Ich gebe zu, dass mir das am-Boden-schlafen nicht so recht gelingen mag. Da ich gern auf der Seite schlafe, beschwert sich mein Hüftknochen, weil er plötzlich auf was hartem liegt. Dennoch bin ich am Samstag früh aufgewacht - nicht, weil ich wach war, sondern weil die Sonne bereits um Sechs ins Zimmer strahlte. Keine Vorhänge sei dank. Am Sonntag ging das immerhin etwas besser, vielleicht gewöhne ich mich also noch daran.
Das koreanische Frühstück, was dann serviert wurde, hat mich etwas umgehaugen. Ich esse ja normalerweise nur ein Stück Brot und trinke zwei Tassen Kaffee. Und hier... unterscheidet sich das nicht sonderlich vom Mittag- oder Abendessen. Nur gibt es morgens meistens noch kein Fleisch dazu. Die Koreaner essen 3x am Tag riesige Portionen unterschiedlichster Gerichte. Immer warmes Essen. Immer Gemüse, immer Reis, immer Kimchi, sehr oft diverse Suppen, oft Fleisch in diversen Varianten. Wenn das Zeug nicht so fettfrei wäre, müssten die Koreaner aussehen wie Amerikaner. Aber hier hört man immer nur ?? ?? (moekgo, mokgeo: Iss, iss!). Und kriegt dann mehrmals täglich - und die Koreaner glauben daran - gesagt, wie gesund das Essen sei. Die Suppe, die ich heute aß, sei zum Beispiel gut gegen Krebs. Und der Rest ist einfach alles "good for health". Nichtsdestotrotz: Ich mag das Essen. Echt und wirklich. Das meiste Zeug, was ich bisher hatte, war außerordentlich gut. Ich vermisse (noch) nichts von zu Hause. Und mit den Stäbchen - die in Korea übrigens ausnahmslos aus Metall sind - komme ich mittlerweile auch ganz gut klar.
Am Samstag haben wir uns zwei schöne Paläste in Seoul angesehen. Doksoegung (klein) und Gyeoungbokgung (groß). Bei ersterem bekamen wir noch die Wachablösung mit, die in den traditionellen farbenfrohen Gewändern durchgeführt wurde. Sehr schön. Die Paläste an sich sind auch sehr beeindruckend, auch im Kontrast zur modernen Stadt im Hintergrund.
Im Gyeoungbokgung-Palast wurde ich von einer koreanischen Schülergruppe angesprochen, die ein Interview mit mir durchführen wollten. Mussten sie von der Schule aus. Als ich sagte, dass ich aus Deutschland käme, sagten die (ohne Witz) aus einem Rohr "Woah!", und als ich dann noch sagte, dass ich Computerprogrammierer- und Administrator sei, kam nochmal ein "Woah". Ein drittes überraschtes "Woah" erntete ich, als ich erzählte, dass ich wegen einem koreanischen Film nun hier in Korea sei. Der eigentliche Interviewteil drehte sich um meine Meinung zum Homeshopping übers Internet. Danach machten die ein Foto von mir, ich machte noch eins von ihnen, und einer von ihnen ließ es sich nicht nehmen, mir ganz stolz die Hand zu schütteln. Als ich mit Hye-Suk dann weiter ging, und später nochmal an der Gruppe vorbei, wurde ich dauernd von der Gruppe angesehen, als wäre ich so ne Art Trophäe. Sehr seltsam, aber auch sehr lustig. Was ähnliches ist mir zumindest noch nie passiert
Für mich sind es meist die kleinen Dinge, die anders oder ungewohnt sind und meine Aufmerksamkeit dadurch erregen. Für heute sei das ein seltsames Ding, was mir an den meisten größeren Wagen an der Rückscheibe aufgefallen war. Ich fand heraus, dass dies ein "Sicherheitsspiegel" ist, mit dem man quasi von innen (durch den Rückspiegel) nach außen (durch die Heckscheibe) wieder nach innen (über den Sicherheitsspiegel) blicken kann, um damit seine Ladung oder die Kinder auf der hinteren Rückbank besser beobachten zu können. Was mir dabei aber nicht so recht in den Kopf geht ist, warum dieser Spiegel außen und nicht einfach innen positioniert ist. Da draußen sieht er erstens hässlich aus und zweitens wird er ständig verdreckt. Hm.
Die zweite interessante Sache sind zusätzliche Glaswände mit Automatiktüren, die an ein paar wenigen Seouler U-Bahn-Stationen vor dem Gleisbett angebracht sind, vielleicht aus Sicherheitsgründen. Sowas ähnliches habe ich in Europa noch nirgends gesehen.
