Freitag, 29. Juni 2007
Sokcho
Gestern Nachmittag kam ich (mit genügend Geld) in der ziemlich nördlich gelegenen Stadt Sokcho an, wo ich recht schnell ein ordentliches Hotel fand, das Samsung Motel.
Samsung wird in Korea übrigens anders ausgesprochen als bei uns, nämlich "Samseong" (und so auch in Hangul, dem koreanischen Alphabet, geschrieben). Ähnlich ist es mit Hyundai, was hier "Hyeondae" ausgesprochen wird.
Viel gemacht hab ich gestern nicht mehr, weil ich noch zu erschöpft war von meiner Geldautomaten-Hatz (und wahrscheinlich können sich ein Dutzend Bankmitarbeiter noch lange an diesen Deutschen erinnern), mein Hals sich ein bißchen rau anfühlte, und das Wetter nicht das beste war. Also ging ich nur noch in den PC Bang (schöne Erfindung, echt) und abends noch kurz an den Strand, wo man trotz des Nebels weit draußen grelle Lichter der Tintenfischfänger sehen konnte, welche die Tiere dadurch in den Tod lockten.
Ich bin hier eigentlich nicht weit weg vom Soeraksan-Nationalpark, dem bekanntesten und schönsten in Südkorea. Eigentlich wollte ich dort hin gehen, und selbst wenn in meinen Beinen keine Energie mehr war, hätte ich noch mit der Seilbahn hochfahren können. Zwar regnete es heute nicht, aber es war sehr bewölkt, windig, und nachmittags zog noch Nebel auf. Bergwandern ist ja eine schöne Sache, aber wenn man den Berg nicht mehr sieht und Regenwolken gegen das Felsmassiv rumsen, ist es dort alles andere als schön.
Also fuhr ich heute Morgen mit dem Bus weiter nördlich nach Hwajinpo, einem berühmten Strand. Allerdings scheinen die Koreaner tatsächlich ausschließlich in den heißesten und regnerischsten Monaten, nämlich Juli und August, zu verreisen, denn auch hier war (wie sonst überall auch) alles ziemlich ausgestorben. Gut, am Strand mag man das ja noch verzeihen, weil das Wetter nicht gut war und das Wasser recht kalt, aber sonst?
Wegen dem Strand war ich dort aber nicht hingegangen, sondern wegen den Sommerhäusern von zwei früheren koreanischen Präsidenten. Die sollten alle in "walking distance" sein, aber das ist halt ein relativer Begriff, weshalb ich nur eins von diesen beiden Häusern fand, was sich zudem als äußerst klein und doof herausstellte. Die Lage wiederum an einem See direkt an der Küste ist traumhaft - bei schönem Wetter.
Das interessanteste war eine nicht mehr vorhandene Villa von Kim Il Sung. Kim Il Sung war, wie wir alle wissen, der Papa von Kim Jong Il, der als atomwaffendrohender, riesenbrillentragender nordkoreanischer Diktator vor einiger Zeit die Welt etwas aufgeschreckt hat. Vor dem Korea-Krieg gehörte dieser Teil des Landes (jetzt ca. 20 km vor der Grenze) noch zu Nordkorea. Auf den Stufen, die zu seinem Sommerhaus führten, stand ich heute und betrachtete ein altes Foto, das diesen Großkotz ganz klein zeigte, wie er zusammen mit ein paar anderen Kids auf eben diesen Stufen saß...
Aaah, ich stand am gleichen Ort wie der nordkoreanische Diktator! Hilfe!
Wie gesagt, der Rest war langweilig und die ganzen Beschreibungen in den Ausstellungshäuschen nur auf Koreanisch. Also fuhr ich mit dem Bus wieder zurück. Mein Magen drückte, denn ich hatte es mal wieder versäumt, ein Restaurant aufzusuchen, weil ich dachte, ich würde hier schon was finden. Denkste. Da fast niemand da war, war das Restaurant natürlich auch geschlossen.
Ich merke, wie meine Hose rutscht. Da ich jeden Tag ziemlich viel durch die Gegend marschiere, nehme ich hier ab. Das koreanische Essen ist nämlich vor allem eines: Sehr gut verdaulich. Es bleibt nicht lange im Magen, sodass man bald wieder Hunger hat. Das erklärt auch, warum die Koreaner 3x täglich warm essen können. Aber 3x täglich ein Restaurant zu suchen, sich für ein Essen zu entscheiden, aufs Essen zu warten, Geld dafür zu zahlen... ist ne ziemlich stressige Sache. Deshalb halte ich mich teilweise mit Keksen, Kimbap, Ramyeon (Fertignudeln im Becher, nur heißes Wasser dazu und gut) oder so ner Art koreanischem Berliner über Wasser.
