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Samstag, 16. Juni 2007

Regen, Regen...

Geschrieben von Jens in Korea 2007 um 14:27
Soegwipo
...regen sie sich nicht auf? Mann, waren das vielleicht zwei verregnete, verwindete und verkältete Tage auf Jeju. Am Donnerstag fuhren wir mit dem Bus - da war es gut, Hye-Suk dabei zu haben, denn das Bussystem ist ziemlich kompliziert - zur anderen Seite der Insel, nach Soegwipo. Eigentlich hatten wir ja vor, Hallasan zu besteigen, den mit ca. 1950m höchsten Berg Koreas und Zentrum sowie Ursprung von Jeju. Und wir hatten vor, auf die nordöstlich gelegene kleinere Insel Udo zu fahren, die sehr schön sein soll. Doch daraus wurde nichts, denn es... regnete und windete und es war nicht warm.

Nach längerer Suche (das Mädel konnte sich nicht entscheiden und wähnte sich eine Zeitlang im Rotlichtbezirk, den ich aber nirgends entdecken konnte) fanden wir ein ordentliches Motel für 25.000 Won (ca. 20 Euro) pro Zimmer. Anders als in Europa zahlt man hier in Motels für die Zimmer und nicht für die Anzahl Personen. Einzelzimmer gibt es wahrscheinlich gar nicht.

Choenjihyeon-Wasserfall
Gegen Mittag brachen wir auf zum Choenjihyeon-Wasserfall, der direkt in Soegwipo liegt und daher leicht zu erreichen. Der war auch ganz nett, aber das Wetter war nun mal nicht so... ach, hatte ich das schon erwähnt? Jedenfalls war ich dort für einige junge Schülerinnen kurzzeitig viel populärer als dieser Wasserfall. Was juckt auch schon ein bißchen fallendes Wasser, wenn es einen echten Fremden für ein Foto zu bestaunen gibt...

Yakchoensa
Danach fuhren wir mit dem Bus weiter zum Yakcheonsa-Tempel, dem laut Reiseführer eindrucksvollsten Gebäude auf Jeju, zwar nicht alt (ca. 10-15 Jahre), aber sehr schön. Die buddhistische Halle ist riesig - und im zweiten Stock befinden sich hinter Glas 18.000 winzige Buddha-Figuren, die allesamt stimmungsvoll beleuchtet wurden. Das war das Highlight unseres Tages.

Buddha im Yakchoensa-Tempel
Denn danach gingen wir auch schon ins Bett. In den Noraebang (Karaoke) wollte sie nicht, ausgehen wollte sie nicht, ihre Freundin auf Jeju anrufen wollte sie nicht... also fertig. Seis drum. Dickkopf.

Am Freitag wollte sie dann plötzlich früher nach Hause fliegen, weil sie noch eine Wohnung suchen wollte für ihre beginnende Arbeit am Montag. Natürlich - hatte ich ihr ja schon vorher gesagt - waren alle Flüge so kurzfristig ausgebucht. Als sie wieder von ihrem Trip runter war, konnte ich sie dazu überreden, zu den Jusangjollidae-Klippen zu fahren.
Aus Lavastein geformte Klippen - blöder Regentropfen! Grmbl.
Die waren trotz Regen auch ganz schön. Und von ein paar jungen Schülerinnen bekam ich eine Mandarine geschenkt. Witzigerweise sind die einzigen Sätze, die alle gut können: "Hi!" - "Bye!" - "How are you?" - "Where are you from?" - "How old are you?" und "You are handsome" bzw. "You are pretty" (was durchaus mal verwechselt wird). Wenn eine kompliziertere Antwort kommt (wie mein "Too old for you"), ziehen sie sich zunächst mal zur Beratung zurück ;-).

Sanbangsan
Zum Hallasan konnten wir nicht fahren, denn schon von weitem war zu sehen, wie die Wolken dort abregneten. Bis ich dem Mädel das beigebracht hatte, verging aber ne Zeit. Und fuhren deshalb weiter zum Sanbanggulsa (San=Berg, Bang=Raum, Gul=Höhle, Sa=Tempel), einer vor langer Zeit von buddhistischen Mönchen zum Tempel umgeformten Höhle in einem heiligen Berg.
Sanbanggulsa: Höhlentempel
Die Buddhisten besteigen ihn deshalb nur bis zur Hälfte und niemals bis ganz oben. Ich bin dort auch mal hoch gegangen, habe mich vor Buddha verneigt und einen Schluck Heilwasser getrunken, das dort herabfließt.

