Hari Raya ist der Feiertag am Ende des Ramadans. Es ist nicht ganz klar, wann Hari Raya ist, das kann sich durchaus um 1-2 Tage verschieben. Das muslimische Oberkommando guckt sich abends an diesen Tagen den Himmel an, und wenn der Mond nur noch eine schmale Sichel hat, wird über Radio und Fernsehen verkündet, dass alle feiern dürfen. Nicht dass man diesen Zeitpunkt nicht auf die Minute genau berechnen könnte: "They have to be sure", sagte uns der Chalet-Betreiber. Und deshalb wurde aus dem Schnorcheltrip am Sonntag nichts, weshalb wir ihn am Montag nachgeholt haben.
Hari Raya bedeutet: Alles hat geschlossen. Die Tage vor und nach Hari Raya bedeuten: Fast alles hat geschlossen. Zumindest hier auf der Insel. Zudem haben wir noch Nachsaison, was nochmal dazu beiträgt, dass hier eine Hütte nach der anderen schließt.
Ich und Daniela sind hier im Paradies gelandet. Drei Tage. Ich habe meine Armbanduhr hier ausgezogen, obwohl ich sie sonst jede Minute trage. Das gemächliche Inselleben lässt keine Hektik zu. Wenn man keine Uhr hat, auf die man immer schauen könnte, kann man es sogar irgendwie aushalten, bis zu vier Stunden auf sein Essen zu warten.
Doch gehören wir beide nicht zu den typischen Inselbesuchern, die überwiegend aus Europäern und Amerikanern bestehen. Wir haben uns eine Hütte für 45 Ringgit (8 Euro) pro Nacht gebucht, standen frueh auf und haben gemeinsam die Insel erkundet. Dschungelpfade führen von einem Strand zum anderen und teilweise um die Insel herum. Süße kleine Ministrände sind nicht weit entfernt. Das Wasser ist klar und blau, der Dschungel kräftig grün, das Wetter gigantisch und heiß.
Es ist schön hier. Zwei bis drei Tage. Man vergisst die Zeit. Wir sind durch Schwärme bunter Fische geschwommen, haben Riffhaie und Schildkröten gesehen. Leider sind die meisten Korallen um die Insel herum bereits tot. Der Tourismus schlägt mit aller Härte zu. Das einstige Paradies wird zum Vergnügungspark.
Ich liebe es, aus dem Wasser an einen einsamen Strand zu kommen, ein paar Steine zu erklimmen und in die Einsamkeit zu sehen. Obwohl ich weiß, dass hinter der nächsten Bucht wieder Leben herrscht, da wo die aufgetakelten Strandtussis herumlaufen, die teilweise auch nicht davor zurückschrecken, ihre Silikoneinlagen den konservativen Muslimen zu präsentieren, da wo momentan kaum was los ist, wo sich das abendliche Leben auf 2-3 total überfüllte Restaurants konzentriert.
Meine Füße und Haende sind zerschlissen von den scharfen Muscheln auf den Felsen, die ich unbedingt hochkraxeln musste. Sie sind zerbissen von den Moskitos, die hier größer sind als auf dem Festland, aber nicht weniger aggressiv. Ich habe Sonnenbrand am Rücken und an den Beinen, der nur langsam wieder besser wird.
Am Sonntag sind wir an der Küste entlang über einen schmalen Dschungelpfad um die halbe Insel, Perhentian Kecil, herum gewandert. Ich wurde von einer Termite gebissen, deren Kiefer größer war als ihr Kopf. Im Fischerdorf haben wir mit den hiesigen Knickschwanzkatzen geknuddelt und wir haben einen Leguan den Pfad kreuzen sehen, der sicherlich eineinhalb Meter lang war. Leider sind keine Äffchen hier. Doch die zweite Woche hat ja erst begonnen.
Gestern dann der Schnorcheltrip mit Matt, ein paar Amerikanern und ein paar Ostblock-Tussis, die vorher mit ihrem Schminkspiegelchen da saßen und zehn Minuten gebraucht haben, um ihr Gesicht einzucremen. Die an den halben Orten, der Trip dauerte den ganzen Tag, mit ihren riesigen Sonnenbrillen auf dem Boot herumsaßen und sich nur ab und zu ins Wasser trauten. Nicht da wo die Haie waren. Sie hätten ja gefressen werden können.
Matt als obercooler Schnorcheltripbetreiber, meist mit einer Zigarette im Mundwinkel, holte einen armen Clownfisch aus deiner See-Anemone und steckte ihn in seine wassergefüllte Brille, doch er brachte ihn wieder heil zurück. Und er machte obszöne Dinge mit ein paar Seegurken, von denen wir nun immerhin wissen, dass man sie gefahrlos anfassen kann
Gestern Abend, unserem letzten auf der Insel, gingen wir nachts über den Dschungelpfad an den Long Beach, weil in Coral Bay alle Restaurants geschlossen hatten. Nachdem wir zweimal den Strand hoch und runter gelaufen waren, setzten wir uns zu zwei Briten dazu, und warteten. Wir hatten auf der Insel bereits gelernt, auf das Essen zu warten. Bis zu zwei Stunden. Doch hätten wir gewusst, dass wir fast vier Stunden warten müssten, hätten wir uns ein paar Cookies geholt und sie auf der Veranda unseres Chalets gegessen.
Aber es war spannend, nachts mit einer Taschenlampe bewaffnet durch den Dschungel zu wandern, den Pfützen auszuweichen und den Geräuschen der Tiere um uns herum zuzuhören. Wahrscheinlich hätten wir einen Herzinfarkt bekommen, wenn der riesige Leguan nachts um Eins nochmal vor uns über den Weg überquert hätte.
Ich sitze hier auf der Veranda, schreibe diesen Bericht und hoffe, dass ich ihn auf dem Festland hochladen kann. Morgen brechen wir auf in Richtung des Taman Negara, dem letzten großen Dschungel in Malaysia. Wir haben genug relaxt - jetzt beginnt das Abenteuer.