Knickschwanzkatzen

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Freitag, 18. September 2009

Knickschwanzkatzen

Geschrieben von Jens in Malaysia 2009 um 17:30
Kuala Terenganu
Ich sitze gerade auf einem einfachen Bett in einem einfachen Zimmer in einer malaysischen Stadt namens Kuala Terenganu. Die Wände weiß, der Boden kahler Beton, über mir dreht ein Ventilator, die scheiß Moskitos suchen nach Blut an meinem verschwitzten Körper, und draußen singt der Iman der örtlichen Moschee seit Stunden seine Liedchen.

Straße in Mersing
Die letzten drei Tage bestanden aus Transport und Rumhängen. Bei der Reise von Singapur nach Malaysia muss man vor der Brücke aus dem Bus steigen, um durch den Zoll zu gehen. Nach der Brücke muss man nochmal mit allem Gepäck aussteigen und in Malaysia wieder einreisen. Dazwischen ist man vermutlich im Niemandsland.

Mode für die islamische Frau
Wenn man aus dem durchgestylten Singapur kommt, wirkt Malaysia wie stehen geblieben in der Zeit. Die Gebäude sind oft alt und zerfallen, die Straßen und Gehsteige holprig und zerklüftet. Der komplette Süden des Landes ist bedeckt von Palmölplantagen, für die der frühere Regenwald vollständig abgeholzt wurde. Malaysia ist weltweit der größte Palmöl-Exporteur, Petronas größter und reichster Konzern der Halbinsel. Auf den hügeligen Straßen überholt der Bus stinkende und verrostete Öl-Laster und muss schon mal bremsen, wenn ein paar Affen die Straße überqueren möchten.

Zimmer in Omars Backpacker Hostel
Am Mittwoch fuhr ich nach Mersing an der Ostküste und checkte in Omar's Backpacker Hostel ein. Omar, ca. 50 Jahre alt, dunkel gebrannter Bierbauch, lud mich erstmal auf einen Tee ein, sodass ich gar keine Chance mehr hatte zu verschwinden. Mein Zimmer war ein Bretterverschlag, die Betten notdürftig mit der Sprühdose desinfeziert, was die Bettwanze in der Nacht nicht daran gehindert hat, über meine Hände zu krabbeln. Zunächst war ich geschockt, nach dem vergleichsweise hohen Standard in Singapur, doch mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt. Nur die Hitze nachts macht mir sehr zu schaffen. In der ersten Nacht bei Omar schlief ich überhaupt nicht. Gestern hatte ich deshalb den ganzen Tag Kopfschmerzen. Letzte Nacht in einer Hütte schlief ich immerhin für ein paar Stunden.

Moschee in Kuantan
Doch zurück zu Mersing. Ich habe vor meiner Reise auf der Website joinmytrip.de eine junge Frau kennen gelernt, die gleichzeitig wie ich in Malaysia war und ebenfalls zwei Wochen reisen wollte. Wir haben zweimal telefoniert, uns ganz gut verstanden, und uns deshalb verabredet, uns am 16. September nachmittags in Mersing am Fährhafen zu treffen.

Häuschen an der Straße
Das hat auch problemlos geklappt. Daniela ist jung (20), nett und naturverbunden. Tut ganz gut, ab und zu jemandem zum Reden zu haben. Bei einem Bummel durch Mersing konnten wir uns gemeinsam wundern über die malaysischen Katzen, deren Schwanz am hinteren Ende einen Knick aufweist. Manchmal sogar zwei oder drei Knicks. Links rechts links. Bei der ersten dachte ich, sie hätte einen schlimmen Unfall gehabt, weil ihr auch ein Reißzahn fehlte und ihr die Zunge auf der Seite heraus hing.
Kurzknickschwanzkatze
Die zweite hatte nur einen kurzen Schwanz mit einem kleinen Knick, und ich dachte schon wieder, sie wäre halt auch unter ein Auto gekommen so wie mein armer Merlin. Doch als wir dann noch zig andere sahen und ich etwas darüber las, war uns klar, dass das hier spezielle Rassen sind mit Knicken in den Schwänzen. Leider hat sich nie eine so hingestellt, dass ich den Knick ordentlich dokumentieren konnte.

"Chalet" in Cherating
Mittlerweile sind wir gemeinsam per Bus die Ostküste hoch gereist. Ich denke an Omar, wie er abends nur mit einem Handtuch um seine Hüften durch sein Hostel tanzte und dabei mit den Hüften wackelte. Ich denke an den wackeligen Bus, mit dem wir von Kuantan in das Touristendörfchen Cherating gefahren sind, vorbei an den einfachen und oft zerfallenen Häusern der Landbewohner. Ich denke an die toten Quallen am Strand und an einen verrückten Abend in diesem verschlafenen Nest, das nur aus einer Handvoll Hütten und zig Urlaubsresorts bestand. Und ich denke an die witzige kleine ironische Bedienung, die mir androhte, mich zu erwürgen und in den Fluss zu werfen, wenn ich ihr das nächste Mal nicht gleich sage, dass ich den Kaffee mit Milch und Zucker haben will.

