20 Tage, 05.-24.10.2006
[ 05.10. ] [ 06.10. ] [ 07.10. ] [ 08.10. ] [ 09.10. ] [ 10.10. ] [ 11.10. ] [ 12.10. ] [ 13.10. ] [ 14.10. ] [ 15.10. ] [ 16.10. ] [ 17.10. ] [ 18.10. ] [ 19.10. ] [ 20.10. ] [ 21.10. ] [ 22.10. ] [ 23.10. ] [ 24.10. ]

Sonntag, 8. Oktober

An diesem Sonntag war es morgens neblig. Im Allgemeinen ein gutes Omen für schönes und warmes Wetter. Ich entschloss mich, ihr heute den Schwarzwald zu zeigen. In Richtung Titisee-Neustadt sollte es gehen, aber nicht auf der kürzesten Route.

Vor meiner Reise hatte ich mir extra ein kleines Navigationssystem zugelegt. Es war günstig, kostete "nur" 180 Euro, ist aber dank Batterien außerhalb des Wagens ebenfalls zu verwenden - dazu gibt es Karten, die ganz Europa abdecken. Ich war schon lange scharf auf so ein Ding, da ich zu den Individuen gehöre, die immer erst 100 Meter nach der Ausfahrt merken, dass sie diese hätten nehmen sollen. Dazu ist das Fahren in Städten, vor allem denen, die ich nicht kenne, für mich der absolute Horror. Ich denke da nur an Straßen, die 4 oder mehr Spuren haben... argh.

Bisher allerdings sprachen zwei Argumente gegen ein Navi: 1. bin ich im Normalbetrieb kaum unterwegs, pendle zwischen Arbeitsstelle und Wohnung (7 Minuten) und fahre höchstens ab und zu nach Freiburg. Und 2. war es mir bisher zu teuer und empfand es daher als Overkill. Da ich nun aber mit Hye-Suk eine Tour durch ein paar deutsche Städte machen wollte, und die Reise eh eine Menge Geld kosten würde, relativierte sich mein Denken, und ich bestellte das Gerät.

Für die Schwarzwaldtour benötigte ich es allerdings nur bedingt. Ich wollte nicht die kürzeste Route, ich wollte die schönste. Also bog ich immer wieder in die kleinen Straßen ab, die durch winzige Orte führten und zu Orten mit schöner Aussicht. Das Gerät berechnete die Route zwar immer wieder neu, doch einmal war ich so im Hinterwald, dass es mindestens zwanzig Mal "Route wird neu berechnet" von sich gab, bis es sich wieder auskannte.

Aber, Zeit für einen ersten Zwischenstop. Hye-Suk hatte auf der Fahrt recht wenig gesprochen (und langsam gewöhnte ich mich daran), doch ich merkte, dass ihr diese Tour wirklich gefiel. Zum ersten Mal schien sie wirklich glücklich zu sein.

Das hier war ein Traum, nicht nur für sie. Auch ich genieße es immer wieder. Nur alle paar Minuten kam mal ein Auto vorbei. Wir beide waren allein, auf dieser Bank, genossen die Aussicht, und atmeten die gute Luft. Kein Wunder, dass der Schwarzwald für viele, auch deutsche, Touristen ein beliebtes Urlaubsziel ist.

Wir fuhren weiter und entdeckten immer wieder schöne Orte. An manchen hielten wir an und gingen ein Stück.

Langsam, aber sicher wurde Hye-Suk lebendiger. Ich merkte, dass ihr diese ruhigen und erholsamen Gebiete viel besser gefielen als hektische Städte. Wir gingen etwas herum, machten kurze Wettrennen, und dann bestaunte Hye-Suk einen großen "Weihnachtsbaum", meinte, so etwas gäbe es in Korea nicht, was ich allerdings nicht so ganz glaube (ich hab extra nochmal in der Wikipedia über die Verbreitung von Nadelwäldern nachgelesen).

Am Nachmittag schließlich erreichten wir den Titisee:

Die Stadt als einer der bekanntesten Touristenorte im Schwarzwald war natürlich stark für diese ausgelegt. Dutzende Souvenir-Shops, sehr viele Hotels, sowie die Angabe aller wichtigen Bezeichnungen in Deutsch, Englisch und Japanisch.

