Relaxen in Hoi An

 |

skytrek.de

Kalender

« Februar '12
Mo Di Mi Do Fr Sa So
    1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29        

Kategorien

  • XML Korea 2007
  • XML Malaysia 2009
  • XML Spanien 2009
  • XML Tansania 2011
  • XML Vietnam 2010
  • XML Wanderungen 2011

Alle Kategorien

Verwaltung des Blogs

Login

Zufallsbild

Einträge in dieser Kategorie

Montag, 2. August 2010

Relaxen in Hoi An

Geschrieben von Jens in Vietnam 2010 um 11:36
Hoy An & My Son
Die Vietnamesen sind ein spannendes Völkchen. Wir haben viel gelernt, gesehen und erlebt, und ganz nebenbei haben wir ein Leben gerettet.

bei Hoi An
bei Hoi An
Im Bus von Hue nach Hoi An haben wir Ralf kennen gelernt, ein Kerl, mit dem ich niemals in Kontakt getreten wäre, hätte er es nicht getan. Ralf ist Ende 40, kommt aus Berlin und lebt in Vietnam. Sein dicker Bierbauch, seine schlechten Zähne und seine herrische Art, die sich bei einem "Machtspielchen" im Bus kurz zeigte, ließen mich ihn in die Kategorie "Sextourist" einordnen. Doch Ralf ist zum Glück anders. Er verleiht Motorräder für Touren zwischen verschiedenen Städten, genießt das lockere Leben in Hoi An, und spricht sich offen gegen den Tourismuswahn aus, der das ganze Land ergriffen hat.

bei Hoi An
bei Hoi An
Auf dem Weg von Danang nach Hoi An fährt man an der Küste entlang, doch man sieht sie nicht. Kilometerweit sind die Strände abgesperrt. Überall werden Touristen-Ressorts gebaut. Riesige Komplexe mit Bungalows, Betonburgen, Pools und Golfplätzen. Privatstrand vorne, Pförtnerhäuschen hinten. Ist dies das unausweichliche Schicksal eines jeden Landes mit schöner Natur und netten Stränden? Es fühlt sich so an, als würde dieses Land Stück für Stück sein Herz verkaufen.

Fische erschlagen?
Fische erschlagen?


bei Hoi An
bei Hoi An
Wenn man durch die Straßen fährt, sieht man die Vietnamesen in ihrem täglichen Leben. Frauen sitzen an der Straße und verkaufen ihre Waren. Männer und Frauen zugleich hämmern und schweißen auf den zahlreichen Baustellen. Alle sitzen sie in den kleinen Straßenrestaurants auf winzigen Baby-Plastikstühlen. Die Männer rollen sich gerne ihr Hemd hoch und lassen ihren braunen Bauch von dem bisschen Wind liebkosen, der durch den dröhnenden Verkehr erzeugt wird. Man sieht sie in ihren Schlafanzügen einkaufen, besoffen auf der Straße liegen, und betäubt von der Hitze in ihren Geschäften dösen oder in Hängematten schlafen.

bei Hoi An
bei Hoi An
Ganz besonders verrückt sind die Mädchen, die sich wie Eskimos kleiden, wenn sie in der Sonne unterwegs sind. Sie tragen Pullover mit Kapuze und langen Hosen und bedecken ihr Gesicht mit einer überdimensionierten Schutzmaske. Am Strand trafen wir eine, die hatte dicke weiße Strumpfhosen an und trug zweischichtige Kleidung. Bei 35 Grad und über 70% Luftfeuchtigkeit! Wir fragten sie, warum sie denn so verrückte Sachen mache. Sie sagte, dass sie unbedingt weiße Haut haben möchte, weil dunkle Haut ja mal überhaupt nicht sexy sei. Ich frage mich allerdings, wann sie ihre helle Haut denn mal zeigen will. Nachts? Im Haus?

