Bei Oma in Gongju

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Donnerstag, 5. Juli 2007

Bei Oma in Gongju

Geschrieben von Jens in Korea 2007 um 09:12
Bäckerei im Busterminal
Kürzlich habe ich hier zum ersten Mal in einer Bäckerei was gekauft. Diese haben ihre Backwaren entweder in Folie verpackt oder so im Schaufenster liegen. Man nimmt ein Tablett, packt sich seine Gipfelchen und Brötchen darauf, und lässt sie sich einzeln einpacken.
Gongju
Mitsamt Serviette natürlich. Ich aß ein Croissaint (das überraschend gut war) und zwei gefüllte Brötchen ähnlich einem Berliner. Nur dass statt Marmelade so eine Art Klebreis sowie eine Paste aus roten Bohnen drin war. Was mich nicht (mehr) überraschte war, dass es mir geschmeckt hat.

Omas Haus
Dienstag Morgen nahm ich einen Bus von Cheongju nach Gongju, das ca. 1 Stunde entfernt im Südwesten lag. Dort angekommen wurde ich von Papa und Mama Kang (Hye-Suks Eltern) sowie ihrer Oma abgeholt und zu deren Haus auf dem Land befördert.

Omas Wohnzimmer
Das Haus, das in einer sehr engen Straße lag, war recht modern gestaltet. Drei arme Hündchen, die immer draußen bleiben mussten, ein Stall Hühner sowie ein paar Gemüsegärtchen waren außen herum zu finden. Typisch koreanisch war es aufgebaut: Von der Haustür aus kommt man in den Vorraum, wo man sich seiner Schuhe entledigt (wie überall, wo man auf dem Boden sitzt - deshalb hat man als Koreaner auch Schuhe, die man nicht binden muss). Von dort aus geht es direkt in den großen Wohnraum, der gleichzeitig auch Esszimmer ist. Man sitzt dort auf dem Boden herum, guckt TV und spielt mit oder wickelt den kleinen (Ur-)Enkel, der sehr süß war. Vom Wohnraum aus gingen Türen links und rechts in das Schlafzimmer, zur Küche, ins Bad und in die Abstellkammer (wo ich schlafen durfte; wieder mal auf dem Boden).

Tolsotbap
Unsere Konversation gestaltete sich als so schwierig, dass ich es besser gleich bleiben ließ. Zunächst gingen wir alle (6 Personen) in ein nahes Restaurant und aßen dort Tolsotbap (Reis im Steintopf) mit so vielen Banchans, dass der Platz auf dem Tisch kaum dafür ausreichte, sowie 2 Vorspeisen. Woah! Das ist dann natürlich auch teurer als mein übliches 5000-Won-Essen.

Grabstätten
Nachmittags wusste ich wenig zu tun und verhielt mich unauffällig. War schon etwas seltsam, mitten in dieser Familie zu sein. Die seltsamen Früchte, die sie mir hinstellten, waren dann mal etwas, was ich nicht mochte. Aber die Supak (Wassermelone) aus dem heimischen Garten dafür umso mehr.

Grab von König Muryeong
Nachmittags fuhren wir zu König Muryeongs Grabstätte, einer Serie von Hügelgräbern. War zwar ganz nett, aber so interessant nun auch nicht mehr, weil ich ähnliches (und größeres) bereits in Gyeongju gesehen hatte. Oma war auch dabei, und trotz ihrer 85 Jahre kämpfte sie sich in stark gebückter 70-Grad-Haltung den Berg hinauf.

Nakwhaam am Baengmakang
Leider war es wieder mal sehr heiß (obwohl fast keine Sonne da war), und so gestaltete sich das Wandern über den Busosan - einst eine gewaltige Festung, von der aber nichts mehr zu sehen war - als sehr schwierig. Oma ließen wir am Eingang sitzen, und Papa Kang wanderte wie immer voraus. Männer sind die Familienführer - und wenn er schon seine Frau das Auto fahren lässt, will er immerhin den richtigen Weg finden.

