Argh! Gerade habe ich eine Stunde lang geschrieben, und dann hats mir das Programm geschlossen und ich hab alles verloren. Scheiße! Aber seis drum, schreibe ichs halt nochmal... hab ja heute nichts mehr vor, und es ist erst kurz vor 23 Uhr. Grmbl.
Mein Weg aus Busan heraus gestaltete sich weit einfacher als erwartet. An der U-Bahn-Station befand sich das Busterminal. Ich löste eine Karte für 4 Euro, fünf Minuten später saß ich im fast leeren Bus, und nach einer Stunde war ich in Gyeongju. Genial.
In den alten Zeiten (57 BC bis 668 AD) bestand Korea aus 3 Königreichen: Goguryeo im Norden, Baekje im Südwesten und Silla im Südosten. Gyeongju war ca. 1000 Jahre lang die Hauptstadt von Silla. Und da dessen König irgendwann die anderen beiden Königreiche platt machte (man kann auch sagen: "vereinte"), war Gyeongju ca. 250 Jahre lang Hauptstadt des gesamten Landes. Die Einwohnerzahl soll in Spitzenzeiten bei einer Million gelegen haben. Aber wies mit den guten Zeiten so ist, vergehen sie irgendwann wieder. Silla wurde bald wieder von den anderen platt gemacht, und viel später kamen dann die Mongolen und Japaner und zerstörten alles, was sich in ihrem Weg befand. Erst im 20. Jahrhundert wurden die alten Schätze und Bauten wieder ausgegraben und teilweise originalgetrau restauriert. Hier in Gyeongju gibt es die meisten davon, und zwar so viele, dass man mehrere Tage braucht, um die wichtigsten Orte zu besuchen.
Ich fand ein tolles neues Motel für 30.000 Won pro Nacht (ca. 25 Euro), in dem ich sogar Internet-Anschluss habe. Der ist aber zu lahm und ich kann kein USB nutzen, von daher sitze ich mal wieder im PC Bang neben Warcraft-, Diablo- und Counterstrike-Zockern. Das ist in Südkorea übrigens eine sehr populäre "Sportart". Wettkämpfe werden sogar im Fernsehen übertragen.
An was ich mich in Korea wahrscheinlich nie gewöhnen können werde sind die Bäder. Egal ob im Motel oder in Privathaushalten, die Räume sind alle gleich eingerichtet. Es gibt darin weder Duschvorhänge noch Teppiche. Man darf hemmungslos mit dem Wasser herumspritzen und putzt damit gleich noch die Toilette. Am Boden befindet sich jeweils ein Abfluss. Der Nachteil an der Sache ist, dass man seine Füße nie richtig trocken kriegt. Zwar hat der Koreaner daran gedacht, und deshalb gibt es immer ein paar Badeschlappen vor dem Badeingang, aber wenn man diese mit ins Bad nimmt, werden die ja auch nassgespritzt. Und die 60x30cm-Standard-Motel-Handtücher, die es hier gibt, sind halt schon etwas klein. Der zweite Nachteil an dieser Rumspritz-Bauweise ist, dass es keine Steckdosen im Bad gibt. Zwar hatte ich in Hye-Suks Haus eine gesehen, diese war jedoch hinter einer Plastikklappe und mit einer zusätzlichen Feinsicherung versehen.
Eins der guten Sachen wiederum sind die Wasserautomaten. In jedem Hotel, in jedem Restaurant und in vielen Geschäften gibt es kostenloses Wasser, warm oder kalt. Der Koreaner bestellt selten etwas zu trinken zum Essen, da er 1. kostenlos Wasser kriegt und 2. meistens eine kalte und sehr leckere Suppe zum Menü dazu gehört. Wenn er was bestellt, dann meistens irgendwas alkoholisches. Überhaupt muss ich nochmal ein Lob auf das koreanische Essen aussprechen. Ich bin hier echt in meinem Essen-Traumland! Das mag wahrscheinlich daran liegen, dass die Koreaner keinerlei weiße Soßen benutzen, um die Gerichte "feiner" zu machen. Das Gemüse ist immer knackig und nicht so schlabberig weich gekocht wie bei uns. Außerdem ist alles gut gewürzt. Echt toll. Hätte nicht gedacht, dass mich das Essen so begeistern würde.
Wie dem auch sei... mein Tag begann am Mittag mit einer Tour zu Fuß zu den näher liegenden Sehenswürdigkeiten. Ich begann im Tumuli Park, den ich fast für mich allein hatte. Kaum Touristen unterwegs, die meiste Zeit sah ich überhaupt niemanden. Wahrscheinlich ist es am Wochenende und im Hochsommer schlimmer. Das fand ich auch ganz gut, denn so konnte ich viel schönere Fotos schießen, die ganz touri-unverseucht sind. Die Grabhügel in diesem Park sind im Prinzip die Pyramiden Südostasiens: Man nehme einen toten Royal, packe ein paar hübsche Sachen fürs Nachleben dazu, baue einen riesigen Holzsarg um ihn herum, werfe eine Menge Steine darauf, bedecke das ganze mit viel Erde, und lasse Gras darüber wachsen. Fertig ist das Hügelgrab.
Ein Spätpubertärer könnte sie auch als "Brüste Sillas" bezeichnen.
