Tag 4 - Aufstiegsfantasien

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Freitag, 14. Oktober 2011

Tag 4 - Aufstiegsfantasien

Geschrieben von Jens in Tansania 2011 um 20:00
8 km, 1000 Höhenmeter

Bitte chronologisch lesen. Hier gehts zum ersten Eintrag.

Als ich morgens zum x-ten Mal die Augen öffne, freue ich mich, dass ich dieses Mal halbwegs schlafen konnte, und dass meine Kopfschmerzen weg sind. Ich öffne das Zelt und sehe blauen Himmel mit ein paar Wolken, die sogenannte Barranco-Wall, die wir hochsteigen müssen, und dahinter das schneebedeckte Plateu des Gipfels. Meine Schuhe konnte ich auch wieder halbwegs trocken kriegen, meine Socken trocknete ich im Schlafsack.

Das ist ein Zeichen. Jetzt ist die Motivation zurück. Ich fühle mich stark und denke, dass ich es schaffen kann. 4000 Meter. Fehlen noch schlappe 1900.

Zunächst besteigen wir die Barranco-Wand, auch Breakfast Wall genannt. Es geht steil hinauf, das Gelände erreicht Stellenweise die Schwierigkeit T4. Es ist etwas abenteuerlich. Nicht mehr diese breiten Wege, sondern mal etwas, bei dem man darauf achten muss, wo man seine Füße hinsetzt. Gefällt mir.

Der Weg verläuft nun auf und ab durch eine Geröllwüste hindurch. Hoch auf 4200, runter auf 3900, und schließlich hoch auf 4600 zum nächsten Camp. Wo wir uns zu Beginn noch über das gute Wetter gefreut hatten, werden wir bald wieder von einer Wolke eingefangen, laufen durch Nebel, Wind und kalten Regen. Es ist anstrengend, über 4000 Metern wird einem nichts geschenkt.

Mittags um Zwei erreichen wir das Barrafu Camp. Barrafu bedeutet Schnee. Den hat es zwar nicht, aber es windet sehr stark, und es ist saukalt.

Zudem sind meine Kopfschmerzen zurück. Dazu gesellt sich eine generelle Übelkeit, die stetig an Stärke zunimmt. Später muss ich mich drei Mal übergeben, mein kompletter Mageninhalt will nach draußen. Ich fühle mich schrecklich. Es ist kalt. Es ist neblig. Zwischendurch sehen wir immer wieder mal ein Stückchen des Gipfels. Da sollen wir rauf, heute um Mitternacht. 1300 Höhenmeter. Zu Sonnenaufgang sollen wir oben sein.

Ich weiß schon, dass das bei mir nichts wird. Unser Guide sagt, dass ich mich bis Mitternacht ausruhen und dann die Entscheidung treffen soll. Ich liege in meinem Schlafsack, draußen entwickelt sich der Wind zu einem Sturm, ich friere, finde keine richtige Schlafposition. Meine Kopf pocht nun regelrecht, die Übelkeit nimmt zu. Nun ist mir klar, dass mich der Berg geschlagen hat.

Um Mitternacht gehen meine Mitstreiter los. Ich bleibe liegen und versuche zu schlafen.
Es ist die vielleicht schrecklichste Nacht meines Lebens.

Der Kibo hinter der Barranco Wall
Der Kibo hinter der Barranco Wall


Plumpsklo
Plumpsklo


Barranco Wall - da muessen wir hoch
Barranco Wall - da muessen wir hoch


Haessliches Vogelviech-Paerchen
Haessliches Vogelviech-Paerchen


Auf hinauf in die naechste Wolke
Auf hinauf in die naechste Wolke


Aufstieg an der Barranco Wall
Aufstieg an der Barranco Wall


Oben angelangt, Nebel umfaengt uns
Oben angelangt, Nebel umfaengt uns


Wieder blitzt der Gipfel durch
Wieder blitzt der Gipfel durch


Karangu Camp. Zwischenstation.
Karangu Camp. Zwischenstation.


Tourist Toilet
Tourist Toilet


Blick ins Tal
Blick ins Tal


Barafu Camp auf 4600 Metern.
Barafu Camp auf 4600 Metern.


Blick nach Sueden
Blick nach Sueden





Kommentare (3)
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Kommentare
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Hey Jens,
das ist wahrlich ein grosses Abenteur! Die meisten würden wohl nach deinen Ausführungen hier niemals so eine Tour antreten. Schon krass, welche Probleme man in der Höhe bekommen kann. Und wie immer, sind es unglückliche Kombinationen von Problemen, die dich in die Knie zwingen. Die Natur ist einfach zu stark und nur schwer kontrollierbar.
Aber du hast vieles erlebt und kannst dir auf die Schulter klopfen, was du bisher erreicht hast. Das Hochgebirgswandern ist eine komplexe Geschichte. Es braucht viel Erfahrung ... Erfahrung, die du nun auch sammeln konntest.
Finde es jedenfalls klasse, wie du dich durchgekämpft hast ... andere hätten schon früher aufgegeben. Aber es war das einzig Richtige und absolut vernünftig.
Ich wünsche dir jedenfalls viel mehr Spass an deinen folgenden Tagen. Hast ja noch vieles vor dir ;-)
Bis dann ...
Gruß Martin
#1 Martin am 16.10.2011 18:51 (Antwort)
Oh weh... scheisse, das ist echt ärgerlich. Tut mir total leid. Ich hoffe, der restliche Urlaub wird dafür mehr als kompensieren!

Mal zwei technische Zwischenfragen: Wie schaffst du es vom Kilimandscharo aus dein Reiseblog zu updaten, und wieso hält dein Akku so lange? Oder war in der Touristentoilette etwa auch ein Internetcafé versteckt?

Gruß aus Berlin,
Malte.
#2 Malte am 17.10.2011 01:27 (Antwort)
Ich hab die Texte auf dem Berg geschrieben und jetzt in der Stadt hochgeladen. Auf dem Berg hatte ich dank der Wolken nicht mal gescheiten Handy-Empfang :-)
#2.1 Jens am 17.10.2011 09:07 (Antwort)

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