Nachmittags wusste ich nichts mehr zu tun. Das Wetter wurde immer schlechter.
Also fuhr ich nach Naksansa, einem Tempel, der im Reiseführer beschrieben war. Es stellte sich heraus, dass Naksansa vor zwei Jahren abgebrannt war. Die Wiederaufbauarbeiten waren noch immer im Gang. Überall wurde gebaut, und der Anblick von verbrannten Bäumen war zwar mal etwas anderes, aber ich hätte den Tempel doch gerne im Original gesehen.
Immerhin war die 1977 gebaute große Statue noch gut in Schuss. Von dort oben aus (dem Naksan) hatte man auch einen tollen Blick über den Strand aufs Meer.
Und damit war der Tag auch schon vorbei. Hier im PC Bang stört mich das Wetter nicht. Mittlerweile bin ich auch ein wenig reisemüde geworden. Ich habe schon viel gesehen, und sicherlich gäbe es noch eine Menge anderer schöner Orte, und eigentlich möchte ich diese auch noch sehen, aber andererseits kann ich ja wieder einmal hierher kommen, und dann sollte noch was übrig sein. Meine Energie ist nicht mehr so stark wie in den ersten Tagen, und momentan nervt mich das Wetter.
Denn selbst wenn die Sonne nicht scheint, ist es hier sehr warm, und das Wandern fällt mir da ziemlich schwer. Hier am Meer gehts noch, nur hab ich hier jetzt das meiste gesehen, weshalb ich morgen wohl wieder ins Landesinnere fahren werde.
Obwohl ich hier meine Koreanisch-Kenntnisse nicht so anwenden kann wie eigentlich geplant, bin ich doch froh, die Sprache gelernt zu haben. Das Verstehen ist immer noch das schwierigste von allem, aber immerhin verstehe ich nun die einfachen Fragen der Leute. Wenn ich alleine bin, erwarten die Koreaner auch nicht von mir, Koreanisch zu können, was dann zu erstaunten Gesichtern führt, wenn ich in einem kleinen Straßenrestaurant, wo alles nur in Koreanisch ausgeschrieben ist, Essen bestelle. Wer hier her kommt, muss auf jeden Fall die Schrift lesen können. Das ist nicht schwierig, dauert gerade mal nen Tag. Ohne das wäre man etwas aufgeschmissen. Zusätzlich ist es praktisch, wenn man die koreanischen Zahlen kennt, denn Preise kriegt man oft nur gesagt, vor allem beim Busfahren.
Ich denke, mit ein bisschen Übung könnte ich schon ein paar Dinge sagen, aber das ist recht schwierig hier. Ich schätze, dass viele Koreaner gerne mal mit mir sprechen würden, aber die trauen sich dann nicht, weil sie ähnliche Probs mit ihrem Englisch haben wie ich mit meinem Koreanisch. Obwohl hier alle Schüler jahrelang Englisch büffeln, kann kaum jemand Englisch reden.
Das liegt daran, dass rein nur auf die Tests gelernt wird, viel zu viel theoretisch anstatt praktisch. Aber dass selbst Mitarbeiter in größeren Banken Probleme mit ihrem Englisch haben, hat mich dann doch ein wenig überrascht. Und so mutig, die anderen anzusprechen, bin ich leider auch nicht wirklich. Außer wenn es mal darum geht, ein Foto zu machen oder nach dem Weg zu fragen.
Übrigens, wo ich es gestern noch von meiner Geldautomatensuche hatte: Koreanisches Bargeld besteht aus Münzen zu 10, 50, 100 und 500 Won, sowie aus Scheinen zu 1000, 5000 und 10000 Won. Da der größte Schein also nicht mal 10 Euro wert ist, hat man gleich einen sehr dicken Geldbeutel, wenn man 300 oder 400 Euro abhebt. Hye-Suk hat mir verraten, dass man deshalb nächstes Jahr eine 100000-Won-Note einführen möchte. Macht irgendwie Sinn. Ein Fünfziger wär auch nicht schlecht...
Samsung wird in Korea übrigens anders ausgesprochen als bei uns, nämlich "Samseong" (und so auch in Hangul, dem koreanischen Alphabet, geschrieben). Ähnlich ist es mit Hyundai, was hier "Hyeondae" ausgesprochen wird.
