20 Tage, 05.-24.10.2006
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Samstag, 21. Oktober

Als wir aufgestanden und uns fertig gemacht haben, war es schon gegen Neun. Wir gingen frühstücken und packten dann unser Gepäck für den vereinbarten Hotelwechsel. Da ich dem dicken Mafiaboss immer noch nicht über den Weg traute, packte ich einen Teil meiner Wertsachen an einen anderen Ort. Ich hatte wirklich keine Lust, mich von dem in seinem Privatwagen irgendwohin fahren zu lassen. Der hätte uns überall ausladen können (oder eben auch nicht).

Wie sich in der winzigen Lobby herausstellte, waren wir nicht die einzigen. Ein anderer Gast fragte mich, ob wir auch das Hotel wechseln mussten. Ich sprach mit dem Boss und fragte ihn, nachdem er mir den Weg erklärt hatte (sein Auto sei erst in 20 Minuten "startklar"), warum er die ganzen Gäste verteilte. Er meinte, es habe sich eine deutsche Reisegruppe mit 40 Personen angemeldet. Und die hätten kurzfristig diese Reservierung auf 60 Personen erhöht. "Normally the Germans are very organized, but these ones are not", sagte er verbittert. Klar, dass er die Gruppe nicht auseinander reißen konnte. Aber auch blöd für die anderen Gäste, die das Hotel wechseln mussten. Mir selbst war es noch relativ egal, solange das Bett im anderen Hotel nur gleich bequem sein würde.

Und das war es dann auch. Das Zimmer lag im vierten Stock, und der Lift war zwar für 3 Personen ausgelegt, doch seine Grundfläche betrug nicht mal einen Quadratmeter, und wir hatten Mühe, mit je einer Tasche genügend Platz zu lassen, damit sich die Tür schließen konnte. Der kleinste Aufzug meines Lebens!

Zwar war das Bett okay, der Raum war jedoch nicht ganz so schön wie der im anderen Hotel. Aber für 30 Euro pro Person immer noch extrem gut. Und das in einer großen Stadt wie Paris. Da sollten sich die Londoner mal ein Beispiel nehmen. Und die Münchner auch.

Nach einer kurzen Ruhepause fuhren wir in die Stadt. Das Metro-Netz in Paris erwies sich als sehr gut, nie musste man weit gehen bis zur nächsten Station (in London war dies teilweise anders), und auch die Orientierung war kein Problem. So hielten wir also wenig später im Untergrund des Louvre. Ein Gebäude, das ich mir soooo riesig nicht vorgestellt hatte.

Doch zunächst gingen wir in Richtung der Seine, ohne genau zu wissen, was wir uns anschauen wollten. Der Eiffelturm wirkte von diesem Punkt aus kaum beeindruckend:

Und bei den Länderflaggen hatten die Franzosen die Farben vergessen:

An den Louvre-Gebäuden...

...und der Louvre-Tiefgarage vorbei...

...gingen wir und fanden die Seine, wo Hye-Suk beschloss, dass wir Bootchen fahren sollten. Gut. Nur wo hielten die Dinger? Und mit welchen konnte man fahren, ohne arm zu werden?

Wir sahen auch ein paar Flussbewohner, bei denen ich mir nicht sicher war, ob es sich um Obdachlose oder um Backpacker handelte. Der erste in der Reihe hatte sich jedenfalls auf einen längeren Aufenthalt eingerichtet und gehörte demnach wohl zur ersten Gruppe.

Irgendwann fanden wir dann endlich ein Boot, mit dem man für 10 Euro oder so pro Tag beliebig oft von einem Punkt zum nächsten fahren durfte. Wir entschieden uns, zunächst bei Notre Dame auf dem Seine-Inselchen auszusteigen.

Diese Kirche fand ich von der äußeren Architektur her schon sehr beeindruckend. Nur kann ich mir keinen Reim darauf machen, warum das christlich sein sollte. Eigentlich wirkte alles extrem gespenstisch, dunkel und chaotisch.

Nachdem wir eine Weile einer französischen Tröt-Tröt-Band zugehört hatten...

...gingen wir um Notre Dame herum und fanden zahlreiche Stellen, die noch viel interessanter aussahen als die eher langweilige Vorderseite.

An den zahlreichen Ständen mit alten Büchern und hunderten Postkarten kauften wir nichts. Hye-Suk machte stattdessen ein Foto.

An der Treppe zur Bootshaltestelle stand eine ältere Frau mit einem riesigen Fotoapparat, die jeden vorbei gehenden Touristen ansprach, jedoch nicht einen einzigen Kunden fand. So konnte das Digitalkamera-Zeitalter eben auch Arbeitsplätze vernichten.

Mit dem Bootle...