Am Samstag-Nachmittag gingen wir durch das sehr belebte Künstlerviertel Insadong, das mit seinen kleinen Gässchen, den vielen kleinen Läden und Verkaufsständen ein wenig so ist wie das alte Korea. Nur waren es damals vermutlich nicht so viele Menschen. Sonderlich wohl fühlte ich mich da nicht. Zumindest sah ich dort recht viele Nicht-Koreaner. Ich schätze, dass ungefähr 1-2% der Leute keine Asiaten waren. Das ist viel, zum Beispiel verglichen mit Incheon, wo ich bisher noch einen einzigen Ausländer außer mir gesehen habe. Ich könnte mich eigentlich fremd und unbehaglich fühlen, aber irgendwie taucht dieses Gefühl nicht auf. Manche Leute sehen mich kurz an, aber die meisten juckts zum Glück nicht. Ein paar Kinder sagen manchmal "Hi", wenn sie mich sehen, und "Bye", wenn ich an ihnen vorbei gehe.
Nach dem Essen von Bibimbap (Reis mit verschiedenstem Gemüse vermixt - sehr gut!) kamen wir noch an einer Taekyoung-Aufführung vorbei, einem dem Taekwando wohl ähnlichem Kampfsport. Das war sehr gut und auch beeindruckend.
Am Abend fuhr uns Hye-Suks Vater auf irgendeinen Berg über Seoul zu einem buddhistischen Tempel, in dem er selbst ab und zu irgendeinen Dienst verrichtet. Wir nahmen uns eine Matte, verneigten uns ein paar Mal vor Buddha, und als wir dann fast ganz alleine in einem großen dunklen Raum waren, kam eine sehr alte Frau auf mich zu und wollte mir was geben. Ich dachte ich nehme da lieber nix, vielleicht will die nachher Almosen oder sowas (jaja, deutsche Vorsichts-Denkweise, übel, übel), doch dann sagte sie was zu Hye-Suks Papa, und ich konnte mein Geschenk entgegen nehmen. Eine Packung mit von ihr selbst gemachtem Reiskuchen. "Gut für die Gesundheit und Stärke" natürlich. Ein paar Mal verneigt, gelächelt, verabschiedet. Sehr nett. Nur gegessen habe ich das Zeug noch nicht. Es gab bisher keine Minute, in der ich zumindest etwas Hunger litt. Kaum fängt das Gefühl an, gibts schon wieder Essen. Und dann so viel, dass ich immer einige Sachen stehen lassen muss. Ist aber nicht so tragisch, weil koreanisches Essen eine Gemeinschaftssache ist. Man stellt die Schälchen auf dem Tisch und jeder nimmt sich davon, wie es ihm beliebt. Nix mit strikter Auftrennung in "dein Teller, mein Teller". Hat was.
Nachdem wir im Tempel noch den dicken Bauch von diesem Steinmann gestreichelt hatten (was Glück bringen soll), fuhren wir in ein großes Galbi-Restaurant. Ich habe leider kein Bild, aber das reiche ich noch nach, denn es war sehr interessant. Zum einen saßen wir auf dem Boden vor einem etwas höheren Tisch, in dessen Mitte ein Trog eingelassen war. Dann kam eine Bedienung und legte heiße Kohlen hinein und einen Rost darauf. An der Decke verliefen Rohre, und über jedem Tisch hing ein bewegliches Rohr von oben herab, das ein paar Zentimeter über dem Grill positioniert wurde und den Rauch absaugte. Das Schweinefleisch wurde dann am Tisch gegrillt, mit der Schere zerschnitten und dann direkt gegessen. Eine etwas direktere Art des deutschen Grillerlebnisses.
Die Koreaner sind nicht wirklich nett zu den Kellnern, und diese haben alle Hände voll zu tun, alle Wünsche möglichst schnell zu erfüllen. Lange gewartet wird da nicht. Wenn einer in Sichtweite ist, wird gleich gerufen. Und wenn er nicht spurt, geht man ihm auch mal hinterher. Man muss auch nie lange warten, bis das Essen kommt, höchstens ein paar Minuten. Nicht wie bei uns, wo man nach dem Rufen einer Bedienung oder dem Anfordern der Rechnung noch ewig warten kann.
Über den Sonntag schreibe ich vielleicht morgen. Der Computer hier ist sehr lahm und nun bin ich sehr müde (es ist gerade 0:30 Uhr). Ich hoffe, euch gehts (auch noch) gut