Nach der größten (Seoul), der zweitgrößten (Busan) und der drittgrößten koreanischen Stadt (Incheon) bin ich nun in der viertgrößten gelandet: Daegu mit etwa 2,5 Mio Einwohnern. Der Bus von Gyeongju hat etwa eine Stunde gebraucht und 4 Euro gekostet. Eigentlich wollte ich hier gar nicht hin, weil ichs mit großen Städten eigentlich nicht so habe. Aber da ich mich morgen mit Hye-Suk treffen möchte, bot sich Daegu als große Stadt "dazwischen" eher an als irgendeine Kleinstadt, wo ich dann eben am Sonntag hinfahre. Ich hab ja noch ein paar Tage, erst die Hälfte ist rum und ich hab schon so viel gesehen.
Natürlich regnete es mal wieder die ganze Nacht und den ganzen Tag. Ziemlich deprimierend. Was soll man da schon tun? Erstmal kam jedoch die unschönste Aufgabe: Motel suchen. Für einen wie mich, der sich nicht entscheiden kann, ist das immer eine schwierige Angelegenheit. Man will ja nicht zu viel bezahlen und dann soll es noch ruhig und sauber und bequem sein. Von außen sieht man es den Dingern ja nicht an, wie sie innen aussehen.
In Gyeongju hatte mich der Lonely Planet als Reiseführer ganz gut beraten. Aber das Motel, das dieser nun anpries, fand ich trotz einstündiger Suche (mit 17 Kilo Gepäck eine schweißtreibende Sache) einfach nicht. Also beschloss ich, einfach irgendeins zu nehmen und ging in einen großen Kasten, das "Time Motel". Die Frau dort sagte irgendwas auf Koreanisch, was ich nicht verstand, und rief dann jemanden an, der Englisch konnte. Der meinte, das Zimmer würde 40.000 Won kosten, aber da ich schon um 12 dort war anstatt am Nachmittag, würde er 50.000 verlangen müssen. Der spinnt doch, dachte ich, und sagte, es sei mir zu teuer. Okay, meinte er, dann gäbe er mir Rabatt auf 40.000. Nee, auch das war mir noch zu viel. Ich legte auf und sagte der unfreundlichen Dame "nomu pissaneyo" ("viel zu teuer"). Ich sagte "30.000 Won", und dann wollte sie mir den Raum für 35.000 anbieten. Nee. Nix. Ich verabschiedete mich und ging. Sie rannte mir noch hinterher auf die Straße und winkte. Keine Ahnung, ob sie mich zurückholen wollte. Ich hatte keinen Bock mehr auf diesen Laden und ging in die nächste Seitenstraße.
Dort fand ich dann ein von außen eher schlecht aussehendes Motel. Der Reiseführer schrieb auch, dass die meisten "sehr grottig" seien. Na super! Aber ich hatte Glück: Die alte Dame am Schalter war sehr freundlich und sie verstand mein Koreanisch, machte mir Komplimente, und gab mir den Raum, den ich mir vorher ansah, für 25.000 Won. Und der ist sauber, bequem und ruhig. Na also, geht doch. Man muss doch nicht blöd rummachen, wenn man ein wenig früher ankommt. Schon gar nicht, wenn genügend Räume frei sind.
Übrigens: Im Koreanischen gibts ne kleine Stolperfalle bei Preisverhandlungen. "sam-man-won" bedeutet "30.000 Won" und "sa-man-won" bedeutet "40.000 Won". Für Koreaner sicher ein himmelweiter Unterschied, aber für meinereiner kaum auseinanderzuhalten. Gut also, dass es Finger gibt
Da ich ja nicht den ganzen Nachmittag im Hotel verbringen wollte, fuhr ich zu einem bekannten Tempel etwa 70 km außerhalb der Stadt. Die Fahrt mit U-Bahn und Bus dauerte zusammen fast 2 Stunden. Es hat zwar geregnet, aber die Busfahrt war sehr schön. Herrlich zu sehen, wie sich die hügelige Landschaft in den Reisfeldern spiegelte. Leider verbauen die Koreaner ihre schöne Landschaft immer mehr mit hässlichen Gebäuden. Dort wird mit Sicherheit kein Dorf zum "schönsten Dorf Koreas" gekürt, schätze ich. Die Dörfer sehen nämlich einfach aus wie kleine Städte. Hässliche Gebäude mit Neonreklame und viele kleine Lädelchen und Restaurants.
Im Haeinsa-Tempel, zu dem man noch über 1 km laufen musste (und ich hab doch Muskelkater vom Sunmudo-Training!), war zwar schön, aber wegen dem Regen eine bäh-Angelegenheit. Zudem gabs dort sandigen und daher matschigen Boden. Echt toll.
Jedenfalls liegt in Haeinsa das bekannteste und wichtigste koreanische Kulturgut: Das Tripitaka Koreana. Das sind 81254 Druckstöcke aus Holz, die im 13. Jahrhundert angefertigt wurden. Sie enthalten die vollständigste Sammlung buddhistischer Schriften und wurden damals schon so angefertigt, dass sie viele Jahrhunderte überdauern würden. Leider konnte man in das Gebäude nicht hinein, sodass ich das Foto durch das Gitterfenster hindurch machen musste.
Gedruckt haben die Koreaner schon immer gern. Der älteste Holzdruckstock wurde gar im Bulguksa-Tempel (wo ich auch schon war) gefunden. Und ganz nebenbei, was die allerwenigsten wissen: Nicht Johannes Gutenberg hat den Druck mit beweglichen metallenen Lettern erfunden, wie es überall gelehrt wird. Das waren auch die Koreaner um 1230, etwa 200 Jahre vor dem Deutschen. Nur war das System nicht so beliebt, weil damals in Korea noch die chinesische Schrift verwendet wurde, und da brauchte man eine Menge Lettern. Hangul, das koreanische Alphabet, wurde erst 1446 entwickelt (und ist übrigens das einzige Alphabet der Welt, das systematisch entwickelt wurde - alle anderen haben sich langsam zur heutigen Form verändert).
