20 Tage, 05.-24.10.2006
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Dienstag, 10. Oktober

Das Bett war irgendwie zu klein, sodass ich schlecht geschlafen hatte und schon um 7 wach war (kein Wunder, wir sind ja auch nicht spät ins Bett). Da Hye-Suk länger brauchte, wurde es 8:30 Uhr, bis wir frühstücken konnten. Und selbst hier gab es ein weiteres erstes Mal für Hye-Suk: Ein Croissant sowie ein Stückchen Schweizer Stink-Käse (der ihr nicht schmeckte).

Wir verließen das Hotel und wurden von einem sonnigen Morgen und einem herrlichen blauen Himmel begrüßt:

Es ist selten, dass man das Matterhorn ganz ohne Wolken sehen kann:

Also war noch einmal ein Bild fällig. Hier sieht man auch schön eines der zahlreichen Elektro-Autos, die auf den Straßen herumfuhren. Dies kam der guten Luft hier nur zugute.

Nun hatten wir genügend Zeit und kauften unsere Karten für die Fahrt zum Gipfel des "Kleinen Matterhorns". Umgehauen hat mich nur der Preis: 84 Franken (ca. 53 Euro) pro Person. Na, hoffentlich lohnt sich das, dachte ich mir. Immerhin waren wir dafür extra über Nacht geblieben.

Auf der Seilbahnfahrt nach oben waren wir alles andere als allein. Um uns drängten sich so viele Menschen in der kleinen Kabine, dass manchmal kaum Platz zum Atmen blieb. Umfallen war jedenfalls unmöglich geworden. Eine Menge, vor allem junger, Leute in voller Ski-Ausrüstung war ebenfalls anwesend. Obwohl es im Tal gute 20 Grad hatte, konnte man auf 3800 Metern Höhe das ganze Jahr über Ski fahren. Ich bin zwar der Meinung, dass man im Winter Ski fahren sollte, aber wenn die Leute dafür zahlen wollen, dann sollen sie das eben tun.

Die Fahrt verlief, wie ich erwartet hatte, sehr ruhig. Hye-Suk sprach eine ganze Stunde lang kein einziges Wort. Ab und zu bemerkte ich etwas, aber sie antwortete höchstens mit einem Nicken oder Lächeln. Das war wirklich extrem. Würde ich mich daran noch gewöhnen können?

Als wir endlich (endlich!) oben waren, waren wir froh um unsere Winterjacken. Wir gingen auf die Aussichtsplattform und waren überwältigt von den Bergen um uns herum. Auch Hye-Suk war begeistert, und sie ließ mich dies merken. Wir machten sehr viele Fotos - die 84 Franken mussten sich ja lohnen.

Ein erster Blick auf einen Teil des Skigebiets:

Das Matterhorn von hinten, kaum wieder zu erkennen...

Zermatt von weit oben:

Und diverse Bilder von der Plattform aus:

Das letzte Stück der Seilbahn faszinierte mich. Fast senkrecht zogen sich die Seile hinauf zur Station:

Aber stop: Ich liebe doch meine Panoramafotos. Und natürlich bot sich hier endlich eine gute Möglichkeit, eben solche aufzunehmen.

Wir stimmten überein, dass diese Aussicht das Geld wert gewesen war - und gingen weiter in eine Eisgrotte, die in den Gletscher gegraben wurde.

Dort unten gab es zahlreiche, schön beleuchtete Figuren aus Eis, die leider mangels Auflagemöglichkeit für mein Stativ nicht so leicht zu fotografieren waren.

Es gefiel hier an diesem Ort, das merkte ich. Doch... was mochte sie wohl denken?

Ich dachte nicht länger darüber nach und warf mich in den Schnee:

Bald darauf beschlossen wir, wieder den Weg nach unten anzutreten. Wir mussten jeweils lange warten auf die nächste Bahn, da zu viele Menschen unterwegs waren. An der ersten Station hatten wir noch einmal Zeit für ein paar Fotos und ein gutes Matterhorn-Panorama:

Da die Talfahrt noch langweiliger war als die Bergfahrt, war ich extremst froh, als wir endlich unten angekommen waren. Wir beide hatten Hunger, also beschlossen wir, unser Zermatt-Abschiedsessen bei McDonald's einzunehmen. Schmeckt zwar schrecklich (von den Pommes abgesehen), macht aber satt und ist bezahlbar. Und ich war glücklich, in einem Restaurant zu sein, weil Hye-Suk in Restaurants mit mir sprach.

Die Rückfahrt begann dann wieder still. Also versuchte ich, sie irgendwie aufzuheitern. Ich machte irgendwelche Geräusche, summte vor mich hin, und dann, endlich, machte sie mit. Lange witzelte sie herum, singte, lehrte mich etwas Japanisch, und zeigte sich amüsiert darüber, wie japanische Mädchen durch eine höhere Tonlage versuchten, süßer zu wirken. Sie meinte, in Japan fänden die Männer dies toll. Würde in Korea eine Frau so sprechen, dann bekäme sie eher eins übergebraten.

Das ist viiiiiel besser jetzt, dachte ich mir. So mochte ich Hye-Suk wirklich sehr. Ich hoffte, noch viel mehr von diesem etwas verrückteren Teils ihres Charakters zu sehen zu bekommen. Und ich war so abgelenkt, dass ich mich irgendwann darüber wunderte, warum im Radio nur noch Französisch gesprochen wurde, ich so lange auf der Autobahn fuhr, und alle Ortsnamen ebenfalls französisch klangen.

An einem Rastplatz demystifizierte sich dies. Offenbar hatte mein Navi nicht gewusst, dass man den Lötschbergtunnel auf dem Autozug auch in umgekehrter Richtung durchfahren konnte. Und so leitete es mich brav außen herum über die Autobahn durch die französische Schweiz. Das bedeutete ca. 150 km oder eine Stunde mehr Weg. Aber wir hatten an diesem Abend eh nichts mehr vor. Und obwohl Hye-Suk dennoch die meiste Zeit ruhig war, so konnte ich doch immer wieder grinsen über die neuen Seiten ihrer Persönlichkeit, die ich an diesen beiden Tagen entdecken durfte.

Zu Hause angekommen hatte meine Mutter tolles Essen gekocht. Reis mit Gulasch und Gemüse. Hye-Suk hat dies extrem gut geschmeckt, sodass sie immer wieder nachschöpfte. Als das Essen vorüber war, blätterten wir Hye-Suks Reiseführer durch und mussten feststellen, dass es so viele schöner Orte in Deutschland gab. Äußerst schwierig, da eine Auswahl zu treffen, vor allem in der begrenzten Zeit, die uns zur Verfügung stand. Der Abend war jedoch witzig, weil Hye-Suk weiter herum witzelte, mich neckte und mich zwickte. Wirklich lustig. Wir beschlossen, die Planung unserer Deutschlandtour auf den nächsten Tag zu verschieben.

Ich fuhr in meine Wohnung und schrieb in mein Tagebuch, dass Hye-Suk endlich aufgetaut sei, zumindest ein wenig.

Ich war wirklich froh darüber.


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