6 km, 1400 Höhenmeter Abstieg
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Die ganze Nacht hindurch hoffe ich, dass sie bald zuende ist. Der Wind draußen wird so stark, dass das Zelt durchgeschüttelt wird. Das Liegen auf der Isolationsmatte wird mit jedem Tag anstrengender. Dank meiner Ohrenstöpsel kann ich das Getöse draußen halbwegs ausblenden und finde zwischendurch immer mal wieder ein paar Minuten Schlaf. Doch es ist ein Kampf. Manchmal frage ich mich, auf was ich mich da eingelassen habe. Und ich finde es verdammt schade, dass mir der Gipfeltraum verwehrt bleibt. Die Höhe ist ein Monster, das man erst einschätzen kann, wenn man ihm begegnet.
Morgens bringt mir unser Koch ein bisschen Tee und etwas Toast mit Ei. Meine Übelkeit ist immer noch da, ich kriege fast nichts herunter. Irgendwann kämpfe ich mich aus dem Zelt, und muss mir mit ansehen, wie der weiße Gipfel unter einem blauen Himmel liegt. Muss mir vorstellen, dass so viele Leute an diesem Morgen da oben stehen und die geniale Aussicht genießen. Es ist zum heulen.
Kurz vor meinem verfrühten Aufbrauch (die vom Gipfel kommenden kriegen noch zwei Stunden Pause) treffe ich Sebastian, mein Wanderpartner, der es in der Nacht bis nach oben geschafft hat. Er meint, es sei hart gewesen. Saukalt und windig. Aber all das habe sich gelohnt.
Ja. Tja.
Ich steige mit unserem Guide Robert wieder hinab von 4600 auf 3000 Meter. Langsam gehts mir wieder besser, meine Kopfschmerzen verschwinden, meine Übelkeit geht zurück. Wir gehen an einem Holländer vorbei, dessen Augen blutunterlaufen sind. Er hatte die Gipfelbesteigung zwar geschafft, aber nur mit einem Medikament gegen Hoehenkrankheit. Er sieht nicht gut aus. Ich unterhalte mich mit Robert ein bisschen über das Leben in Tansania und übe das Leben in Deutschland. Auch er hat als Träger angefangen und hat sich bis zum Führer hoch gearbeitet. Dennoch will er nach acht Jahren Kilimanjaro nun irgend etwas anderes machen. Er träumt davon, ein eigenes Tourismus-Büro zu eröffnen, und meint, dass man ihn auch direkt anheuern könnte, um auf den Berg zu gehen. Dann fielen die Spesen für die beiden zwischengelagerten Reiseanbieter weg.
Auf dem Weg nach unten ist es faszinierend, wie die Landschaft wächst. Nach dem Geröll folgen kleine Büsche, die immer größer werden, bis man schließlich in einem Wald ankommt. Und Wald bedeutet: Regen! Yeah. Ich sitze mal wieder im Zelt im Regen und versuche, meine Sachen irgendwie zu trocknen. Langsam stinkts mir. Zum Glück ist das die letzte Nacht im Zelt. Müffeln tut auch schon alles.
Nun muss ich schauen, wie ich hier den Nachmittag und Abend verbringe. Wie verbringt man stundenlang im Zelt, ohne dass einem langweilig wird? Schlafen tut man nachts ja immer noch. Ein Buch hab ich nicht dabei. Nach draußen will man nicht wegen den Regen. Mist.
Morgen gehts hinab und zurück zum Hotel. Eine abenteuerliche Woche geht zuende. Abenteuerlicher als ich sie mir vorgestellt hatte.