Am Samstag beschloss ich, einfach mal irgendwo ins Landesinnere zu fahren, und entschied mich für Danyang, eine kleine 40.000-Einwohner-Stadt, gelegen an einem großen künstlichen See, der sehr schön sein sollte. Zunächst nahm ich den Bus nach Gangneung, von dort aus den Express Bus nach Wonju (gerade noch gekriegt), in Wonju ein Taxi vom Express Bus zum Intercity Bus Terminal (es gibt meistens 2 Terminals), und von dort aus um 12 Uhr den Bus nach Danyang. Ich bin ja leider nicht so sprachgewandt, dass ich die Auskunft eines Ticketschaltermenschen verstehen könnte, der mir sagt, wann ich wo wohin gehen muss. Also hangelte ich mich von einer Stadt zur nächsten, bis ich am Ziel war.
So ca. 13:30 Uhr war ich endlich in Danyang und begab mich auf die Suche nach einem Motel. Der Lonely Planet schreibt: "Das Cinderella-Motel ist nur eines der zahlreichen exzellenten neuen Motels entlang des Seeufers." Von außen sah es nicht so exzellent aus, aber das sagt normalerweise noch nichts über das Innenleben aus. Dachte ich mir. Denn das Motel stellte sich als ziemlich heruntergekommen heraus, definitiv das schlechteste auf meiner bisherigen Reise. Das schönste am Zimmer war der Werbekalender einer Biermarke, auf dem Frauen im Bikini abgebildet waren.
Der See selbst hatte sehr wenig Wasser, und ich fand schnell heraus, dass aus meinem Plan nichts werden würde, von hier aus mit der Fähre nach Chungju am 50 Kilometer entfernten anderen Seeufer zu fahren. Also besuchte ich wieder mal eine Höhle. Keine so große und weite wie die letzte, aber dafür eine schöne und sehr enge mit zahlreichen Tropfsteinformationen.
Dort war es mit 15 Grad auch schön kühl, denn draußen, obwohl die Sonne nicht durch kam, schwitzte ich ohne was zu tun. Schrecklich! Der Sommer hier in Korea ist nichts für mich. Wenn ich das nächste Mal hier her komme, dann im April/Mai oder September/Oktober.
Viele kleine Städte, die interessant für Touristen sind, haben hier übrigens so eine Art Dorfmaskottchen, die einem von Geschäften oder Straßenlampen aus anstarren. Hier in Danyang ist das Ondal mit den dicken Augenbrauen, der mal ein Dorftrottel war, aber dann eine schöne Prinzessin heiratete und eine gute Ausbildung genießen durfte. Dadurch wurde er zum Dorfhelden und Idol.
Auf der Danyang-Brücke sah ich zum ersten Mal außerhalb des Museums Schmetterlinge mit einer Flügelspannweite von rund 10 Zentimetern. Wahnsinnsviecher! Aber leider sehr schwer zu fotografieren. Danach wanderte ich in der Stadt herum und fand wieder mal kein Restaurant. Da fast keine Touristen hier waren und ich der einzige Europäer war (was die Schulkinder heftig winken ließ - überhaupt sind junge Schüler ein gutes Messinstrument für die Fremdendichte in einer Stadt), waren wieder mal alle Restaurants wie leer gefegt. Die einzigen Leute, die darin am Tisch saßen, waren die Inhaber. Und nachdem ich rund 4 Mal durch das Zentrum der Stadt gelaufen war (es gab 1 Shoppingstraße, 1 Markt, und 6-7 Wohnstraßen), ging ich einfach in irgendein Restaurant hinein.
Solche Besuche in diesen kleinen Familienbetrieben lassen manchmal einen lustigen Einblick in das Familienleben zu. Die saß nämlich gerade beim Abendessen, als ich herein kam. Ich bestellte Kimchi-Suppe, die sich trotz der Warnung der Bedienung ("oooh, sehr scharf!") als extrem gut herausstellte, und beobachtete, wie Mama den Papa dazu bewegen wollte, mit dem Soju-Trinken aufzuhören, und wie Oma dem Enkel verbot, mit den schlabbrigen Hosen auf die Straße zu gehen.
Das war so ungefähr das Spannendste an diesem Tag. Abends war am Seeufer ein Alleinunterhalter am Werk, der ziemlich lustig klang, als er Englisch zu singen versuchte. Die Brücke und die Wasserfälle, die zur Zeit kein Wasser führten, waren schön beleuchtet. Und da ich niuchts mehr zu tun wusste, ging ich schlafen, was mir bei der Hitze extrem schwer fiel.
Am Sonntag beschloss ich, Hye-Suk in Cheongju besuchen, einer 500.000-Einwohner-Stadt rund 100 km entfernt. Da ich mit der Fähre von Danyang aus nicht fahren konnte, nahm ich den Bus nach Janghoe. Leider fuhr der erst um 11:25 Uhr.
Ich fragte einen Taxifahrer, wieviel er verlangen würde, aber der wollte 17000 Won und das war mir eindeutig zu teuer, denn der Bus kostete nur 3000. Jedenfalls war ich kurz vor Mittag am Janghoe-Terminal, und da ich ja zu den Glückspilzen dieser Welt gehöre, war die Fähre gerade abgefahren, und ich konnte wieder eine Stunde warten.