Außer mir waren nur noch ein paar Japaner im Park, die am Kleidungsstil und an den Frisuren ganz gut zu erkennen waren. Ein Mädel, das sich in der Gruppe befand, fiel aber kräftig auf (siehe Bild). Sowas würde sich eine koreanische Frau niemals trauen. Dementsprechend wurde sie von einigen Koreanern auch angesehen

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Und dann sah ich noch supersüße Eichhörnchen. Nicht die braunen, die es dort auch gab, sondern viel hellere mit einem buschigeren und kürzeren Schwanz, der ständig hin und her wackelte.
Weiter gings zum Choemsoengdae, das um 650 erbaut wurde und das älteste Observatorium Asiens sein soll. Die 12 Grundsteine symbolisieren die Monate, die 30 Steinlagen die Monatstage, und insgesamt wurden 366 Steine für die Konstruktion verwendet. Wie das Teil genau benutzt wurde, weiß aber offenbar niemand so genau. Man nimmt an, die alten Silla-Wissenschaftler seien über eine Leiter durch das Fenster in das Innere gekrabbelt, um dann nach oben zu gehen und von dort die Sterne zu beobachten.
Aber warum? So hoch ist das Ding nun nicht, und die hätten ja auch von unten beobachten können. Oder?
Die nächste Station war die Anapji-Teichanlage, die von König Munmu als Abhäng-Garten für sich und sein Gefolge entwickelt wurde, um seine Vereinigung der 3 Königreiche zu feiern. Früher stand hier eine ausgedehnte Palastanlage um den Teich herum.
Bis jetzt sind allerdings nur drei der kleineren Gebäude restauriert worden. In diesem Park wurde ich von einer Koreanerin auf Koreanisch angesprochen, und ich merkte mal wieder, dass mir meine ausgiebigen Koreanisch-Studien nicht viel gebracht haben, wenns ums Verstehen und ums Sprechen geht. Nach einiger Zeit gab sie auf, denn ich bin ein totaler Loser, wenn es darum geht, herauszufinden, was die Leute eigentlich von mir wollen.
Bald darauf, ich spannte gerade ein wenig aus, hörte ich den typischen Klang eines Schweizer Dialekts und dachte zunächst, mich verhört zu haben. Ich erwartete ja schon, dass jetzt plötzlich eine Gruppe mit Schweizer Fähnchen um die Ecke käme, aber es waren nur 2 Jungs. Einer davon ursprünglich aus Köln, der andere aus der Schweiz. Beide arbeiteten in Taiwan und machten nun für ein paar Tage Hopplahopp-Urlaub in Südkorea. Sie arbeiteten im "Finanzsektor", sahen aber gar nicht danach aus. Hm. Interessant jedenfalls, hier mal mit jemandem zu sprechen, der mein Allemannisch versteht...
Ich ging weiter und befand mich plötzlich irgendwo außerhalb zwischen Reisfeldern in einer riesigen Ausgrabungsstätte. Von dort aus fand ich glücklicherweise dank Karte wieder den Weg zu einem Tempel, wo eine interessante Stein-Pagoda zu bewundern warn. Und ein Mönch, der über einen Souvenir-Shop wachte. Danach nahm mich ein freundlicher Einheimischer in seinem Auto mit zurück zum Hotel.
Er sprach ein ganz klein wenig Englisch (die wichtigsten Sachen wie "Good Bye", "Thank you" und die Zahlen haben hier fast alle drauf), und deshalb versuchten wirs wieder mal auf Koreanisch. Immerhin konnte ich dieses Mal ein paar Sätze zu ihm sagen, aber wie so oft verstand ich meistens seine Antworten und Fragen nicht, obwohl sie nicht komplizierter waren. Hätte ich sie gelesen, wäre wahrscheinlich alles kein Problem gewesen... hach ja.
Abends ging ich sehr weit und lange durch die Stadt und bewunderte die zahlreichen Geschäfte und die alten Frauen, die mit ihren schrecklichen Schildkappen auf den Straßen hockten und ihre Waren verkauften. Im Stadtzentrum (Gyeongju hat knapp 300.000 Einwohner) war es dann so ähnlich wie in Teilen Busans, doch viel los war wahrlich nicht. Die Restaurants in den Seitenstraßen waren alle ausgestorben, aber als ich mich traute, in eines hinein zu gehen, bekam ich trotzdem was zu essen. Hier ist es im übrigen sehr vorteilhaft, die koreanische Schrift lesen zu können, denn Menüauszeichnungen gibts nur manchmal zusätzlich in Englisch. Von den koreanischen Karten bestelle ich mir einfach irgendwas, und bisher hat alles super geschmeckt.
Bei diesem Gang durch die Stadt sah ich dann das wahrscheinlich verrückteste, was mir bisher begegnet ist. Etwa hundert Meter vor mir sah ich plötzlich eine riesige Rauchwolke durch die Straße ziehen. Ich dachte zunächst, da sei ein Haus abgebrannt, aber da es die Passanten offenbar nicht juckte, fand ich später heraus, wer der Verursacher war: Ein Transporter, auf dessen Ladefläche eine riesige Nebelmaschine, die einen Höllenlärm produzierte, angebracht war. Der fuhr durch die ganzen Seitenstraßen und ließ immer mal wieder einen Schwall Nebel ab. Total verrückt. Warum bloß? Desinfektion oder was? Ich stand auch mal in so einer Wolke und hoffe mal, dass nichts schlimmes darin war. Das Zeug roch ein wenig so wie der Nebel, der an Konzerten verwendet wird, von daher hoffe ich mal, dass ich keine dauerhafte Schädigung davon tragen werde. Die Anwohner kannten das offenbar, denn die machten einfach die Türen zu... Naja, vielleicht einfach nur ein Spinner, der gerne seine Umgebung vernebelt. Es soll ja alles geben.