Das ist das Problem, wenn jemand so "freundlich" ist. Irgendwann wollen sie alle Geld. Vorhin wollte einer von mir 5000 Schilling "für ne Cola" haben, weil er mir einen Geldautomaten gezeigt hat. Yeah. Ich hab ihm 1000 gegeben, damit er abzischt.
Bald darauf bin ich wieder bei den Safari-Typen, weil mein Auto abfahren soll. Dummerweise ist die Gruppe, zu der ich dazustoßen sollte, nun plötzlich zu voll. Also bietet mir der Typ an, mir eine Übernachtung im Hotel zu zahlen. Die Safari geht dann morgen los. Waaaah.
Im Hotel komme ich dann plötzlich ins nächste Büro zu nem Kerl, der diversen afrikanischen Diktatoren nicht unähnlich sieht. Da die meisten Safaris mindestens 3 Tage dauern und es umständlich wäre, mich am zweiten Tag wieder zurück zu bringen, bietet er mir an, für "nur" 100 Dollar mehr noch um einen Tag zu verlängern. Und er bietet mir noch eine Übernachtung in seinem Hotel an, also insgesamt zwei.
Das alles macht zwar teilweise einen sehr seltsamen Eindruck auf mich, vor allem, weil ich ja gewarnt bin vor unseriösen Safari-Anbietern. Allerdings war ich im Büro, das ganz offiziell aussah. Ich habe das Auto gesehen mit den Lizenzen an der Windschutzscheibe. Und die haben mir genau erzählt, wer morgen noch mit dabei sein soll: Ein Paar aus Chile und ein Paar aus Frankreich. Das Chile-Pärchen bezahlt 180 Euro, das Frankreich-Pärchen 150 Euro. Angeblich.
Hoffentlich habe ich da keinen Scheiß gemacht. Wenns gut läuft, gehe ich morgen drei Tage auf Safari für 400 Dollar. Das wäre ein ganz guter Preis. Wenns schief geht, taucht das Auto nicht auf. Aber dann mach ich Terz bei denen im Büro. Man muss bei allen im Voraus bezahlen, von daher hoffe ich mal auf das beste.
Mann ey. Eigentlich wollte ich ja verschiedene Anbieter vergleichen. Aber die waren tatsächlich sehr überzeugend. Shit. Das ist echt übel hier in Tansania. Man kann sich kaum retten vor den Kerlen, wenn man nicht gerade sau-unfreundlich wird. So unfreundlich werden kann ich gar nicht.
Möglicherweise war das sogar ein großer Betrug, der mit dem kleinen Kerl losging, den ich "zufällig" im Bus getroffen habe. Sodass alles seriös und gut aussieht. Der Kleine hat mir sogar angeboten, mich bei ihm zu melden, wenn was schiefläuft, da seine Eltern im Nationalpark arbeiten.
Schaun wir mal. Ich sollte nicht zu misstrauisch sein. Wenn das tatsächlich ein Betrug war, gibts hier morgen einen "Ich hasse mich selbst, weil ich so blöd bin"-Eintrag.