Die etwa eineinhalbstuendige Bootsfahrt war dann auch - trotz des mäßigen Wetters - sehr schön. Die Szenerie um mich herum wechselte ständig, weil der See sehr verschlungen war. Definitiv das Highlight des Tages. In Chungju angekommen hätte ich rund 2 Stunden auf einen Bus zum Busterminal warten müssen (die Koreaner hatten natürlich ihre Autos dort...), also nahm ich ein Taxi, was mich schlappe 14000 Won kostete. Argh. Am Terminal nahm ich dann einen Bus nach Cheongju, und eineinhalb Stunden später, am frühen Abend, war ich dort. Das sind übrigens keine Schreibfehler: Es gibt ein Chungju, ein Choengju und ein Joenju.
Dort checkte ich in eins der zahlreichen "Märchenschloss-Motels" ein, die innen ganz normale Motels sind, nur dass sie etwas besser ausgestattet sind für Liebespaare. Soll heißen, dass man für seine 30.000 Won auch noch ein Überlebenspaket mit Zahnbürsten, Gesichtsmaske und Kondomen bekam.
Abends traf ich mich mit Hye-Suk und wir gingen in einem sehr romantisch gestalteten Restaurant der Kette "can more" Fruchteis essen. Dort drin gab es so eine Art Wintergartenumgebung mit super gepolsterten Gartenstühlen und an Seilen aufgehängten Herumbaumel-Bänkchen, alles recht kitischig aber schön dekoriert.
Heute Morgen dann zahlte ich eine weitere Nacht im Motel und begab mich auf den Weg in den Seongnisan-Nationalpark, der rund 2 Stunden außerhalb der Stadt liegt. Genauer gesagt hatte ich vor, in den dortigen Beopjusa-Tempel zu gehen.
Irgendwann um kurz vor Zwei war ich dort. Es regnet ein wenig und ich aß zunächst in einem Restaurant, in dem sich eine alte Frau freute, dass ich ein wenig Koreanisch sprach. Ich bestellte Yukgechang (Gemüsesuppe), und schon wieder bekam ich zu hören, dass sie "maeun" (= scharf) wäre. Ja ja, schon gut, dachte ich mir. Aber das Zeug stellte sich wirklich als sehr scharf heraus, und ich war froh, dass es wie immer einige Banchans (Beilagen) sowie natürlich Reis dazu gab, mit denen man die Schärfe dämpfen konnte. Blöd war nur, dass mir die scharfe Suppe einmal mächtig aufstieß, als ich gerade was auf Koreanisch sagen wollte, und ich einen roten Kopf bekam, während mir das Wasser aus Augen und Nase lief. Argh. Aber ich habs überstanden. Nur spüre ich die Suppe jetzt immer noch.
Der Weg zum Tempel war etwa einen Kilometer weit zu Fuß und führte durch einen schönen Wald. Zum Glück aber hatte ich einen Regenschirm dabei, den ich dummerweise im Bus zurück liegen gelassen habe. Der Tempel stellte sich dann aber als extrem schön heraus, vor allem mit dem Hintergrund der wolkenverhangenen Berge.
Das erste Highlight war der größe Reiskochtopf Koreas (über 2m breit und 1m hoch), der aus Eisen im Jahr 720 hergestellt und dafür benutzt wurde, den damals angeblich 3000 Mönchen, die in Beopjusa lebten, Reis zu kochen.
Das zweite Highlight war die 33m hohe Buddha-Statue, die im Jahr 1990 für 4 Mio. US-Dollar fertig gestellt wurde. Das Geld stammte von 30.000 Spendern. Die Statue löste eine ca. hundert Jahre alte Steinstatue ab, die zerfallen war. Sie besteht aus Bronze und wurde mit 80 kg Blattgold überzogen. Ein sehr eindrucksvolles Bild.
Auf dem Rückweg überraschte mich ein Wolkenbruch, und als ich endlich im Bus war, war meine Hose durchnässt. Aber immerhin hatte ich an diesem Tag noch was schönes gesehen. Morgen, hab ich mich überreden lassen, werde ich zu Verwandten von Hye-Suk in die Nähe von Gongju fahren, was etwas südwestlich von hier liegt. Und danach geht es zurück nach Seoul, wo ich die letzten Tage verbringen werde. Meine Beine werden es mir danken, denn so richtig lassen sie sich nicht mehr zum Mitmachen überreden

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Zwei kleine Facts zum Schluss: In Asien (China, Korea und Japan) gilt die 4 als Unglückszahl, weil deren Aussprache dem chinesischen Wort für "Tod" ähnelt.
In Städten findet man irgendwo in jeder größeren Straße rot und blau bemalte, sich drehende Rollen. In Korea eigentlich das Zeichen für Friseure. Wenn es aber statt einer Rolle zwei sind, die sich gegenläufig drehen, dann können die Frauen dort drin vieles, nur nicht Haare schneiden... (hab ich gehört

).