Tag 6 - Abstieg

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Sonntag, 16. Oktober 2011

Tag 6 - Abstieg

Geschrieben von Jens in Tansania 2011 um 20:00
11 km, 1600 Höhenmeter Abstieg

Bitte chronologisch lesen. Hier gehts zum ersten Eintrag.

Die Tour in 6 Tagen... um den Gipfel herum ;)
Die Tour in 6 Tagen... um den Gipfel herum ;-)
Heute ist der Abstiegstag. Ich kann saugut schlafen auf 3000 Metern, wache nur zweimal auf. Das ist Rekord. Langsam gewöhne ich mich ans Zeltschlafen, aber nun habe ich auch genug. Es regnet mal wieder die ganze Zeit. Alles ist matschig. Alles ist feucht. Ich will nur noch zurück ins Hotel und mich in frische Klamotten schmeißen.

Nach dem Frühstück folgt die feierliche Trinkgeldübergabe. Da die armen Leute hier von den Touranbietern nicht gut genug bezahlt werden, wird ein ordentliches Trinkgeld erwartet. Insgesamt bekommt ein Träger rund 7 Dollar pro Tag. Ein Führer bekommt über 10 Dollar. Insgesamt kommen wir damit bei 12 Helfern (Führer, Köche, Träger) auf rund 540 Dollar Trinkgeld, das wir uns durch drei teilen.

Höhenprofil von 1500 bis 4600 Meter.
Höhenprofil von 1500 bis 4600 Meter.
Die Abstiegsroute ist ziemlich langweilig und geradlinig. Es geht nochmal rund 10 km durch den feuchten Regenwald, wir überwinden die letzten 1500 Höhenmeter zum Mweka-Gate. Dort angekommen schmerzen meine Füße, wir checken aus, und fahren schließlich zurück ins Hotel. Meine Mitstreiter bekommen noch ein offizielles Zertifikat, dass sie es bis zum Gipfel geschafft haben. Ich bekomme nichts.

Ich sitze im Hotel und das Internet, das man hier noch relativ teuer bezahlen muss, funktioniert nicht. Da die Wäscherinnen nach Hause gegangen sind, muss ich meine stinkende Kili-Kleidung selbst waschen. Ich laufe ein wenig durch die Stadt, kaufe ein bisschen Wasser und ein paar Kekse in einem "Supermarkt" auf 6 Quadratmetern, der bis oben hin voll gestopft ist. Ich habe mich nicht getraut, die Cookies aus einem der drei Meter hohen Stapel zu ziehen, weil ich damit vermutlich alles zum Einsturz gebracht hätte.

Aufgrund Philipps Insidertips habe ich mich entschlossen, meine Route zu ändern. Statt mitten ins Land Richtung Süden zu fahren, werde ich wohl auf der Haupt-Touristen-Route bleiben. Wenn ich im südlichen Ruaha Nationalpark eine Safari machen will, muss ich möglicherweise, weil ich der einzige bin, alles selbst bezahlen - also Auto, Guide, Übernachtung, Nationalparkeintritt. Und das käme dann auf über 200 Dollar pro Tag. Im Norden habe ich vielleicht die Chance, irgendwo zu einer bestehenden Gruppe dazu zu stoßen, sodass ich mit "nur" 100 Dollar auskommen könnte. Das ist doch verrückt! Eine längere Safari zu machen ist wirklich nur was für die Elite dieser Welt.

Nun verdaue ich meine Eindrücke der Kili-Tour. Es war verrückt und hart, aber rückblickend auch richtig geil. Es nervt mich, dass mich die Höhenkrankheit erwischt hat, aber ich weiß, dass das nicht an fehlender Vorbereitung oder mangelnder Kondition liegt. Deshalb kann ich damit ganz gut leben. Ich habe den Gipfel gesehen, es geht mir wieder gut, und das Abenteuer ist noch nicht zuende.

Am Abend essen wir noch einmal gemeinsam in einem Restaurant in Moshi, dem "Salzburger Steak House". Die Bedienungen haben Mützen und Röcke mit Leopardenfelldekor. Überall hängen Bilder und Andenken an Österreich herum, gemischt mit einem Faible für Volkswagen, genauer den VW Käfer. So bestehen die Rückenlehnen der Barhocker aus Käfer-Radkappen. Der Chef kommt später ins Restaurant und erzählt uns seine gesamte Lebensgeschichte. Wie er über ein Stipendium nach Österreich kam und dort in einer Hotelfachschule lernte. Wie er unwissend Sauerkraut bestellte und dachte, es sei Fisch. Wie sein Kollege aus Sansibar, ein Muslim, entsetzt darüber war, dass der Koch, der Hühnchen zubereitet, auch Schwein zuberereitet. Und wie er gesehen hat, wie fleißig die Österreicher waren, im Gegensatz zu seinen Landsleuten, bei denen alles "pole pole" (langsam, langsam) vorangeht. In seinem Restaurant sind demnach alle auf Zack. Er gibt uns seine in Word gestaltete Visitenkarte. Seine E-Mail-Adresse ist volkssalzburger@yahoo.com :-)

Abstieg durch den Regenwald
Abstieg durch den Regenwald


Die Pflanze, die angeblich nur am Kilimanjaro waechst, und deren Name mir jetzt entfallen ist
Die Pflanze, die angeblich nur am Kilimanjaro waechst, und deren Name mir jetzt entfallen ist


Nebliger Wald, nerviger Weg.
Nebliger Wald, nerviger Weg.


Aufladen zur Rueckfahrt
Aufladen zur Rueckfahrt


Sebastians probiert ein Bananenbier. Er ist nicht begeistert.
Sebastians probiert ein Bananenbier. Er ist nicht begeistert.


Kleine Shops am Strassenrand. Jeder hat einen eigenen Namen.
Kleine Shops am Strassenrand. Jeder hat einen eigenen Namen.


Das ganze Land scheint gesponsert von Coca Cola
Das ganze Land scheint gesponsert von Coca Cola


Strassenrandverkaeufer in Moshi
Strassenrandverkaeufer in Moshi


Altes Taxi
Altes Taxi




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