Jens isst Fischsuppe

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Montag, 11. Juni 2007

Jens isst Fischsuppe

Geschrieben von Jens in Korea 2007 um 16:53
Am Sonntag hatten wir eigentlich geplant, mit Hye-Suks Freundin zur Ewha-Frauenuniversität zu fahren, wo die beiden studiert hatten. Dort wollte mir diese Freundin traditionelles koreanisches Trommeln beibringen. Dummerweise rief sie morgens an und sagte, sie sei eine Treppe herunter gefallen. Damit war die Sache abgeblasen.

Lebender Tintenfisch auf dem Markt in Incheon
Nachdem wir einen Flug nach Jeju gebucht hatten, gingen wir auf den traditionellen Markt in Incheon, um ein paar Sachen zum Essen zu kaufen. Dort gab es die übelsten Dinge, vom lebenden Tintenfisch bis hin zum Hundefleisch. Als ich die Tintenfische fotografierte, fragte der Händler, ob ich das Bild ins Internet stellen wolle. Ja, tja... ja. Sowas sieht ein Deutscher ja nicht jeden Tag.

Seoul vom Namsan Tower
Mittags gingen wir dann zum Namsan, ein Berg - oder Hügel - in Seoul. Dort konnte man ein traditionelles koreanisches Dorf besichtigen und sich ansehen, wie die (in diesem Fall) mächtigeren Personen gelebt haben. Mit der Seilbahn fuhren wir dann hoch zum Namsan Tower, von dem aus man einen tollen Blick über Seoul hatte - leider nur von hinterm Glas. Es war schon beeindruckend zu sehen, wie sich diese Stadt zu allen Richtungen endlos weit ausbreitet. 10 Millionen Menschen in der drittgrößten Stadt der Welt müssen ja irgendwo sein.

Das Wetter hier in Korea hatte ich wohl doch ein bißchen unterschätzt. Die letzten 2 Tage war es extrem warm hier, sicher rund 30 Grad bei wenig Wind. Das Gehen fiel mir aber weniger schwer als Hye-Suk, die zur Zeit keine Energie zu haben scheint, und zudem leider in einer etwas seltsamen Stimmung ist, weil sie in ein paar Tagen anfangen muss zu arbeiten.

Am Namsan-Tower wurde ich wieder mal interviewt, aber diesmal von einem kleinen Jungen, der zu meiner Überraschung ein wahnsinnig gutes Englisch sprach, auch wenn ich ihm noch ein paar Worte diktieren musste. Beeindruckend.

Interview


Am Abend gingen wir zum Cheongyeocheon, einem renaturierten alten Flussbett im zentralen Seoul, das damals eine Straße war (die man über den Fluß gebaut hatte) und von 2003-2005 zu einer Entspannungszone für die Städter umgebaut wurde. Und das ist denen auch wirklich gelungen.
Choengyechoen
Knapp 3 km weit zieht sich diese Rinne, in der junge koreanische Paare ihre Füße ins Wasser strecken, Händchen halten und die farbenfrohen Lichtspiele im Wasser beobachten. Menschen, die sich küssen, habe ich bisher jedoch noch nicht gesehen. Das ist bei aller Moderne noch immer etwas, was als unangebracht gilt.

Hye-Suk bricht mir auf dem Heimweg fast zusammen, während ich zur Zeit vor Energie nur so zu strotzen scheine. Vielleicht ist es ja das Essen, wer weiß. Ich hab mich sofort an die Zeitumstellung gewöhnt und kann tagsüber umher wandern und nachts ganz gut schlafen. Und um nochmal aufs Essen zurück zu kommen: Langsam wird mir das unheimlich. Ich habe nämlich bisher noch (fast) nichts gegessen, was mir überhaupt nicht geschmeckt hat. Das ist schon übel, wenn ich bedenke, was mir beim deutschen Essen alles nicht schmeckt. Heute ist mir das besonders aufgefallen, weil wir Fischsuppe gegessen haben. Ich hatte schon Angst, als da der Fisch von Kopf bis Flosse in meinem Teller lag, aber das Ding hatte überhaupt keinen typischen Fischgeschmack. Möglicherweise lag es daran, dass er sehr frisch war (war gerade erst im See gefangen worden), oder daran, dass die Suppe sehr scharf gewürzt war und dies alle anderen Geschmäcker überdeckte. Ich hab sogar diese roten Krabbelviecher mit den schwarzen Punktaugen gegessen (waren wohl sehr kleine Garnelen). Übel übel... aber es war wirklich gut, auch wenn die Sache mit den Gräten tödlich hätte enden können.

