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Singapur! Oder doch Indien?

Geschrieben von Jens in Malaysia 2009 um 15:37
Singapur, 1° nördlich des Äquators
Ich bin tatsächlich da. Zehntausend Kilometer von Inzlingen entfernt. Es ist abend, es hat ein wenig abgekühlt (von 31 auf 28 Grad), ich sitze in der Lobby meines Hostels und bin etwas müde von der langen Reise. Obwohl die schutzmaskenbewaffneten Leutchen am Flughafen alle Passagiere mit einer Wärmebildkamera auf erhöhte Körpertemperatur untersucht haben, bin ich nicht in Quarantäne gelandet.
von oben
Ich musste auch keinen Mundschutz tragen, so wie viele andere (wobei ich nicht rausfinden konnte, ob die andere vor sich oder die sich vor anderen schützten). Meine Halsschmerztabletten wurden bei der Einreise nach Singapur nicht als mögliche Drogen bewertet, sodass mir die Todesstrafe erspart bleibt. Puh!

Sonnenaufgang am KLIA
Vom kurzen Islam-Einschlag auf dem Flug (man kann elektronisch die Richtung nach Mekka abrufen und es gibt Faltblätter mit Hinweisen zum Beten im Flugzeug) und am Flughafen in Kuala Lumpur (Polizistinnen mit Kopftuch unterm Hütchen) bin ich nun in Singapur angekommen, der "Schweiz Südostasiens" (weil klein und teuer), dessen 5 Millionen Bewohner größtenteils chinesischer Abstammung sind.

H1N1-Screening: Ich war zum Glück nicht heiß genug
Ich war total k.o., als ich im Hostel ankam, aber ich konnte nicht schlafen, weil ich ja in einem neuen tollen Land war! Also schlenderte ich ziellos durch die Gegend, hatte Mühe dabei nicht überfahren zu werden, bis ich total durchnässt war und mich drei Mücken gestochen hatten und ich fast nen Sonnenbrand bekommen hätte. Übel!

chinesisches Essens-Ritual
Nach einem kleinen Mittagsschlaf kaufte ich ein Busticket für Mittwoch und torkelte chinesischen Trommel- und Bimmel-Klängen entgegen. Ein alter Mann im roten Kleid wedelte mit Räucherstäbchen rum und warf dann mit Baby-Bananen, Äpfeln, Nüssen, Cent-Stückchen, Süßigkeiten und Reis um sich.
Äh, was ist denn erlaubt? Und was bitte liegt hinter dieser Tür?!
Ich hatte keine Ahnung, was da vor sich ging. Ich wurde auch skeptisch beäugt. Aber dann kamen die Leute auf mich zu und drückten mir so viel Zeug in die Hände, dass ich keine mehr frei hatte, um das Treiben zu fotografieren. Der Chinese konnte nicht viel Englisch. Ein "Sieben-Monatsfest" oder sowas soll es wohl gewesen sein.

Inder am Straßenrand
Dass mein Hostel im Staddteil "Little India" liegt, merkte ich am Abend, als ich die Serangoon Road hinab bummelte. Die vereinzelten Inder, die ich tagsüber sah, hatten sich schlagartig vermehrt. 8% der Einwohner Singapurs sind Inder. Das entspricht ca. 400.000. Heute Abend habe ich sie alle gesehen.

Inder im (noch leeren) Park
Es war unglaublich. Die Bürgersteige haben nicht mehr ausgereicht, um die Inder zu tragen. Sie schwappten auf die Straße über, wurden fast überfahren. Viele Inder. Unglaublich viele Inder. Alles Männer. Klein. Dunkel. In Jeans und Hemd. Keine Frauen. Wo waren die Frauen?
Inder auf der Hüpfburg
Ich drückte mich durch die Mengen, stolperte mit zweihundert Indern gleichzeitig über die Straße. Einige indische Männer hatten sich zu Pärchen zusammen geschlossen und gingen händchenhaltend sich aneinander kuschelnd nebeneinaner her. Moment. Singapur. Homosexualität: Verboten! Keine Sittenpolizei weit und breit. Die wäre eh nicht durchgekommen bei diesen vielen Indern, die sich im Takt bollywoodscher Frauengesänge langsam in Richtung der Grünflächen drückten. Ich vermutete zunächst ein Festival, das Deepavali Hindu-Fest, aber das startet erst in ein paar Tagen. Scheint normal zu sein an einem Sonntag Abend.