Früher sprang man runter, heute macht man nur noch Fotos
Ganz oben gab es eine Klippe, auf der sich in alten Zeiten laut einer Legende eine dramatische Geschichte abgespielt haben soll. Gongju war einst die Hauptstadt des Baekje-Königreichs. Dieses wurde dann jedoch von Silla (Südosten, Gyeongju) und China überrannt. General Gyebaek, dessen Schrein wir auf diesem Berg auch sahen, war ein sehr erfolgreicher Militärführer, der im Jahr 660 allerdings seinen letzten Kampf ausfocht: Damit seine Frau und Kinder nicht in die Hände des Feindes fielen, tötete er sie eigenhändig. Danach marschierte er mit einer kleinen Armee von 5000 Mann in den Kampf gegen die gegnerische Armee von 50.000.
Nakwhaam vom Boot aus
Vier Angriffe überstanden die tapferen Jungs, beim fünften jedoch wurden alle getötet. Dies war das Ende des Baekje-Reiches. Die Frauen im Palast fürchteten sich dann so sehr davor, gefangen genommen und gefoltert und vergewaltigt zu werden, dass sie sich auf besagter Klippe in den Tod stürzten. 3000 Frauen. Die Klippe erhielt daraufhin den Namen Nakhwaam, was "Felsen der fallenden Blumen" bedeutet.

Galbi-Restaurant
Unter diesem Felsen, am Fluss, wurde später ein Tempel gebaut, direkt neben einer Quelle aus "Heilwasser", welches früher die Könige tranken. Auch heute noch fließt das Wasser, und getrunken habe ich auch davon, denn es heißt, mit jedem Becher wird man 3 Jahre jünger... Mein Bauch fühlte sich danach eher seltsam an. Wer weiß, was da für Mikroben drin rumschwammen ;-).

Twaechi (Schweinefleisch) - Galbi
Am Abend fuhren wir auf einen Hügel in ein sehr traditionelles Restaurant, wo Papa Kang Twaechigalbi bestellte, am Tisch gebratenes Schweinefleisch. Die Fleischstückchen legt man in ein Salatblatt, packt ein paar zusätzliche Beilagen und ein wenig Soße drauf, faltet alles zusammen und steckt es sich komplett in den Mund. Sehr gut und interessant. Dies sind die typischen Gemeinschaftsgerichte der Koreaner, die man alleine nicht essen kann. So war ich ziemlich froh darüber, dass ich noch einmal diese Möglichkeit bekam. Und nicht mal was bezahlen musste.

Donghaksa
Am nächsten Tag verschwanden Papa und Mama Kang nach dem Frühstück, und blieben 4 Stunden lang weg. Ich schlief noch ne Runde, weil ich nichts zu tun wusste (denn außer der Tante und ihrem kleinen Enkel war sonst keiner da), aber um 12:30 Uhr kam die Familie zurück, mit Hye-Suk im Gepäck. Darüber war ich ziemlich glücklich, denn ich konnte wieder mit jemanden kommunizieren.

Hye-Suk
Zum Essen gab es schwarzes Hühnchen. Eins aus dem Stall vor dem Haus. So eines hatte ich noch nie gegessen. Schwarze Federn, schwarzbraune Haut, dunkle Knochen. Serviert von Kopf bis Fuß. Zum Glück haben die Damen das Fleisch portionsweise abgekratzt. Geschmeckt hat es genau so gut wie anderes Hühnchen auch. Das verrückteste aber waren zwei Eier, die sich während dem Backen noch im Bauch des Huhns befunden hatten - im Entwicklungsstadium. Nur das Eigelb, drum herum eine dünne schwärzliche Haut. Ich habs mal gekostet, und es hat ganz normal nach Eigelb geschmeckt. Oma legte erst dann los, als wir anderen gegessen hatten, denn sie wollte nicht, wie ich zusah, wie sie genüsslich die Hühnerfüße verspeiste...

Weibliche Mönche in Donghaksa
Nachmittags fuhren wir zu Dongsansa, einem buddhistischen Tempel in der Nähe. Das besondere daran war, dass er in einem sehr schönen Wald lag (was ca. 1km Fußmarsch erforderte) und dass er ein Frauentempel war. Die buddhistischen Frauen waren ein interessanter Anblick in ihren grauen Gewändern und mit ihren rasierten Köpfen.

