20 Tage, 05.-24.10.2006
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Montag, 16. Oktober

Morgens rafften uns langsam auf und beschlossen, auf das Duschen zu verzichten und gleich frühstücken zu gehen, damit wir zeitig zum Schloss und mittags auch wieder nach Hause kamen. Denn am nächsten Tag sollte es ja schon nach London gehen.

In der Speiseraum des Bauernhauses erwartete uns dann auch ein wirklich gutes und reichhaltiges Frühstück. Und auch einen echten Original-Bayer konnten wir erleben, als der Hausherr in seinen dreckigen Lederhosen in der Tür stand und in breitestem Dialekt fragte, wo wir her kämen. Wäre ich nicht aus dem Süden Deutschlands gewesen, ich hätte den Mann wahrscheinlich nicht verstanden.

Wir fuhren zum Schloss und buchten eine Besichtigungstour, die in zwei Stunden starten sollte. Wir hatten also genügend Zeit, über den Waldweg hinauf zu wandern. Das war für Hye-Suk recht anstrengend...

...aber leider auch für mich, weil meine Schmerzen immer noch nicht besser waren als am Tag zuvor. Und dabei hatte ich die ganze Nacht über absolut nichts davon gespürt. Es trat nur beim Gehen auf, und da so stark, dass ich immer wieder versuchte, meinen Slip und damit die Hoden näher an den Körper zu ziehen, was die Schmerzen etwas erträglicher machte, aber natürlich auf Betrachter etwas sonderbar wirken konnte.

Dennoch, ich versuchte, mich da hindurch zu kämpfen.

Auf dem Weg kamen uns viele Menschen entgegen, 60-70% davon waren Japaner. Das waren die frühesten auf dem Berg. Darunter auch viele junge und extrem hübsche Mädchen, von denen mich manche auf eine bestimmte Weise aus ihren chirurgisch vergrößerten Augen ansahen, dass mir für einen kurzen Moment ganz anders wurde... waaah! Schnell, schnell, rauf zum Schloss. Die meisten waren zum Glück nur Durchschnitt, aber ich bemerkte mal wieder, dass ich offenbar eine Schwäche für asiatische Frauen hatte ;-). Und überhaupt, ich hatte ja "mein Mädchen" dabei, sodass ich mich gar unwohl fühlte, wenn ich die Japanerinnen betrachtete, die allesamt kleiner waren als Hye-Suk (die mit 1,68m in Korea auch zu den größeren Frauen gehörte).

Es war ein nebliger Tag, und ich war froh, dass ich das Schloss tags zuvor noch fotografiert hatte. Denn heute konnten nur graue Bilder gelingen. Und vom Ausblick ins Tal war nichts zu sehen außer einer weißlichen Suppe, die irgendwo gegen Bäume stieß.

Im Schlosshof des architektonisch extrem interessanten und liebevoll gestalteten Gebäudes warteten wir darauf, dass unsere Nummer auf einer der Anzeigetafeln erschien. Bis dahin versuchte ich, meine Schmerzen hinunter zu schlucken, und ein paar Fotos zu machen.

Die englischsprachige Führung wurde schließlich von einer jungen deutschen Frau geleitet, die Hye-Suk nur spärlich verstand. Außerdem wirkte sie genervt und man merkte ihr an, dass sie froh war, wenn der Tag vorbei sein würde. Sie lotste uns durch zahlreiche sehr schön und kraftvoll verzierte Räume, und es erschien mir wie maßlose Verschwendung, dass der gute König nur rund 100 Tage seines Lebens in diesem Schloss verbracht hatte.

Dennoch war ich wegen meiner Schmerzen froh, als die Führung endlich vorbei war. Fotografieren durfte man ja leider nicht, weil man gegen Ende nur durch den Souvenirshop zum Ausgang gelangte.

Als wir endlich wieder unten waren, war ich glücklich, im Auto sitzen zu können. Dort rief ich die Auskunft an, die mir die Nummern von zwei Urologen in meinem Heimatort gab. Ich vereinbarte einen Termin auf den Abend, und hoffte, dass ich bis dort eingetroffen sein würde.