Im Bus zurück wär ich dann fast eingeschlafen. Ich bin einfach noch zu fertig und sollte ausruhen. Nur hab ich aufs Ausruhen auch nicht so recht Lust. Also ging ich in die Stadt und schlenderte durch einige Straßen im Zentrum. Ich hab bestimmt eine Million Koreaner gesehen. Und mich als einzigen Fremden. Den ganzen Tag! Wundert mich ein wenig, denn in Daegu soll es zwei US-Militär-Basen geben. Die Leute haben mich auch nicht wie einen Fremdkörper angesehen, sind Fremde also wohl gewohnt. Vielleicht haben die mich für einen US-Soldaten in Zivil gehalten

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Daegu ist berühmt für seine Mode und die Trends, die hier entstehen. Dementsprechend viele Kleidungsläden gibt es, und dementsprechend stylish sehen die Frauen auch aus. Überhaupt: In Daegu gibt es die schönsten Frauen Koreas. In Seoul sind mir nicht so viele hübsche Mädels begegnet wie hier. Wegen einer 1,80m-Frau im roten Kleid in der U-Bahn, die mich an meine Lieblingsschauspielerin erinnerte, hab ich gar erst drei Stationen zu spät gemerkt, dass ich in die falsche Richtung fuhr...
Im Shopping-Bezirk gibt es einzelne Straßen, in denen es nur eine Art Läden gibt. Da gibts (laut Reiseführer, ich habs nicht gefunden) eine Handtuchstraße oder eine Reiskuchenstraße. Gefunden habe ich nur die Handystraße. Dort gab es ausschließlich Mobiltelefon-Shops (hier übrigens "Haenduepon" genannt für "Handphone"). Muss sich offenbar lohnen.
Nach einem Snack auf der Straße (ein Würstchen an zwei Stäbchen mit irgendeinem Gebäck umwickelt) suchte ich den Rotlichtbezirk. Der sollte ganz interessant sein laut Reiseführer. Und ich war ja schon gespannt, wie so etwas in einem Land aussieht, wo man sich auf der Straße nicht mal küsst.
Ich orientierte mich am Mond und fand die richtige Richtung. Nach fünfzehn Minuten, das liegt ziemlich außerhalb des Zentrums, sah ich in einer Seitenstraße kurz ein pinkfarbenes Licht aufleuchten. Von der Hauptstraße aus war überhaupt nichts zu sehen. Also ging ich um den Block herum und versuchte, einen Zugang zu finden, wo ich möglichst wenig auffiel. Gleich an der Ecke war die Polizeistation. Und in den winzigen Gassen, die von dem pinken Licht erhellt wurden, war irgendwie niemand außer ein paar älteren Frauen, die vor den "Schaufenstern" standen...
Die Prostituierten saßen oder standen im Bikini oder anderer Kleidung in hellen pink-rosa beleuchteten Räumen mit Glaswänden und warteten auf Kundschaft. Dabei redeten sie miteinander, legten Makeup auf, aßen was oder klickerten auf ihren Handys rum.
Ich versuchte, schnurgerade durchzugehen und mir möglichst nicht anmerken zu lassen, auf der "Suche" zu sein. Das fiel mir recht schwer, weil ich ja erstens gucken musste und zweitens der einzige auf der Straße war. Möglicherweise ging es hier erst später los. Ich hätte ja gern ein Bild gemacht, aber ich traute mich nicht. Möglicherweise wär dann jemand gekommen und hätte gesagt, wenn ich sie schon knipse, muss ich sie auch nehmen...
Dann merkte ich, was die 40-50 jährigen Frauen waren. Sie sprachen mich mit "Hi" an und wollten mir jeweils eins von den Mädels andrehen. Ich winkte immer und sagte "Anio". Schnell da raus, schnell da raus... Immerhin war ich schnell draußen, weil der Rotlichtbezirk echt nur aus 3 oder 4 Straßen bestand, die zudem sehr gut versteckt waren. Aber selbst, als ich wieder in Richtung U-Bahn-Station unterwegs war, wurde ich von älteren Damen angesprochen, die mir irgendwas andrehen wollten. Ich hab nix verstanden, konnte mir aber natürlich denken, was das sein würde...
Als ich dann zurück war an der U-Bahn-Station, weit weg vom Rotlichtviertel in der Nähe des Busterminals, suchte ich einen PC Bang. Ich fand auch schnell einen, doch der stellte sich als sehr seltsam heraus. Es gab dort einige Türen, aber kein großer Raum mit vielen PCs. Der Inhaber hatte alle Hände voll zu tun, mir zu erklären, um was es sich hier handelte. Aber ich kapierte es recht flott: Das war ein "Einzelzimmer PC-Bang" genannt "Seongin-PC Bang", was so viel bedeutet wie "Erwachsenen-PC Bang". Da kann man dann also in privater Atmosphäre im Internet surfen... und es kostet mit 5000 Won pro Stunde etwa 7 Mal so viel wie im normalen PC Bang. Was es hier nicht alles gibt!
Vor diesem PC Bang hockte wieder eine alte Dame auf der Straße, die mich auch mit "Hi..." ansprach und mich dann am Arm packte und mich irgendwo hinführen wollte. Hilfe! Ich sagte Anio, riss mich von ihr los, und ging ganz schnell in eine andere Richtung.
Ich glaube, hier in Daegu mache ich in Zukunft einen großen Bogen um diese Damen