Auf dem Weg zur Insel Nami
Heute (Montag) wollte ich eigentlich zu den Seoul Film Studios, wo einige große koreanische Filme gedreht wurden. Auch gibt es dort mehrere riesige Outdoor-Sets, die man besichtigen kann und die ich schon aus Filmen kenne. Der Ort befindet sich aber etwa 2 Stunden außerhalb von Seoul und ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur eingeschränkt zu erreichen. Da wir morgens zu sehr getrödelt haben, war daran gar nicht mehr zu denken. Aber Hye-Suk organisierte ihre Mutter, die sich bereit erklärte, mit uns da hin zu fahren. Mitten ins ländliche Korea. Wir waren ziemlich lange unterwegs, und als wir dann endlich ankamen, war... Ruhetag. Ich hätte schreien können!

Aber wir fuhren nicht etwa nach Hause, sondern fuhren zu einem See, in dem sich die kleine Insel Nami-Seom (Seom=Insel) befindet. Dies schien ein beliebtes Ausflugsziel für Koreaner zu sein, denn wir waren alles andere als allein. Die Insel war sehr schön, und es war entspannend, dort zu wandern. Dort war es auch, wo ich zum ersten Mal ein asiatisches Sitzklo entdeckt - aber nicht benutzt - habe.

Blick von Nami-Seom


Die erste Hocktoilette auf meinem Trip


Die koreanische Heidi (rechts) vor Heidis Hütte


Danach gingen wir die bereits erwähnte Fischsuppe essen. An einem Ort, von dem ich nicht gedacht hätte, er könnte ein Restaurant sein. Hier gab es kleine Häuschen, in denen sich jeweils ein Esstisch befand. Dort war man dann unter sich. Eine sehr schöne Idee, wie ich finde. Noch schöner war, dass ich eingeladen wurde. Diese Zeiten werden jetzt dann vorbei sein.

Restaurant mit Ess-Häuschen


Fischsuppe


Wenn man nachts über die Highways fährt, sieht man überall rote Neonkreuze herumhängen, auf den Dächern von christlichen Kirchen. Rote Neonkreuze! Und darunter dann der Name der Kirche in Leuchtbuchstaben. Die Kirchen selbst sind teilweise europäisch gebaut mit dem typischen Turm, oder befinden sich einfach in irgendeinem Gebäude. Als wir einmal durch Seoul liefen, hörten wir von weitem plötzlich zwei Männer, die auf der Straße herum schrieen, so laut wie sie nur konnten. Laut Hye-Suk waren das ebenfalls Christen. Diese verfolgen in Korea wohl eine extreme Missionspolitik, die allerdings (wie ich anderweitig bereits las) hauptsächlich auf der Himmel-Hölle-Einschüchterung beruht...

Christen in Korea: Rote Neonkreuze (hier nicht gut zu sehen)
Morgen gehts dann mit dem Flugzeug nach Jeju, wo wir bis zum Samstag bleiben werden. Ich hoffe mal, dass Hye-Suk vorher noch etwas Energie tankt, sonst werden wir nicht viel von dieser Insel sehen... Meine Einträge hier werden dann vermutlich kleiner ausfallen, da ich sie dann in einem Internet-Cafe schreiben muss.

Kommentare (2)
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Kommentare
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Hi Jens,

ich lese mit Begeisterung Deine Berichte!
Ein Schmunzeln entlockte mir die Tatsache, dass Du "plötzlich" so energiegeladen zu sein scheinst. g Am besten bringst Du Dir eine Tonne von diesem koreanischen Wundermittel (Reis?!) mit nach Deutschland, damit Du im Anschluss an Deine Reise hier nicht wieder sofort total abschlaffst! lol
#1 Frapela am 11.06.2007 18:00 (Antwort)
Hi Jens

Du erlebst dort ja so einiges.
Meine Mum und ich verfolgen deine Berichte aus Südkorea mit Spannung.

Gruss aus Lörrach,
Oli
#2 Svoob am 11.06.2007 20:06 (Antwort)

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