Auf der Fahrt unterhielten uns uns über viele Dinge, unter anderem darüber, wie Beziehungen in Korea normalerweise abliefen. "Normalerweise" bedeutet die Art, wie die ältere Generation, die noch die Gesellschaft definiert, dies gerne hätte. Und da sei es so, dass junge Frauen normalerweise ihre ersten partnerschaftlichen Erfahrungen machen, nachdem sie verheiratet sind. Zumindest offiziell.

Hye-Suks Situation allerdings ist in der Tat extrem. Sie war nur auf Frauenschulen und einer Frauen-Universität, außerdem ist ihr Freundeskreis ausschließlich weiblich. Und von ihren Freundinnen hatte bisher erst eine einen Freund, und diese eine sprach nicht darüber.

Da ich aber schon diverse Filme gesehen hatte, wusste ich, dass die Jugend sich nicht wirklich darum kümmert, was von ihnen erwartet wird, auch nicht in Korea. Es ist nur so, dass niemand über das Thema redet und somit jeder glauben könnte, der oder die hätte noch keinerlei Erfahrungen dieser Art gemacht. Zudem dürfte die Situation an gemischten Schulen auch anders sein.

Wir unterhielten uns über überraschend viele Dinge, u.a. über Schönheitsoperationen. Da Frauen mit großen Augen in Asien extrem populär sind und zudem äußerst sexy wirken (was wohl auf den westlichen Einfluss zurückzuführen ist), lassen sich in Japan alle Mädchen, die es sich leisten können, ihre Augen vergrößeren. Dabei wird einfach das Augenlied chrirurgisch etwas angehoben, was wohl aufgrund einer Falte an der richtigen Stelle eine relativ simple Prozedur sei. Und dies sei auch in Korea eine der beliebtesten Schönheitsoperationen.

Ich war so froh über Hye-Suks plötzliche Gesprächigkeit, dass ich nur aus den Augenwinkeln bemerkte, wie wir an der Ausfahrt Lindau/Bodensee vorbei fuhren, dann plötzlich im Stau standen, und ich nicht wusste warum.

Bis ich entsprechende Schilder sah und mit Erschrecken feststellen musste, dass ich mich schon in Österreich befand und ein "Pickerl" für die Autobahn benötigte. Ich fuhr also auf den Parkplatz raus und fragte die rüde Dame im Verkaufsräumchen, ob ich denn noch ne Chance hätte, ohne zu bezahlen wieder nach Deutschland zu kommen. War natürlich nicht möglich, aber glücklicherweise gab es 10-Tages-Vignetten, die nur knapp 8 Euro kosteten. Grr, das kam davon, wenn man sich blind auf sein Navi verließ. Natürlich war die Autobahnroute über Österreich und dann durch die Schweiz die schnellste Verbindung Richtung Westen, weil es auf der Bodenseeroute keine Schnellstraßen gab, aber das Gerät wusste natürlich nicht, dass ich kein Pickerl hatte, und es wusste auch nichts von dem Stau vor dem Tunnel, in dem wir gerade standen. Und da standen wir fast eine halbe Stunde lang. Ich griff also erst einmal zum Handy, um meinen Arzttermin zu verschieben, was leider nur begrenzt möglich war.

Aber egal, so war Hye-Suk auch mal in Österreich, wenn auch nur für zehn Minuten. Und da in der Schweiz ebenfalls viele Baustellen die Fahrbahn verengten, kamen wir viel zu spät zu Hause an, sodass ich meinen Arzttermin absagen musste. Da wir am nächsten Tag schon nach London fliegen würden, gab es nun keine Möglichkeit mehr dazu. Ich redete mir aber ein, dass es nichts tragisches sein konnte, wenn ich es beim Sitzen und Liegen nicht spürte.

Jedenfalls verabschiedete ich mich an diesem Abend etwas schweren Herzens von ihr, fuhr zurück in meine Wohnung und packte meinen Koffer.

In der Nacht wünschte ich mir jedoch am meisten, dass meine Schmerzen am nächsten Tag verschwunden sein würden...


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