Nuss-Schalen am Strand
Nuss-Schalen am Strand


Schutzwand
Schutzwand


Hoi An bei Nacht
Hoi An bei Nacht
Wenn es Ralf nicht gesagt hätte, wäre es uns vielleicht nicht einmal so richtig aufgefallen: In Vietnam haben die Frauen das Ruder in der Hand. Sie sind es, die die Geschäfte und Restaurants betreiben. Sie arbeiten überall mit, auch bei den härtesten Baustellenjobs. Wenn man einen Kerl irgendwo nach dem Weg fragt, kriegt er manchmal Panik in den Augen und ruft seine kleine Schwester, die dann spannenderweise ein paar Brocken Englisch kann, selbst wenn sie erst zehn Jahre alt ist.

Hoi An bei Nacht
Hoi An bei Nacht
Was mich aber hier im Vergleich zu meinen bisherigen Asienreisen am meisten überrascht ist, wie schön die Häuschen hier sein können. Weder in Malaysia noch in Südkorea hatte man den Eindruck, dass es den Leuten wichtig war, wie ihr Haus aussah. Dort war Haus gleich "Betonding in dem man schläft". Keine Gärten, keine Farbe, keine Dokorationen oder architektonischen Schnörkel. Ganz anders hier. Wenn man von der Hässlichkeit absieht, dass die meisten Häuser als Reihenhäuschen gebaut werden, bei denen die eine Seite betonkahl verbleibt, so sind die Vorderseiten oft wunderbar gestaltet mit Balkonen, Türmchen, spitzen Giebelchen, und das alles garniert mit frischen, spannenden Farben.

Easy Rider
Easy Rider
Seit wir hier in diesem netten Hotel in Hoi An sind, fühlen wir uns so richtig wohl. Wenn man von meiner Dysenterie mal absieht, die langsam und sicher das Weite sucht, so freuen wir uns hier über die Ruhe in der Nacht, die guten Betten, das nette Frühstücksbuffet, und sogar darüber, dass die Getränke und Süßigkeiten in der Minibar nicht mehr kosten als auf der Straße.

My Son
My Son
Gestern haben sind wir mit den Fahrrädern von unserem Hotel aus Richtung Norden gefahren, hinein in kleine Seitenstraßen, die zu den einzelnen Häusern führen. Egal, wo man hinkommt, egal wo man durchfährt: Überall scheinen sich die Menschen zu freuen, dass sie Touristen sehen, die etwas abseits fahren, die sehen möchten, wie das echte Vietnam aussieht. Nicht die Kinder natürlich. Die rufen "Hello", weil sie das Wort so toll finden und beim Abhängen vor der Glotze oder beim Spielen auf der Straße nur darauf warten, bis wieder mal einer vorbei kommt. Viel schöner ist es, wenn man von alten Frauen oder Männern angelächelt wird, wenn man ihnen zunickt und sie zurück nicken. Wenn man bedenkt, was diese Menschen in ihrem Leben durchgemacht haben. Ein gutes Gefühl.

My Son
My Son


Ins Bild gefallen
Ins Bild gefallen
Als wir auf der großen Straße fuhren, sah ich vor mir ein klapperndes Gespenst seinen Drahtesel schieben. Es war ein älterer Mann, rund 60 Jahre alt. Weißes Haar, braun gegerbte Haut. Er konnte nicht mehr gerade gehen, tapselte langsam vorwärts, hielt sich an seinem Rad. Der Schweiß floss in Sturzbächen seinen Körper hinunter. Die Sonne brannte mit 35 Grad direkt von oben. Der Mann sah aus, als würde er jede Minute zusammenklappen und sterben.

Da kein Autofahrer und kein Mopedfahrer angehalten hatte, konnte ich nicht anders als ihm zu helfen. Corinna war schon vor gefahren und wunderte sich, wo ich denn schon wieder blieb. Ich gab ihm mein letztes Wasser zu trinken, versuchte mit ihm zu reden. Aus Frankreich kam er. Zum Strand wollte er. Er war mit seinem Rad gestürzt, hatte keinerlei Wasser dabei, und hat sich offenbar mit dem Ziel übernommen, die 5 km bis zum Strand durch die sengende Hitze heil zu überstehen.