...fuhren wir zurück zum Louvre:

In der Glaspyramide, von der ich zuletzt in "Sakrileg" gelesen und die ich im Kino in "DaVinci Code" gesehen hatte, fand eine Taschenkontrolle statt. Dann ging es mit der Rolltreppe hinunter in die zentrale Louvre-Lobby.

An einem der Automaten kauften wir uns eine Eintrittskarte und schritten dann durch die Galerie der italienischen Meister. Es waren zwar einige interessante Gemälde dabei, doch Hye-Suk musste sich die meisten genauer ansehen, was ich sehr langweilig fand. Und irgendwann standen wir dann in dem Raum, wo Mona Lisa hing. Mittendrin, hinter Panzerglas. Ein winziger Rahmen. Davor zwei Museumswächter, die immer wieder (auch handgreiflich) einschreiten mussten, wenn sich Besucher über das Fotografierverbot hinwegsetzten (was ca. alle 10 sekunden geschah), und eine Menge Menschen. Ein paar Minuten lang sah ich Lisa in die Augen und fragte mich tatsächlich irgendwann, wieso sie eigentlich zu lächeln schien, obwohl sie gar nicht lächelte, wenn man das Bild objektiv betrachtete.

Bald darauf wurden die Meister moderner, und ich fragte mich bei einem ziemlich ominösen Schwarzweißfilm von Samuel Beckett (der mit dem Warten auf Godot), warum bestimmte Dinge zu Kunst wurden, wohingegen sie unter anderen Umständen eher in der Mülltonne der Geschichte gelandet wären. Auch verstand ich nicht, was an 10x10 cm großen, extrem verwaschenen Fotografien von im Schlamm steckenden nackten Frauen so kunstvoll sein sollte. Doch natürlich verstand ich davon auch nichts, weshalb ich Hye-Suk letztlich fragte, ob wir uns nicht die ägyptische Ausstellung ansehen wollten.

Also taten wir dies. Zwar kannte man schon das meiste, und überhaupt war alles hier so extrem riesig und endlos, dass wir uns nach wenigen Räumen schon lustlos dahin schleppten, und irgendwann beschlossen, wieder ins Hotel zurück zu gehen, bzw. davor noch was zu essen.

Obwohl Hye-Suk nicht so Lust darauf hatte, ich dagegen umso mehr (schon allein wegen der Preise), gingen wir in ein italienisches Restaurant und bestellten Pasta und Pizza. Am Nebentisch saß eine Frau mit blonden, extrem kurzen Haaren zusammen mit ihrem Freund, Lover oder Mann. Sie sprachen irgendeine nordische Sprache. Holländisch wars nicht, aber vielleicht Dänisch. Jedenfalls hatte nicht nur ich das Gefühl, dass uns die Frau mehrmals ansah und sich dann mit ihrem Typ leise über uns unterhielt. Ich dachte auch, einmal das Wort "Asian" (oder so) heraus zu hören. Ich fragte mich, warum sie das tat. Immerhin waren wir ganz normale Menschen. Vielleicht regte sie sich darüber auf, dass wir unsere Teller in die Mitte stellten und jeder von beiden aß. Oder dass wir die Pizza in handliche Teile schnitten und sie in die Hände nahmen. Dabei war dies mit Sicherheit kein vornehmes Restaurant, in dem so etwas verpönt gewesen wäre. Jedoch, bei den Franzosen weiß man ja nie...

Das Essen war zwar in Ordnung, aber die Bedienung war sehr unfreundlich und hektisch, und das Gefühl war aufgrund dieser seltsamen Tischnachbarn nicht das beste gewesen. Wir waren froh, als wir wieder im Hotel waren. Dort war ich froh, mich mit Hye-Suk wieder unterhalten zu können. Sie hatte gleich vermutet, die Frau könnte vielleicht rassistisch gewesen sein, woraufhin ich entgegnete, dass sie dann ein schweres Leben in Paris gehabt hätte, wo sicherlich 30% der Bevölkerung eine schwarze Hautfarbe hatte. So unterhielten wir uns über einige Dinge, bis ihr einfiel, dass sie Durst hatte. Und nicht auf Wasser. Also bot ich ihr an, ihr was zu besorgen.

Was sich, es war Samstag Abend nach acht Uhr, natürlich als schwierig herausstellte, weil alle Geschäfte geschlossen hatten. Dennoch konnte ich an einem Verkaufsstand auf der Straße eine Dose Fanta erwerben. Diese leerte Hye-Suk mit Freude in sich hinein, als hätte ihr Körper geschrieen: Ich brauche Energie, gib mir Fanta, gib mir Fruchtsaft, gib mir irgendwas!

Mittlerweile mochte ich Hye-Suk wirklich sehr, vor allem, wenn wir unter uns waren. Viel zu schade, dass sie in 2 Tagen schon wieder zurück nach Korea fliegen würde...


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