Eifersüchtiger Hund in Cherating
Wir hatten in das Matahari-Resort eingecheckt. Eine Holzhütte für 40 Ringgit, 8 Euro. Nicht mehr viele Backpacker waren in der Gegend. Im Fastenmonat Ramadan sei nie besonders viel los, erst jetzt in diesen Tagen wenn dieser endet, feiern die Malayen und verreisen. Wir bummelten mehrmals die gleiche Straße auf und ab, saßen als einzige Gäste in den Restaurants, gingen abends in eine Karaoke-Bar, in der niemand war außer einer kleinen dicken Malaysierin, die uns wild dazu aufforderte, zu dem malaysischen Tokio-Hotel-Verschnitt zu tanzen und zu singen, die uns packte und mit uns tanzte, sich totlachte als ich malaysisch sang, und die sagte, sie wolle auch so groß und schlank werden wie ich süßer Junge, sie bräuchte nur 5-7 Jahre Zeit dazu.

Sie muss auf Drogen gewesen sein.

Gestrandete, tote Quallen am Strand
Hinterher begaben wir uns noch an das Ende der Straße. Hinter dem Backpacker-Hostel mit dem coolen Namen "Shadow of the moon at half past four" gingen wir in die "Nightshade Bar", in der es nur Alkohol gab, und in der wir dummerweise auch die einzigen Gäste waren. Nur der große Malaye mit der dicken Nase und sein Kumpel waren da, gucken zusammen mit ihren gekauften Frauen Wrestling im TV. Eine der Frauen hatte ein Kleid mit einem "Die Toten Hosten - Bis zum bitteren Ende"-Sticker an, doch sie hatte keine Ahnung, was das
bedeutete.

Krebs am Strand von Cherating

Strand von Cherating

Strand von Cherating

Der mit dem bescheuerten Hut in Cherating :-)

Islamischer Friedhof in Cherating

Cherating River


Moschee in Kuala Terenganu
Wir haben glücklicherweise noch ein Busticket organisieren können, um heute aus diesem Dörfchen weg zu kommen. Haji Raya, das Ende des Ramadans, wird wohl heute und morgen gefeiert. Die meisten Busse sind daher schnell ausgebucht. Nun sind wir in Kuala Terrenganu gelandet, wo wir eine Nacht verbringen, um morgen früh um Sieben mit einem Bus, der für 40 km zweieinhalb Stunden braucht, nach Kuala Besut aufzubrechen, von wo aus wir auf die Perhentian-Inseln übersetzen werden.

Zwei bis drei Tage Paradies erwarten uns da. Weiße Strände, blaues Wasser, Dschungel und hoffentlich viele verschiedene Tierchen zu Wasser und zu Land.

Markt in Terenganu
Die Menschen hier sind freundlich. Sie lächeln herzlich zurück, wenn man sie anlacht. Die Jungs auf der Straße rufen "Hello" wenn man an ihnen vorbei geht. Seit ich mit ner Frau unterwegs bin, rufen noch mehr Hallo, zu ihr, nicht zu mir. Kein Wunder, dass ich da abgestempelt bin.

Chinatown
Tagsüber wirken die Straßen in Städten relativ ruhig, vor allem wohl jetzt während des Ramadans. Doch spätabends kommen alle raus, vor allem die jungen Leute, und jagen mit ihren Rollern über die Straßen. Leider ist heute Freitag - ganz Chinatown hatte deshalb geschlossen. Es ist auch nicht so leicht, hier ein Internet-Cafe zu finden, und dann noch eines, in dem ich meine Kamera anschließen kann, um Bilder hochzuladen. Schön daher, dass ich mein Netbook dabei habe (was übrigens recht populär zu sein scheint bei den Backpackern heutzutage). Nun muss ich "nur" noch einen Ort finden, an dem ich ins Internet kann, um diesen Eintrag hochzuladen.

Kommentare (3)
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Kommentare
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Netbooks sind doch nur Schminkspiegel, oder? ;-) Vergiss nicht aussagekräftige Fotos von der Schildkrötenlady hochzuladen!

Michael.
#1 Michael Kleerbaum am 21.09.2009 17:39 (Antwort)
Genau, immer her mit den Fotos deiner "netten" Begleitung! Die haben Wrestling geguckt? Siehste mal, ich bin wohl nicht der einzigste der sich das noch reinzieht. Danke das du es extra für mich erwähnt hast ;-) Hoffe du hast deine Badehose dabei wenn du schonmal im Paradies bist. Wenn du Baden gehst dann denke an die Fotos, du weißt schon... ;-)
#2 Oliver S. am 22.09.2009 11:00 (Antwort)
Hey, ich war auch lange Jahre Wrestling-Fan, allerdings habe ich mir nur die WCW reingezogen. "Monday Nitro" wurde ja einige Jahre lang von TNT-Europe in voller Länge freitags abends übertragen. Meine Favoriten waren Bill Goldberg, Sting, Diamond Dallas Page und Kevin Nash und natürlich Rowdy Roddy Piper.
#2.1 Michael Kleerbaum am 22.09.2009 16:31 (Antwort)

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