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Freitag, 23. Juli 2010

Sturmwarnung

Geschrieben von Jens in Vietnam 2010 um 23:50
Halong Bay & Cat Ba Island
Halong Bay & Cat Ba Island
Die letzten zwei Tage waren nicht einfach. Corinna möchte immer und überall das beste Preis-/Leistungsverhältnis bekommen und ist stets bestrebt, sich gerne über alles mögliche zu beschweren. Das Essen schmeckt nicht. Der Raum ist nicht gut genug geputzt. Es ist zu schwül. Es gibt hier nichts zu tun. Es ist zu laut. Das Handtuch müffelt. Das Zimmer ist zu teuer. Das Essen ist zu wenig. Das Essen ist zu viel. Der... nein. Ich sollte keine Listen machen.

Ausblicke
Ausblicke
Sicher hat sie mit vielem davon Recht. Natürlich ist das Zimmer mal zu teuer und das Essen zu schlecht für den bezahlten Preis. Aber mir persönlich gehen solche Dinge schlichtweg am Arsch vorbei. Ich habe keine Lust, mit 20 Kilo Gepäck zig Hotels abzuklappern, bis mal eines dabei ist, bei dem alles stimmt. Ich habe keine Lust, in zig Restaurants zu gehen, bis mal eines das beste Essens-Erlebnis verspricht. Mir ist es scheißegal, ob ich mal ein paar Dong oder Dollar zu viel zahle. Wenns passt, freue ich mich. Wenns nicht passt, jammere ich nicht, sondern lebe damit. Man hat ja keine andere Wahl. Für schlechte Stimmung und Stress ist mir mein Leben zu schade. Erst recht im Urlaub.

Blöder Strand in Halong City
Blöder Strand in Halong City
Nun ja. Wir arbeiten dran. Ich nehme zurück, dass sie total unkompliziert ist. Die letzten zwei Tage waren wirklich nicht einfach. Vermutlich können die wenigsten Menschen absolut gelassen mit den Schwierigkeiten einer solchen Reise umgehen. Es ist eben nicht klar, was am nächsten Tag passiert. Und es ist niemals sicher, dass ein Plan funktioniert.

Ausblicke
Ausblicke

So sind wir gestern früh von Hanoi aus Richtung Ostküste gefahren. Fünf Stunden im Minibus. Total unkompliziert organisiert. Wurden sogar vor dem Eingang abgeholt. Corinna hatte jedoch Halsschmerzen bekommen und so war ihre Stimmung ohnehin schon im Eimer, als wir schließlich in Halong City eintrafen. Von dieser Stadt aus wollten wir ein Touristenboot durch die Halong-Bucht nehmen und auf die Insel Cat Ba übersetzen.

Gesunkene Ausblicke
Gesunkene Ausblicke
Klappte aber nicht, da 1. eine Taifun-Warnung ausgerufen wurde und alle Boote an Land zurück beordert wurden, und 2. der Bus ohnehin zu spät gewesen wäre. Und so waren wir dazu verdammt, einen Nachmittag und Abend in dieser unschönen Stadt zu verbringen. Ein Durchgangsort. Nichts weiter. Die Leute kommen hier nur her, um eine Tour durch die Bucht anzutreten. "Sorry, no boats today" - "And tomorrow?" - "Not sure!" Geile Aussichten...

Wer mir das übersetzt, dem spendier ich nen Kaffee :-)
Wer mir das übersetzt, dem spendier ich nen Kaffee :-)
Halong City ist übel. Großflächig angelegte Touristenläden, wenig gescheite Restaurants, ein "Strand" für den man Sand aufschütten musste, weil vorher nur Matsch und Steine da waren, und ein Hotel unterdurchschnittlicher Qualität mit Zimmerblick auf einen Schutthaufen, das schlauerweise dem Fahrer des Minibusses gehörte, der uns von Hanoi aus her brachte. "I have good hotel for you". Ja klar. Die Vietnamesen sind äußerst geschäftstüchtig. Heute setzten wir uns mittags in ein Restaurant am Strand - auf alte ekelhafte Plastikstühle -, bestellten schon mal was zu trinken, und dann kam ein Kerl vorbei, der zunächst fragte, wo wir her kämen, und dann 50.000 Dong (2 Euro) für jeden Stuhl haben wollte. Gehts noch? Da hab ich Corinna immerhin zugestimmt und wir haben schnellstens das Weite gesucht.