Viel gemacht hab ich gestern nicht mehr, weil ich noch zu erschöpft war von meiner Geldautomaten-Hatz (und wahrscheinlich können sich ein Dutzend Bankmitarbeiter noch lange an diesen Deutschen erinnern), mein Hals sich ein bißchen rau anfühlte, und das Wetter nicht das beste war. Also ging ich nur noch in den PC Bang (schöne Erfindung, echt) und abends noch kurz an den Strand, wo man trotz des Nebels weit draußen grelle Lichter der Tintenfischfänger sehen konnte, welche die Tiere dadurch in den Tod lockten.
Ich bin hier eigentlich nicht weit weg vom Soeraksan-Nationalpark, dem bekanntesten und schönsten in Südkorea. Eigentlich wollte ich dort hin gehen, und selbst wenn in meinen Beinen keine Energie mehr war, hätte ich noch mit der Seilbahn hochfahren können. Zwar regnete es heute nicht, aber es war sehr bewölkt, windig, und nachmittags zog noch Nebel auf. Bergwandern ist ja eine schöne Sache, aber wenn man den Berg nicht mehr sieht und Regenwolken gegen das Felsmassiv rumsen, ist es dort alles andere als schön.
Also fuhr ich heute Morgen mit dem Bus weiter nördlich nach Hwajinpo, einem berühmten Strand. Allerdings scheinen die Koreaner tatsächlich ausschließlich in den heißesten und regnerischsten Monaten, nämlich Juli und August, zu verreisen, denn auch hier war (wie sonst überall auch) alles ziemlich ausgestorben. Gut, am Strand mag man das ja noch verzeihen, weil das Wetter nicht gut war und das Wasser recht kalt, aber sonst?
Wegen dem Strand war ich dort aber nicht hingegangen, sondern wegen den Sommerhäusern von zwei früheren koreanischen Präsidenten. Die sollten alle in "walking distance" sein, aber das ist halt ein relativer Begriff, weshalb ich nur eins von diesen beiden Häusern fand, was sich zudem als äußerst klein und doof herausstellte. Die Lage wiederum an einem See direkt an der Küste ist traumhaft - bei schönem Wetter.
Das interessanteste war eine nicht mehr vorhandene Villa von Kim Il Sung. Kim Il Sung war, wie wir alle wissen, der Papa von Kim Jong Il, der als atomwaffendrohender, riesenbrillentragender nordkoreanischer Diktator vor einiger Zeit die Welt etwas aufgeschreckt hat. Vor dem Korea-Krieg gehörte dieser Teil des Landes (jetzt ca. 20 km vor der Grenze) noch zu Nordkorea. Auf den Stufen, die zu seinem Sommerhaus führten, stand ich heute und betrachtete ein altes Foto, das diesen Großkotz ganz klein zeigte, wie er zusammen mit ein paar anderen Kids auf eben diesen Stufen saß...
Aaah, ich stand am gleichen Ort wie der nordkoreanische Diktator! Hilfe!
Wie gesagt, der Rest war langweilig und die ganzen Beschreibungen in den Ausstellungshäuschen nur auf Koreanisch. Also fuhr ich mit dem Bus wieder zurück. Mein Magen drückte, denn ich hatte es mal wieder versäumt, ein Restaurant aufzusuchen, weil ich dachte, ich würde hier schon was finden. Denkste. Da fast niemand da war, war das Restaurant natürlich auch geschlossen.
Ich merke, wie meine Hose rutscht. Da ich jeden Tag ziemlich viel durch die Gegend marschiere, nehme ich hier ab. Das koreanische Essen ist nämlich vor allem eines: Sehr gut verdaulich. Es bleibt nicht lange im Magen, sodass man bald wieder Hunger hat. Das erklärt auch, warum die Koreaner 3x täglich warm essen können. Aber 3x täglich ein Restaurant zu suchen, sich für ein Essen zu entscheiden, aufs Essen zu warten, Geld dafür zu zahlen... ist ne ziemlich stressige Sache. Deshalb halte ich mich teilweise mit Keksen, Kimbap, Ramyeon (Fertignudeln im Becher, nur heißes Wasser dazu und gut) oder so ner Art koreanischem Berliner über Wasser.
Nachmittags wusste ich nichts mehr zu tun. Das Wetter wurde immer schlechter.