My Son
My Son
Irgendwann kam Corinna und wir riefen ein Taxi. Da der Mann kurz vor einem Hitzschlag stand, wollten wir, dass er ins Hotel zurück fuhr. Doch der alte Bock blieb stur. "To the beach", keuchte er. Er war so schwach, dass jemand helfen musste, seine Beine ins Taxi zu befördern. Als wir nach wenigen Minuten ebenfalls am Strand ankamen, lag er in einem Liegestuhl, wurde von ein paar Vietnamesen versorgt und trank... ein Bier. Nun ja.

My Son
My Son
Wir haben es uns gemütlich gemacht, sind ein bisschen geschwommen und haben zugesehen, wie das Gespenst, nachdem es sich wieder etwas erholt hatte, schwankend vor dem Wasser stand und sich irgendwann hinein fallen ließ, ähnlich unkontrolliert wie ein Haus, das bei einem Sturm zusammenbricht. Und wie er zurück torkelte zu seinem Liegestuhl, zurück zu seinem Bier. "I have spent 4 years in the middle east", hatte er gesagt. Als Rechtfertigung dafür, dass er ja eigentlich mit der Hitze klarkommen müsste? Wer weiß, vielleicht war er früher in der Fremdenlegion und macht nun in den Ländern Urlaub, in denen er damals gekämpft hat. Wir haben jedenfalls eine gute Tat getan. Ob er diesen Urlaub überlebt, wenn er so weiter macht, bezweifeln wir.

Die Japanische Brücke, Wahrzeichen von Hoi An
Die Japanische Brücke, Wahrzeichen von Hoi An
Abends radelten wir Richtung Stadt, doch wir kamen nicht weit. Corinna blieb gleich beim ersten Kleiderladen hängen, der an der Straße auftauchte. Wir vereinbarten, uns in einer Stunde an der japanischen Brücke zu treffen, und wenn das nicht klappt, dann eben im Hotel. Ich war natürlich rechtzeitig dort und wartete. Ich drehte ein paar Runden, um zu sehen, ob sie irgendwo anders war, doch ich fand sie nicht. Irgendwann setzte ich mich in ein Cafe, bestellte mir mein magenfreundliches Hühnersüppchen, und musste fast eine Stunde lang darauf warten. Ich machte mir ein wenig Sorgen, weil ich mein Handy nicht dabei hatte, und weil ich fürchtete, dass Corinna sich in der unübersichtlichen Stadt verfahren könnte. Natürlich hat sie nie Probleme damit, sich durchzufragen, aber dennoch verblieb ein unwohles Gefühl.

Als ich abends um halb Zehn im Hotel ankam, saß sie lachend bei ein paar Österreichern. Es war alles in Ordnung. Sie war gar nicht weiter gekommen als bis zum ersten Laden. Und dort hat sie drei Kleider, einen Mantel, einen Bikini und drei Paar Schuhe gekauft. Alles maßgeschneidert, angepasst oder komplett neu, für zusammen nicht mal 120 Dollar. Yikes! Frauen!

Da fährt man durch ganz Vietnam, und am glücklichsten ist sie im Kleiderladen ;-)
Da fährt man durch ganz Vietnam, und am glücklichsten ist sie im Kleiderladen ;-)
Und wie glücklich sie war! Zwar hat sie sich tausend Gedanken gemacht, ob sie nicht etwas zu vorschnell gehandelt hat, ohne vorher zu vergleichen, aber dennoch war sie glücklich. Und nicht nur wegen dem. Sie hat sicherlich 30 Mal gesagt, wie schön das Hotel doch sei. Und wie gut es ihr hier gefällt. Wie toll es hier ist. Und wollte gleich wieder in einen Kleiderladen düsen, um sich noch ne Bluse und noch nen Bikini zu kaufen.

