10 km, 1200 Höhenmeter
Ich bin in Afrika. Es ist heiß. Es ist sauschwül. Ich schwitze aus allen Poren. Weit und breit kein Regen in Sicht. Die staubige Natur stöhnt nach Regen.
Aufwachen!
Ich bin in Afrika. Es regnet. Schon den ganzen Tag. Es ist kühl, ich friere ein wenig, hier oben auf 3000 Metern. Ich bin bei Regen durch den Wald gelaufen. Regenwald. Regenjacke, Regenhose. Unter mir Matsch, über mir Nebel. Auf 1800 Metern geht die Wanderung los, erst mittags um zwölf. Die Uhren in Tansania ticken ein wenig langsamer. Wir gehen normal, von Kriechgang keine Spur. Die meiste Zeit gehe ich alleine. Der Pastor und der junge Österreicher gehen nebeneinander und blockieren den viel zu gut ausgebauten Weg. Ab und zu reden wir, ab und zu hoffen wir auf Besserung. Der Wald ist dicht und spannend. Grünes Moos hängt von den verwundenen Stämmen hinab. Nebel kriecht durch die Wipfel der Bäume. Und es ist ruhig. All die Menschen beim Startpunkt sind zu unterschiedlichen Zeiten los gegangen. Da sind nur unsere Schritte und die urigen Geräusche des Waldes. Irgendwo da drin sind Tiere. Wir sehen jedoch keine.
Ab 2700 Metern erreichen wir die Heide- und Moorzone. Die Bäume werden kleiner, die Stämme dünner. Lange Flechten hängen bis hinab an den Boden. Ab und zu klart es auf und man kann ein Stückchen weit schauen. Hinein in die Wolken. Bei 3000 Metern, nach knapp fünf Stunden, erreichen wir das Camp. Konditionell kein Problem. Fast ein Spaziergang. Dennoch habe ich ein wenig Kopfschmerzen.
Wir sitzen im Esszelt und warten. Es ist kalt. Ich weigere mich, außer meinem dünnen Fleece auch noch das dicke Fleece anzuziehen, weil ich mich ja noch steigern muss für die nächsten beiden Camps. Philipp, der Pastor, und Sebastian, der Tiroler, lesen in ihren Büchern. Ich hab meins vergessen. Die beiden sind ein paar Tage vorher schon auf den Meru gestiegen, den Berg nebenan, mit 4500 Metern Höhe. Die sind das Wetter schon gewohnt und offenbar auch etwas besser ausgestattet. Für mich ist alles neu. Im Esszelt wird uns ein zweigängiges Menü serviert. Besser als im Restaurant. Es gibt Suppe, danach Kartoffeln mit Gemüse und irgendein zähes Fleisch. Wir lesen, unterhalten uns ein wenig. Auf Philipp muss ich mich noch etwas einstellen, er hat seine Emotionen gut unter Kontrolle. Gemeinsames Herumalbern liegt ihm nicht besonders.
Nun bin ich im Zelt und schreibe diesen Text. Ich bin froh um meinen Schlafsack. Ich bin glücklich, aus den matschigen Schuhen raus zu sein. Draußen regnet es immer noch. Ich weiß, dass ich nachts wieder aufs Klo muss, weil ich so viel getrunken habe. Aber ich will nicht. Bitte, meine Blase, sei brav und ruhig.
Wir haben die Hoffnung, morgen über die Wolken zu kommen. Wir haben die Hoffnung, dass der Regen aufhört. Es kann ja nicht ewig regnen. Ich weiß nicht, ob diese Hoffnung genau so falsch ist wie die Hoffnung, dass die Chancen beim Lotto steigen, wenn man immer und immer wieder auf dieselben Zahlen setzt. Denn irgendwann müssen ja...
Ich denke nicht mehr darüber nach und versuche zu schlafen. Meine erste Nacht allein in einem Zelt.
Morgen wird alles besser.