Stürmische Ausblicke
Stürmische Ausblicke
Wir haben uns irgendwie beschäftigt. Ich bin abends die kaputte Promenade entlang geschlendert und habe verträumt auf die Karstfelsten hinaus gesehen, die ich unbedingt erleben wollte. Ich habe Bilder gemacht, die idyllisch wirken, weil man die vierspurige Straße und die Matschflächen darauf nicht sieht. "Anpassung der Wirklichkeit" nennt sich das. Die Erinnerung ist das, was bleibt - nicht die Realität an sich. Das Ministerium der Wahrheit in 1984 hat das ähnlich gehandhabt. Selbstbetrug vielleicht, auf Dauer. Aber ein äußerst wirksamer. Corinna hat sich in dieser Zeit gesund geschlafen und mit ihren Freunden geskyped. Und damit gedroht, dass sie es keinen Tag länger in dieser Stadt aushalten würde.


Straßenrand-Friseur
Straßenrand-Friseur
Was war ich froh, als die Boote heute tatsächlich fuhren. Leider erst um 13 Uhr. Der Taifun war in der Nacht nicht gekommen, ist knapp nördlich an uns vorbei gezogen. Morgens kam sogar die Sonne raus. Um 12 war sie wieder weg, der Himmel wurde schwarz und es begann zu regnen. Zum Glück dauerte der Schauer nicht mal eine Stunde, und das Boot fuhr um 14 Uhr endlich los. Wir haben gemerkt, dass wir speziell sind. Die meisten buchen die Halong-Tour von Hanoi aus und fahren dann wieder zurück. Wir haben aber nur ein Busticket nach Halong City gekauft und wollten "auf eigene Faust" auf Cat Ba landen. Hat etwas Überzeugungskraft erfordert, dass wir sowas verrücktes tun wollen. Wenn man vom Standard abweicht, werden die Routen komplizierter.

Touristenboot in der Halong Bay
Touristenboot in der Halong Bay
Jedenfalls hab ich nun die Bucht gesehen. Einen winzigen Teil davon zwar nur, aber der war richtig toll. Es ist gigantisch, wie diese waldbewachsenen Felsen aus dem Wasser herausragen und von der Abendsonne gestreichelt werden. Es gibt über 2000 dieser Felseninseln in der Bucht. Und mindestens so viele Boote, die sie durchqueren. Leider sahen wir wirklich nur den kleinsten Teil. Stattdessen stoppte unsere Tour zunächst in einer Höhle, durch welche die Leute hindurch gedrückt wurden wie Kühe im Schlachthof. Massentourismus extrem. Ich hasse sowas!

Halong Bay
Halong Bay
Schließlich legte das Boot an der Nordseite von Cat Ba an. Wir wurden in einen pinkfarbenen klapprigen Minibus gesteckt, der uns über die gesamte Insel bis in den Süden fuhr, wo wir jetzt gerade sind, in Cat Ba Town. Die Fahrt war genial. Ich fühlte mich wie in "Lost" mit zumindest etwas Zivilisation. Der Bus hat gestöhnt und geweint, als er die einfache Betonstraße durch die winzigen Dörfchen bezwingen musste. Aber die Hupe, die hat funktioniert. War ja auch nötig, um die ganzen Hunde und Hühner zu vertreiben, die seelenruhig mitten auf der Straße lagen.

Bucht bei der Massentourismus-Höhle
Bucht bei der Massentourismus-Höhle
Die Ruhe und Idylle, die man während der Fahrt noch spürte, ist nun jedoch wieder vorbei. Cat Ba Town scheint genau so eklig zu sein wie Halong City. Ich liege hier im Hotel, es ist zehn Uhr abends, und keine zehn Sekunden vergehen ohne ein Hupen auf der Straße vornedran. Es scheint fast so, dass die Vietnamesen hier auf der Insel noch viel lieber hupen als irgendwo sonst. Wir sind zum falschen Zeitpunkt hier. Es ist Hochsaison. Es ist fast Wochenende. Tausende vietnamesische Touristen stürmen gerade die Insel. Es gibt keine Zimmer unter 15 Dollar. Corinna hat zweimal versucht zu verhandeln, aber wir sind kläglich abgeblitzt. Als wir schließlich im strömenden Regen mit unserem Gepäck von Hotel zu Hotel wuselten, war ich froh, dass Corinna letztlich einsah, dass günstigere Zimmer nicht so einfach zu finden sind.

Massentourismus
Massentourismus
Die nächsten zwei Tage wollen wir hier aktiv sein. Kayak fahren. Mountainbiken. Wandern vielleicht. Schwimmen. Am Strand herumliegen, falls wir zwischen den Vietnamesen noch Platz finden. Solche Sachen. Wenns scheiße ist, verschwinden wir bald wieder. Wenns gut ist, bleiben wir ein Weilchen.

