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Sonntag, 24. Juni 2007

Daegu

Geschrieben von Jens in Korea 2007 um 13:44
Shoppen in Daegu
Viel zu erzählen gibt es leider nicht über die letzten beiden Tage. Gestern Morgen habe ich um 11 Uhr Hye-Suk getroffen, die nach einer zweieinhalbstündigen Busfahrt in Daegu angekommen war.

Reiskuchen
Beim Herumwandern in den Shoppingmeilen der Stadt fanden wir unter anderem die Reiskuchenstraße. Diese sind beliebt als Geschenke für Hochzeiten oder sonstige feierliche Anlässe, und dementsprechend liebevoll sind sie zubereitet. Da gibts Reiskuchen in den unterschiedlichsten Formen und Farben. Gekauft hab ich mir ein kleines Päckchen, dies aber erst am nächsten Tag verzehrt, weshalb es nicht mehr ganz so gut war. Reiskuchen sollte man innerhalb eines Tages essen oder einfrieren.

Reiskuchen
In einem kleinen Stadtpark, in dem fast nur alte Leute auf den Bänklein saßen, gab es dann eine Aufführung von traditionellem Tanz, Schwerttraining, Glockenschlagen, Wachablösung usw. - dabei sind die Gewänder der Beteiligten sehr schön und farbenfroh. Als wir dort zusahen, kam ein Mitarbeiter des Kulturkomittes zu Hye-Suk und erklärte ihr, dass sie mich gerne mal die Glocke schlagen lassen würden. Weil da selten Fremde auf den Bildern wären, die man übrigens auch im Internet bewundern kann.

Das Grinsen passt nicht, gebs ja zu
Aber zunächst durfte ich mich in ein traditionelles Wächtergewand einpacken und fotografieren lassen. Später ließen Hye-Suk und ich die riesige Glocke erklingen, nachdem ein Wächter "Taejon" rief und ein anderer eine riesige Trommel schlug. Das war ziemlich lustig. Die machen das da wohl fast jeden Tag für die Touristen. Gelohnt hat es sich allemal.

Traditionell gekleideter Schwertkämpfer
In einem kleinen Eisrestaurant aßen wir Eis mit verschiedensten Früchten, Gemüse (u.a. Tomaten), so ner Art Cornflakes und vielem anderen Zeug aus einer großen Schüssel für 2 Personen. So hatte ich Eis jedenfalls noch nie gegessen. In diesem Laden, der nicht sonderlich groß war (vielleicht 8x3 Meter), gab es ca. 7 Angestellte, hauptsächlich jüngere Frauen. Sieben! Wenn ein Gast hereinkam, riefen die im Chor "Osoe oseyo!" (Willkommen!), und verabschiedeten jeden Gast auf dieselbe Weise. Das ist hier übrigens in jedem Geschäft oder Restaurant so. Wenn man reinkommt, wird man begrüßt, und wenn man rausgeht, wird man verabschiedet. Echt toll.

Mit Gewand hätt mich (vielleicht) keiner erkannt
Am Abend waren unsere Beine ziemlich erschöpft, sodass wir einen Snack kauften (Kimbap, in Seetangpapier gewickelten Reis mit diversen zusätzlichen Inhalten, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Kimbap, und zusätzlich eine Fertigsuppe, die in einem Becher daher kam und man nur noch mit heißem Wasser anrühren musste) und diesen im Hotelzimmer verzehrten.

Ich und Hye-Suk in Bereitschaft fürs Glockenschlagen
Heute Mittag deponierten wir unser Gepäck am Bahnhof und gingen noch ein wenig durch die Stadt, u.a. aßen wir bei "Lotteria" (ein von Lotte betriebenes Fastfood-Restaurant im McDonalds-Stil). Das Essen da lag mir etwas schwer im Magen, weshalb ich heute Abend eine scharfe Suppe aß, die gut für die Verdauung sein soll. Um 16 Uhr trennten wir uns. Ich nahm den Bus nach Andong, sie ging zurück nach Choengju. In Andong bin ich jetzt gerade, nachdem ich mich beim Abendessen etwas unwohl gefühlt hatte, weil ich diese spezielle Suppe plötzlich mit einer zusätzlichen Riesenschüssel bekommen hatte, in der nur etwas Salat lag - und ich keine Ahnung hatte, was ich damit anstellen sollte.

Gute Suppe
In Daegu habe ich gestern und heute ungefähr 20-25 Fremde gesehen. Immerhin! Hier in Andong, über das ich morgen mehr schreiben werde, bisher noch keinen. Die Leute hier sehen mich auch wieder etwas entgeisterter an als in Daegu.

Da ich sonst nichts mehr zu erzählen habe, hier einfach noch ein interessante paar Dinge, die ich aufschreiben kann:

Für die traditionelle Selbstmedikation
Die U-Bahn-Stationen und -Wagen in Daegu waren die saubersten und teilweise auch modernsten auf meinem ganzen bisherigen Trip. So sauber, dass man sogar die Mülleimer auf die Toiletten verlagert hatte. Aber vielleicht hängt dies mit einem großen Unglück zusammen, das 2003 geschah und das Land ziemlich erschütterte. Ein geistig verwirrter Attentäter, der sich das Leben nehmen wollte, legte einen Brand in einem U-Bahn-Wagen. Vieles lief daraufhin falsch: In den Wagen gab es zu viele leicht brennbare Materialien, und nicht zuletzt zog der Fahrer den Hauptschlüssel, machte sich aus dem Staub, und ließ damit den Zug stromlos zurück, sodass die Türen nicht mehr aufgingen und die Leute darin gefangen waren. Knapp 200 Koreaner verbrannten oder erstickten damals. Seither wurde eine Menge in die Sicherheit investiert, die Wagen und teilweise auch die Stationen wurden komplett umgerüstet.