Auf dem Rauchzeichenturm über Yongmeori
Eigentlich hätte man noch an der Yongmeori-Küstenlinie (Yong=Drache, Moeri=Kopf) entlang gehen können, diese war jedoch wegen schlechten Wetters gesperrt. Also sahen wir uns Hendrik Hamels Segelschiff-Replica an. Hamel war ein holländischer Seefahrer, der 1653 eigentlich nach Japan fahren wollte, etwas vom Kurs abkam und in Jeju strandete. Dort wurden er und seine Crew gefangen genommen und nach Seoul überführt. Zwar betrachtete sie der König nicht als Feinde, sondern nur als Gestrandete, aber es war damalige Politik, niemanden gehen zu lassen. Also mussten Hamel und seine Crew 13 Jahre lang in Korea leben, bis ihnen die Flucht nach Japan gelang.

Abends nahmen wir den Bus zurück und aßen Ogyeopsal in einem sehr lauten, sehr koreanischen Restaurant. Wieder mit Grills auf dem Tisch, aber ohne Abzug (den gibts nur bei Galbi - wobei ich einen großen Unterschied zu Ogyeopsal nicht erkennen konnte). Das Schweinefleisch, was die hier drauf packen, besteht allerdings fast zur Hälfte aus Fett. So gesund ist das dann auch nicht mehr. Am Abend bekam Hye-Suk Bauchschmerzen, und mir war auch nicht ganz wohl. Ob das jetzt an den chinesischen Nudeln mit schwarzer Sojabohnensoße am Mittag lag (wie Hye-Suk meinte) oder am Ogyeopsal? Egal...
Im Restaurant sah ich einen Jungen mit einem deutschen Fußballtrikot, auf dem in großen Lettern "KAISER" stand, und klein auf dem Ärmel die für deutsche Verhältnisse etwas unglückliche Bezeichnung "Der Führer"...

Jedenfalls gehts mir wieder gut. Heute Morgen fuhren wir zurück zum Flughafen und verabschiedeten uns voneinander. Plötzlich war die Nervosität zurück. Ab jetzt ganz alleine! Einerseits hatte ich mich total darauf gefreut, vor allem da das Reisen mit Hye-Suk in den letzten Tagen nicht unbedingt sehr erquickend war. Aber zum anderen fühlte ich nun plötzlich, auf was ich mich da eingelassen hatte. Nun konnte ich nicht mehr meine Begleitung bitten, mal eben den Busfahrer zu fragen - die, nebenbei bemerkt, wie in den meisten anderen Ländern auch die unfreundlichsten Gesellen sind im Transportwesen.

Busan
Aber als ich dann in Busan gelandet war und den richtigen Bus in die Stadt erwischt hatte, und ich dann auch noch nach langer Suche (2 Stunden oder so - irgendwann fand ich dank Kompass heraus, wie ich die Karte in meinem Reiseführer mit der Wirklichkeit übereinstimmte) ein günstiges Motel bezogen hatte (und das auch noch auf rein Koreanisch!), fühlte ich mich wieder besser.
Irgendwo in Busan
Ab sofort bin ich frei! Ich kann tun was ich will, kann essen was ich will, kann mir ansehen was ich will, kann stundenlang im PC Bang hocken wenn ich will (wie jetzt gerade)... hach ja. Schön!

Busan vom Busan Tower
Da ich erst gegen halb Vier (mein Flug hatte auch noch Verspätung) im Motel war, konnte ich natürlich nicht mehr viel tun. Immerhin ist das Wetter besser als in Jeju, auch wenn es jetzt am Abend stürmisch wird. Ich ging ein wenig durch den Straßen und fuhr den Busan Tower hinauf, um einen Blick über die zweitgrößte Stadt Südkoreas zu erhaschen (mit "nur" 4 Mio. Einwohnern).
Hier scheint es auch viel mehr Fremde zu geben als in anderen Teilen Koreas (ich hab am Nachmittag sicher über 30 "Weiße" gesehen), unter anderem auch viele Japaner (Sechs davon bei einem seltsamen Fotoshooting mit einem nicht mal hübschen Model an einem nicht mal hübschen Ort).
Fotoshooting?
Ich werde auch nicht mehr angesehen oder von Schülern angesprochen.