Es geht ruhiger zu in dieser Stadt. Ein Touristenörtchen mit vielen Souvenirläden und Gässchen, in denen man umherbummeln und gut essen kann. Das ist keine typische vietnamesische Stadt, und genau deshalb fühlt sie sich besser an. Sicherlich ist vieles gekünstelt, damit die Touristen glücklich sind, aber dennoch macht es ein paar Tage lang Spaß, hier zu sein. Vor allem dann, wenn man auch rausfährt.

Einer der vielen kleinen Läden
Einer der vielen kleinen Läden
Gestern haben wir uns für 80er-Roller für 5 Dollar gemietet und sind damit gleich 50 km weit zu den Cham-Ruinen von My Son gefahren. Wir sind beide noch nie auf einem Roller gesessen, doch schon nach kurzer Zeit ging das ganz locker von der Hand. So einfach! Und wieviel Spaß das gemacht hat, mit 50-70 Sachen durch Vietnam zu heizen oder langsam im städtischen Verkehr mitzuschwimmen. Und auch mal zu hupen, wenn ein blöder Hund nicht von der Straße weggehen wollte.

Mit ein bisschen Durchfragen war es kein Problem, My Son zu finden. Und als wir dann da waren, war ich doch ein klein wenig enttäuscht, dass nur eine Gruppe gut erhalten war, und die anderen nur noch aus ein paar herumliegenden Steinhaufen bestanden. Diese grasüberwucherten Ruinen der Cham-Kultur sind über 800 Jahre alt, liegen mitten im Wald, bewacht vom Cat's Tooth Mountain, und wirken aufgrund ihrer spannenden Architektur majestätisch und mystisch zugleich.

Spaß mit Relikten
Spaß mit Relikten


Spaß mit Relikten
Spaß mit Relikten


Spaß mit Relikten
Spaß mit Relikten


Corinna musste mir abends unbedingt ihre neuen Kleider vorführen. Was für einen Spaß sie dabei hatte! Das Problem ist nur, dass sie in dieser Stadt, wo es pro Gasse zehn verschiedene Schneiderläden gibt, die alles machen, was man zeigen oder beschreiben kann, in jedem (ja, in jedem) Laden hängen bleibt. Und später muss man genau die Läden, in denen man was bestellt hat, wiederfinden können. Bei einer solchen Kleiderladendichte absolut keine leichte Aufgabe.

Heute relaxen wir hier noch ein bisschen am Strand. Ich muss aufpassen wegen der Sonne, meine Arme sind schon sehr rot geworden aufgrund der Rollerfahrerei. Und bereiten uns vor auf die nächste Busfahrt Richtung Süden. 12 Stunden für 550 km. Leider muss das sein, wir kommen nicht drum herum, wenn wir nicht zuviel Zeit verlieren wollen. Dieses Mal werden wir aber einen Schlafbus nehmen. Vielleichts wird dann nicht ganz so eklig werden wie beim letzten Mal. Da Corinna heute Nacht bis um 5 Uhr morgens mit ein paar Iren gefeiert hat, und ich im Bett lag, weil mich die Sonne und ein paar Halsschmerzen matt gelegt hatten, wird sie vermutlich keine Probleme mit dem Schlafen haben. Gut für sie :-)


Kommentare (4)
< Kulturkrämpfe | Abenteuer im Schwarzwald Vietnams >

Trackbacks
Trackback-URL für diesen Eintrag

Keine Trackbacks

Kommentare
Ansicht der Kommentare: (Linear | Verschachtelt)

Na dann wünsch ich euch mal eine gute und erholsame Fahrt...

Gruss,
Oli
#1 Oliver am 03.08.2010 08:54 (Antwort)
Drei Tage ohne Bericht!
Müssen wir uns Sorgen machen? ;-)

Gruss,
Oli
#2 Oliver am 05.08.2010 11:37 (Antwort)
Vier Tage ohne Bericht!
Die deutsche Botschaft wurde informiert! ;-)
#3 Oliver am 06.08.2010 15:25 (Antwort)
Alles ok, wir leben noch. Gerade noch so ;-)
#3.1 Jens am 06.08.2010 17:35 (Antwort)

Kommentar schreiben

Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

 
 
 
Powered by Serendipity | Template by Perun