Inder zu Hause?
Die Inder okkuppierten langsam alle verbliebenen Grünflächen in der Umgebung, die schon teilweise aufgrund der sitzenden Inder mehr sandfarben statt grün waren. Sie setzten sich im Kreis auf die Erde, legten ein Tuch in ihre Mitte, schmissen bunten Reis mit Gemüse darauf und aßen gemeinsam davon. Und dann war da noch so ein weißer Touri, der sich wundernd durch die Reihen bewegte und erstmal nachlesen musste, was da gerade vor sich ging.

"Verbrannt von Dengue" - nein, ich hab keine Angst. Nein. Echt nicht.
Die Frauen der ganzen Inder waren tatsächlich zu Hause. Und zwar in Indien, Bangladesch und Sri Lanka. Die Männer bekommen Zweijahresverträge in Singapur, machen die Arbeiten, die sonst keiner tun will, und versorgen damit ihre Familien. Deshalb nur Männer. Eine Frau auf Tausend Männer. Und ein Wessi auf Tausend Inder.

Als es um 19 Uhr dunkel wurde, wurden auch die Straßen leer. Alle saßen sie im Park und aßen Reis.

Einsame Straßenkatze - minutenlang wehmütig hinauf starrend zur Leuchtreklame, auf der eine Eidechse krabbelte
Deshalb ging ich nach einem kurzen Zwischenstop im Hindu-Tempel, wo ein dickbäuchiger Priester mit nacktem Oberkörper jedem kurz en Hütchen auf den Kopf setzte und dabei wild grinste, in die Essenshalle zum Abendessen. Die Dinger sind recht beliebt in Asien. Dutzende Stände buhlen mit ihren Gerichten um die Gunst der Hungernden. Man holt sich, was einem gefällt und setzt sich irgendwo hinein mitten in den Trubel. Und was man da alles kriegt: Froscheintopf, Hühnerfußsuppe, gebratene Austerneier, extra gesundes Wirbelsäulenfleisch.

Ich hab Hühnchen gegessen :-)
Kommentare (5)
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Haha wie lustig, waren unsere Späße bzgl. Schweingrippe gar nicht so weit her geholt. Schön das du gut angekommen bist! Und ich hoffe schwer für dich, dass es wirklich Hühnchen war und nicht die Straßenkatze vom Bild ;-)
#1 Steffi am 13.09.2009 17:57 (Antwort)
...oder Strassenkatze mit Eidechse gefüllt... :-)

Apropos Jens, kaum bist Du weg, fängt die Fido-Mailingliste an Zicken zu machen.
#1.1 Michael Kleerbaum am 14.09.2009 16:16 (Antwort)
Freut mich das du gesund angekommen bist. Hatte schon Angst du schickst uns Fotos aus deinem "Quarantänekäfig". Hey, aber Sachen wie den Froscheintopf kannst du dir doch nicht entgehen lassen. Wer weiß ob du nochmal du Chance bekommst sowas zu essen. Nimm mit was geht ;-)!
#2 Oliver S. am 14.09.2009 09:41 (Antwort)
"Äh, was ist denn erlaubt? Und was bitte liegt hinter dieser Tür?!"


Die stellen wahrscheinlich diese Schilder her! :-)

Aber Du bist doch nicht wirklich erstaunt, oder? Singapur ist doch dafür bekannt, das man dort fürs auf den Gehweg spucken schon drakonisch bestraft wird, oder? Pass lieber auf, wo Du Dein Kaugummi lässt. (Schau mal in die Wikipedia, da schlackerst Du mit den Ohren, was in Singapur alles als Straftatbestand angesehen wird...)

Also, immer sauber bleiben!

Michael.
#3 Michael Kleerbaum am 14.09.2009 16:21 (Antwort)
Ich war auch da, an der Serangoon Road, vor knapp einem Jahr... und habe den Frauenanteil um 100% auf 2 Frauen pro 1000 Inder angehoben, kombiniert mit der Anhebung des Touristenanteils, macht... äh, egal.
Warst du auch im Tempel? Sie haben sich alle gefreut, als ich fotografiert habe, und sie wollten nicht mal was dafür haben.Das fand ich erstaunlich.
Ich freu mich, deinen Bericht zu lesen, weil mir vieles bekannt vorkommt.
Liebe GRüsse, Karin
#4 Karin am 17.09.2009 15:02 (Antwort)

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