Also fuhr ich nach Naksansa, einem Tempel, der im Reiseführer beschrieben war. Es stellte sich heraus, dass Naksansa vor zwei Jahren abgebrannt war. Die Wiederaufbauarbeiten waren noch immer im Gang. Überall wurde gebaut, und der Anblick von verbrannten Bäumen war zwar mal etwas anderes, aber ich hätte den Tempel doch gerne im Original gesehen.
Immerhin war die 1977 gebaute große Statue noch gut in Schuss. Von dort oben aus (dem Naksan) hatte man auch einen tollen Blick über den Strand aufs Meer.
Und damit war der Tag auch schon vorbei. Hier im PC Bang stört mich das Wetter nicht. Mittlerweile bin ich auch ein wenig reisemüde geworden. Ich habe schon viel gesehen, und sicherlich gäbe es noch eine Menge anderer schöner Orte, und eigentlich möchte ich diese auch noch sehen, aber andererseits kann ich ja wieder einmal hierher kommen, und dann sollte noch was übrig sein. Meine Energie ist nicht mehr so stark wie in den ersten Tagen, und momentan nervt mich das Wetter.
Denn selbst wenn die Sonne nicht scheint, ist es hier sehr warm, und das Wandern fällt mir da ziemlich schwer. Hier am Meer gehts noch, nur hab ich hier jetzt das meiste gesehen, weshalb ich morgen wohl wieder ins Landesinnere fahren werde.
Obwohl ich hier meine Koreanisch-Kenntnisse nicht so anwenden kann wie eigentlich geplant, bin ich doch froh, die Sprache gelernt zu haben. Das Verstehen ist immer noch das schwierigste von allem, aber immerhin verstehe ich nun die einfachen Fragen der Leute. Wenn ich alleine bin, erwarten die Koreaner auch nicht von mir, Koreanisch zu können, was dann zu erstaunten Gesichtern führt, wenn ich in einem kleinen Straßenrestaurant, wo alles nur in Koreanisch ausgeschrieben ist, Essen bestelle. Wer hier her kommt, muss auf jeden Fall die Schrift lesen können. Das ist nicht schwierig, dauert gerade mal nen Tag. Ohne das wäre man etwas aufgeschmissen. Zusätzlich ist es praktisch, wenn man die koreanischen Zahlen kennt, denn Preise kriegt man oft nur gesagt, vor allem beim Busfahren.
Ich denke, mit ein bisschen Übung könnte ich schon ein paar Dinge sagen, aber das ist recht schwierig hier. Ich schätze, dass viele Koreaner gerne mal mit mir sprechen würden, aber die trauen sich dann nicht, weil sie ähnliche Probs mit ihrem Englisch haben wie ich mit meinem Koreanisch. Obwohl hier alle Schüler jahrelang Englisch büffeln, kann kaum jemand Englisch reden.
Das liegt daran, dass rein nur auf die Tests gelernt wird, viel zu viel theoretisch anstatt praktisch. Aber dass selbst Mitarbeiter in größeren Banken Probleme mit ihrem Englisch haben, hat mich dann doch ein wenig überrascht. Und so mutig, die anderen anzusprechen, bin ich leider auch nicht wirklich. Außer wenn es mal darum geht, ein Foto zu machen oder nach dem Weg zu fragen.
Übrigens, wo ich es gestern noch von meiner Geldautomatensuche hatte: Koreanisches Bargeld besteht aus Münzen zu 10, 50, 100 und 500 Won, sowie aus Scheinen zu 1000, 5000 und 10000 Won. Da der größte Schein also nicht mal 10 Euro wert ist, hat man gleich einen sehr dicken Geldbeutel, wenn man 300 oder 400 Euro abhebt. Hye-Suk hat mir verraten, dass man deshalb nächstes Jahr eine 100000-Won-Note einführen möchte. Macht irgendwie Sinn. Ein Fünfziger wär auch nicht schlecht...
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Kommentare
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Hi Jens,
wir bemühen uns mit dem Lesen hinterher zu kommen. Es ist sehr interessant und wir freuen uns für Dich, daß Du so einen tollen Urlaub hast!
Wir wünschen Dir weiterhin viel Spaß!!!
Mit ganz lieben Grüßen
Mirjam und Matthias und Anika und Hannes
wir bemühen uns mit dem Lesen hinterher zu kommen. Es ist sehr interessant und wir freuen uns für Dich, daß Du so einen tollen Urlaub hast!
Wir wünschen Dir weiterhin viel Spaß!!!
Mit ganz lieben Grüßen
Mirjam und Matthias und Anika und Hannes
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