Ich jedenfalls denke positiv. Und bin guter Hoffnung, dass ich das Corinna auch noch beibringen kann ;-)


Halong Bay
Halong Bay


Halong Bay
Halong Bay


Halong Bay
Halong Bay


Halong Bay
Halong Bay


Halong Bay
Halong Bay


Schwimmende Dörfchen
Schwimmende Dörfchen


Halong Bay
Halong Bay


Verkäuferinnen finden einen überall
Verkäuferinnen finden einen überall


Halong Bay
Halong Bay


Halong Bay
Halong Bay


Halong Bay
Halong Bay


Halong Bay
Halong Bay


Kommentare (12)
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Kommentare
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Deine Berichte sind wie immer traumhaft!
Ich wünsch dir allerdings, dass sich die Reise noch etwas zum Besseren wandelt.
Übrigens, zu einer richtigen Bilddokumentation gehören auch die schäbigen Sachen. Her mit den Bildern von den ekligen Städten, Straßen und Tieren auf der Straße. Ich will's sehen! Fotos aus dem Bus klappen sogar besser als man denkt ;-)
Ganz liebe Grüße
Steffi
#1 Steffi am 24.07.2010 12:21 (Antwort)
Ach auf den roten Schild steht übrigens sowas wie "Herzlich Willkommen auf dem Weg zum Cap des Seins" oder so... ;-)
#2 Steffi am 24.07.2010 12:28 (Antwort)
Hi Jens

Wir mussten den halben Bericht über lachen. Wenn man dich gut kennt, weiß man das dir vieles an diesem Tag gegen den Strich ging (man merkts an deiner Schreibweiße). Aber du hast deinen Optimismus nicht verloren und wir hoffen das die nächsten Tage schöner werden. Wir haben grade in den Nachrichten das mit dem Taifun gesehen und mussten jetzt mal checken ob es dir gut geht. Aber wie man unschwer erkennen kann lebst du noch mit "mullen und knullen" ;-))

Gruss,
Meike und Oli
#3 Oliver und Meike am 24.07.2010 20:23 (Antwort)
"Wer mir das übersetzt, dem spendier ich nen Kaffee"

Jaja, Du und Deine Versprechungen. Dr. Oberstein vom Naturkundemuseum und ich warten immer noch auf den versprochenen Preis, den Du auf der Malaysia-Reise für die Identifizierung der Larve ausgelobt hast... :-)
#4 Michael Kleerbaum am 25.07.2010 11:37 (Antwort)
"Dr. Oberstein vom Naturkundemuseum"
Ich schmeiß mich weg vor lachen *lol ;-)
#4.1 Oliver am 25.07.2010 12:48 (Antwort)
Hey Jens!

Chúc m?ng sinh nh?t tôi mu?n b?n!!

Also falls man Google-Übersetzer trauen kann müsste das soviel heißen wie:
Alles Gute zum Geburtstag wünsch ich Dir!!

Hoffe Du hast einen schönen, unkomplizierten, Massentourismus- und Taifun-freien Tag! :-) Es macht, wie immer, Spaß deine Berichte zu lesen. Wünsch Dir weiterhin eine gute Reise und viele tolle Erlebnisse.
Gruß, Joachim
#5 Joachim am 25.07.2010 13:33 (Antwort)
Hmm, da waren wohl ein paar ungewöhliche Sonderzeichen zu viel in dem Satz.. Du musst Deinen Blog unbedingt Vietnamesisch-tauglich machen! ;-)
#5.1 Joachim am 25.07.2010 13:38 (Antwort)
Hey Jens,

wünsche Dir einen schönen und unvergesslichen Geburtstag.
Komme übrigens auch ohne Dich gut zurecht
"Ätsch"

Gruß Lanzelot
#6 Lanzelot am 25.07.2010 13:53 (Antwort)
Auch von uns alles Gute zum Geburtstag!
#7 Oliver und Meike am 25.07.2010 19:45 (Antwort)
Hi Jens,

wünschen Dir alles alles Gute zum Geburtstag :-) Hoffentlich konntest Du Deinen Geburtstag an einem schöneren Ort feiern und mit Deiner Reisebegleitung läufts wieder besser.

Lancelot ist übrigens seeehr gefräßig momentan, es sei denn die ganzen Nachbarschaftskatzen essen noch mit. Man kriegt ihn leider kaum zu Gesicht.

Liebe Grüße
#8 Katja und Martin am 25.07.2010 20:00 (Antwort)
Hi Jens,

alles Gute zum Geburtstag!

Hoffe Du hast ausgelassen und gediegen gefeiert. Viel Spaß weiterhin...
#9 Erik am 25.07.2010 22:52 (Antwort)
Hallo Jens

herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag wünscht Dir von ganzem Herzen

Marion aus Waldbrunn

Ich hoffe Dir geht es gut und Du kannst Deinen Urlaub geniesen.
Finde es immer noch schade, dass die geplante Reise mit Daniela nicht stattgefunden hat.
#10 Marion am 26.07.2010 09:24 (Antwort)

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