Donghaksa
In Cheongju gingen wir Chinesisch essen (Mandu - gefüllte Teigtaschen, sowie in Teig eingebackenes Hühnerfleisch), luden Hye-Suk ab, und fuhren zurück Richtung Seoul. Da am nächsten Tag meine Panmunjeom-Tour anstand, wollte ich, dass mich ihre Eltern einfach nach Seoul brachten anstatt nach Incheon, weil ich morgens um 7 bereits im Zentrum sein musste. Das war denen aber nicht so recht, weil sie nicht wollten, dass ich was fürs Übernachten bezahle, aber trotz meiner Beteuerungen, es sei alles okay und ich würde schon was finden (im Motel-Finden bin ich ja mittlerweile geübt), suchten Papa und Mama Kang direkt in der Nähe des Tour-Abfahrtsortes ein Motel für mich. Und dann ging Papa auch noch mit mir rein, ich wollte zahlen, aber da hatte der schon seine Kreditkarte gezückt. Waaah!
Oma, ich, Omas Urenkel
Aber gut, er war zufrieden, ich musste letztlich keinen Pfennig bezahlen, hatte keinen schweren Rucksack zu schleppen (der war auf dem Weg nach Incheon) und am nächsten Tag musste ich nicht ganz so früh aufstehen. Nur sollten die sich nicht so sehr um mich kümmern, da fühle ich mich irgendwie in ihrer Schuld, obwohl das wahrscheinlich gar nicht der Fall ist. Denn so reserviert und ignorant der Koreaner im ersten Augenblick scheinen mag: Wenn er einem helfen soll, dann mit größtmöglichem Einsatz.

Kein Blumendünger: So kaufen Koreaner ihren Reis
Die gute Oma im übrigen stellte sich als ungemein beweglich heraus. Wenn man 85 Jahre lang auf dem Boden rumhockt, schläft und isst, hat man keine Probleme, sich hinzusetzen und wieder aufzustehen, und mit dem Gewicht schon gar nicht. Wenn die Koreaner eines können, dann können sie sitzen. Übrigens sitzen Männer am Tisch anders als Frauen: Männer dürfen im Schneidersitz da hocken, Frauen sollten das jedoch nicht tun, auch nicht, wenn sie Hosen tragen. Die sitzen dann mit den angewinkelten Beinen zur Seite da, was auch eine Menge Übung erfordert. Die traditionellen Gewänder waren für beide Geschlechter so ausgelegt, dass das Sitzen darin möglichst nicht einschränkte.

Ob damit die CI-Abteilung von BMW wohl einverstanden wäre? (Sorry, Insider für Cris & Co. ;-) )
So! Über meine Tour an die Grenze zu Nordkorea schreibe ich im nächsten Eintrag morgen früh. Momentan hab ich das Problem, dass ich vorhin aus dem Haus gehen wollte, um was zu essen, mir Papa Kang im Aufzug aber entgegen kam und wollte, dass ich bleibe. Da wir uns kommunikativ nicht so toll austauschen können, hat er jetzt wohl organisiert, dass Mama, wenn sie gegen halb Zehn nach Hause kommt, noch Essen für mich machen muss. In seiner Verzweiflung hat er mir schon Bonbons ausgegraben und ein paar alte Bananen aus dem Kühlschrank geholt... Argh!!!

Ach ja: Nächste Woche Dienstag fliege ich zurück und nehme mir den Rest der Woche noch frei, um mich ein wenig vom Urlaub zu erholen ;-).
Kommentar (1)
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Kommentare
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Wenn ich in der CI-Abteilung von BMW arbeiten würde, dann würde ich denjenigen feuern der dieses Logo verunstaltet hat... (nicht zu glauben) und das bei einem der weltgrößten automobilherstellern...(shame on)

grüssle
von der
CI-Polizistin ;oP
#1 Cri am 10.07.2007 09:42 (Antwort)

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