Galbi-Restaurant mit Abzügen über Tisch - wollte ich noch nachreichen
Statt Papiertickets gibt es dort übrigens Plastikchips. Jedoch scheint das System noch nicht so rund zu funktionieren. Die Ein- und Ausgangsschranken standen meistens offen, obwohl manchmal ein Wächter daneben stand und guckte, ob auch jeder bezahlte. Die Einheimischen zahlen im öffentlichen Nahkverkehr mit elektronischem Geld, das auf einem Chip gespeichert ist, den man meist am Handy mit sich herum trägt.

Der Döner ist noch nicht angekommen - Eiscreme dagegen schon
Wie man an den riesigen Straßen und dem wahnsinnigen Verkehr (selbst in kleinen Städten) erkennen kann, sind die Koreaner extrem auto-fixiert, so ähnlich wie die Amis. Sie lassen auch gerne mal den Wagen mit laufendem Motor stehen, vermutlich, damit die Klimaanlage nicht ausgeschaltet wird. Dementsprechend sind Fußgängerampeln absolut nicht priorisiert. Oft wartet man mehrere Minuten, bis eine Ampel auf Grün schaltet. Und wenn sie dies dann tut, dann gerade mal für 30-50 Sekunden. An einer Ampel in Daegu gab es einen Zähler, der die letzten 20 Sekunden anzeigte.
Selten zu sehen: Sekundenzähler an Fußgängerampel
An Zebrastreifen muss man als Autofahrer nicht anhalten, wenn Menschen darüber gehen wollen. Dementsprechend vorsichtig muss man sich hier auf der Straße auch bewegen. Der einzige Vorteil am Zebrastreifen: Die Autofahrer hupen nicht, wenn sie anhalten müssen, und wenn man von ihnen überfahren wird, sind sie vollständig schuld.

Kneipen heißen "Hof" in Korea
Kneipen hier in Korea heißen "Hof", das aus dem Deutschen entlehnt wurde. Das ist eigentlich seltsam, da die Koreaner kein richtiges "F" sprechen können und dieser Buchstabe auch im Alphabet fehlt. Dementsprechend heißen die Hofs eigentlich "Hop" oder "Hopue".

Trainingsmeile in kleiner Allee
Bei den T-Shirts, die von den jungen Leuten getragen wurden, habe ich noch kein einziges mit koreanischer Aufschrift gesehen. Meistens sind die Sprüche auf Englisch und enthalten oft Grammatik- oder extreme Stilfehler. Sinnlos sind sie fast immer. Heute sah ich ein Mädchen mit einem deutsch beschrifteten T-Shirt: "Eine Million Volkswagen-Transporter" ...

Und in einer kleinen Parkmeile in Daegu gab es lustige Trainingsgeräte für den Sport zwischendurch.

Regenwetter haben wir hier immer noch, aber am Dienstag spätestens soll es wieder schöner werden. Hoffentlich, hoffentlich!
Kommentare (3)
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Kommentare
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Ciao Jens,

habe schon lange nix mehr in dein Tagebuch geschrieben, jetzt wurde es mal wieder an der Zeit mein Kommentar abzulassen.

Also erst lachst du mich aus, als du mein Bild gesehen hast ja und dann machst du doch tatsächlich das gleiche in Südkorea... aber hauptsache sich lustig machen über die melle gell..:oP
ich brauch gar nicht sagen um welches bild es sich handelt... wir zwei wissen schon welches wir meinen gell jens??? ;oP
lustich

Eiscreme...türkische Spezialität... die koreaner verwechseln da wohl irgendwas... klär die mal auf, dass wir Italiener das waren, die gute Eiscreme machen und nicht die Türken, die sind für die Döner verantwortlich ;o)
(Wer hat's erfunden????)

Wie ich sehe sind die koreaner aber auch sehr fit, das mit der Trainingsmeile finde ich voll super... in China habe ich auch viele Menschen gesehen die in den öffentlichen Parks hocken und Ihr ThaiChi machen, danach wird der Ghettoblaster angemacht auf volle lautstärke gestellt und dann Tanzen alle (wirklich von Jung bis alt) diese Gruppentänze, teils mit typischen Chinesischen Schritten aus der Beijing Oper und teils mit voll modernen jazz-dance steps...echt einzigartig

und was man noch oft gesehen hat ist das ältere menschen rückwärts laufen... ohne scherz, man hat mir dann erklärt, dass wenn wir nur vorwärts laufen nur die eine partie unsere muskeln beanspruchen und trainieren, deshalb läuft in china, vor allem das ältere volk manchmal rückwärts...;o)
muss du auch mal probieren jens, oder vielleicht hast du schon jemanden gesehen der in südkorea vielleicht auch rückwärts läuft...?? würd mich echt interessieren ob die das dort auch machen. Frag mal Hye-Suk ob sie was davon weiß...

Gruss
Cristina
#1 Anonym am 25.06.2007 09:06 (Antwort)
Oehm, nein, rueckwaerts laufen hab ich hier noch niemanden gesehen. Und das mit dem Training war hier auch das einzige Mal. Die jungen Leute scheinen das eh nicht mehr zu tun...

Rueckwaerts laufen koennte ich auch hoechstens in Touristenattraktionen unter der Woche - da ist meist niemand ausser mir :-)

Gruss
Jens
#1.1 Jens am 25.06.2007 10:50 (Antwort)
Hey Jens
ich hoff dir gehts gut soweit..ich komm manchmal gar nicht nach mit lesen, aber ist voll interessant:)
schick dir e liebs Grüßli
Machs gut
#2 Susi am 28.06.2007 09:34 (Antwort)

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