Aber ganz so dann auch wieder nicht: Waren es bisher die jungen Schüler, die es toll fanden, mit mir zu sprechen, so sind es jetzt plötzlich ältere Koreaner. Als ich mir eine Breakdance-Vorführung auf dem Platz vor dem Busan Tower ansah, kam ein 63jähriger Koreaner zu mir und verwickelte mich in ein Gespräch auf Englisch - dabei war seines ziemlich schwer verständlich. Als ich mich dann von ihm losgerissen hatte und en Berg hinunter ging, kam wieder einer auf mich zu und fragte, ob ich Europäer sei. Und dann sprachen wir auf Englisch - seins war deutlich besser - für gut 15 Minuten. Und er wäre noch mit mir essen gegangen, wenn er noch Hunger gehabt hätte.

Welcher darfs denn sein? Außenseite eines Restaurants
Der Reiseführer klärt diese Sache vielleicht auf: Einige dieser Typen sind oder waren Englischlehrer und versuchen nun, ihre Kenntnisse nicht ganz verrosten zu lassen, indem sie irgendwelche Fremde ansprechen. Mit wem sollten sie sonst auch Englisch reden? Und tatsächlich war der eine Herr eine Zeit lang Englischlehrer gewesen. Sachen gibts. Er meinte zu mir, er wolle eigentlich nach Japan gehen, traue sich aber nicht, weil er kein Japanisch könne und allein reisen müsste. Und er bewundere daher die Leute, die das tun. Hach ja.

Mal sehen, was mir morgen so passiert. Danke für eure Kommentare! :-)

Der Hitzeschild - Schlimmere Ausprägung
P.S. Die peinlichste koreanische Modeerscheinung hatte ich noch gar nicht erwähnt. Ich nenne sie "Hitzeschild". Eine Schildkappe, die man an die Stirn klemmt. Hauptsächlich von mittelalten bis sehr alten Frauen getragen. Sieht man überall! Oft scheint der Grundsatz zu gelten: Je älter die Frau, desto größer der Hitzeschild. Und manchmal, wie auf diesem Bild, sieht man darunter gar kein Gesicht mehr.

P.S. 2: 6 Stunden Zocken oder Surfen im PC Bang für 5 Euro. Könnte man in Deutschland auch mal einführen, oder?

P.S. 3: Die Bilder zum letzten Eintrag habe ich nachgepflegt.
Kommentare (5)
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...weitere Kommentare findest Du natürlich nach Deiner Rückkehr in der POINTS.847. Oder Du pollst gleich über FoIP mit den in der eMail angegebenen Daten. :-)

Gruss, Michael.
2:2432/203
#1 Michael Kleerbaum am 16.06.2007 17:51 (Antwort)
Hallo Brüderle,

na das hört sich ja richtig spannend an bis jetzt.Habs jetzt auch endlich mal geschafft alles durchzulesen :-)
Wünsch dir ganz viel Glück und Spaß bei Deiner alleinigen Weiterreise. Liebe Grüße
#2 Katja am 16.06.2007 19:17 (Antwort)
Hi Jens,

wollte dir nur sagen, dass ich deine Einträge richtig spannend finde und immer mit großer Neugier auf die nächsten warte...;o) Viel Erfolg für deinen Alleingang...du packst das schon...

es grüßt dich
Cri
#3 Cri am 17.06.2007 15:31 (Antwort)
Hi Jens.

Diese Schildkappen sind ja echt der Hammer.
Die gabs früher bei uns auch schon (also so in den späten 70ern.
Allerdings nie so groß und schimmernd.

Gruss,
Oli
#4 Svoob am 18.06.2007 13:12 (Antwort)
Diese Kappen gibts in den unterschiedlichsten Ausprägungen und Größen. Manchmal tragen die Damen noch ein zusätzliches Tuch um den Kopf herum, sodass ihr Gesicht kaum mehr zu sehen ist...
#4.1 Jens am 18.06.2007 13:40 (Antwort)

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