Dann mieteten wir uns für eine Stunde ein Tretboot. Ich war schon ewig nicht mehr mit so etwas gefahren, und für Hye-Suk war es das erste Mal überhaupt. Wir fuhren einmal über den gesamten See, was einige Beinarbeit erforderte...

...genossen das Panorama auf das Ufer, von dem wir gestartet waren...

...und hier auf diesem See hatten wir dann auch eine Menge Spaß, als wir begannen, uns gegenseitig Kinderlieder beizubringen. Das einfachste, was mir einfiel (und dummerweise auch eines der wenigen, die ich noch kannte) war "Alle meine Entchen". Nach ein wenig Übung sangen wir dies in höchsten Tönen, die anderen Bootchen-Fahrenden ein Grinsen ins Gesicht trieben. Sie brachte mir auch ein koreanisches Kinderlied bei, das ebenfalls sehr einfach war, und im Grunde folgenden Text hatte: Die Schulglocke läutet, -deng deng deng-, und der Lehrer wartet auf uns. Dummerweise habe ich jetzt, wo ich diesen Text schreibe, das Ende vergessen...

Ich war jedenfalls extrem glücklich, dass ich Hye-Suk nun endlich mal sehen konnte, wie sie ein wenig aus sich heraus ging. Es geht also doch, dachte ich mir. Und überhaupt, was sind schon Worte. Mir gefiel ihr Lächeln, und ich setzte alles daran, möglichst viel davon zu sehen.

Zurück am Ufer bewunderte Hye-Suk viele typisch schwarzwälderische Andenken, u.a. zahlreiche Kuckucksuhren. Sie kaufte sich aber nur eine winzige Schlüsselanhängerfigur. Von den aus Holz geschnitzten Figuren, vor allem den weihnachtlichen, war sie am meisten begeistert. Unsereiner muss das ja nicht verstehen. Oder?

Nach ein wenig Chillen am See...

...ging es zurück in meine Wohnung.

Dort zeigte sie mir einige Yoga-Übungen, die mir bei meinen Problemen mit meinem rechten Bein helfen sollten. Zunächste kassierte ich aber ein paar Schläge, weil ich unwillkürlich einen Lachanfall bekam, als Hye-Suk mir vorführte, wie man in der Vorbereitung zum Yoga die schlechte Energie aus dem Körper lässt. Dabei hält man die Hände nach vorne zeigend seitlich am Kopf, reißt die Augen weit auf, blickt nach oben, streckt die Zunge heraus und "schleudert" diese Energie mit einem heißeren Zischen hinaus.

Nun ja. Es dauerte eine Weile, bis ich dies - ohne zu Lachen - nachmachen konnte.

Bei den Übungen schließlich, für die sie mir extra einen Gurt mitbrachte, mit dem ich bestimmte Körperteile fixieren konnte, stellte sich heraus, dass ich extrem unflexibel war. Für sie war ein Spagat kein Problem, auch nicht das senkrechte Anheben ihrer Beine, oder das nach-vorne-Beugen aus dem Schneidersitz heraus. Ich staunte, wie flexibel ein Mensch sein konnte, wenn er dies jahrelang trainierte.

Abens luden wir meine Mutter zum koreanischen Essen ein. Hye-Suk hatte extra einige Produkte mitgebracht, mit denen sie etwas einfaches machen konnte. Für meine Mutter war alles sehr neu, ich kannte (dank Edinburgh) immerhin schon Kimchi. Und Reis natürlich. Wenn da auch eher den lockeren als den klebrigen.

Also gab es Kimchi mit Reis, sowie kleine mit Reis gefüllte Teigtaschen, die man in Sojasoße tunkte, bevor man sie sich als Ganzes in den Mund schob. Den Reis schaufelte man auf grünes, aus Seetang gemachtes "Papier", und rollte ihn damit ein. Das scharfe Kimchi verlieh dem Essen die nötige Würze, die man mit dem Reis etwas dämpfen konnte. Zum Trinken brachte Hye-Suk Reiswasser, einfach das überschüssige Wasser vom Reiskochen. Interessant. Es schmeckte mir sehr und ich aß eine Menge. Meiner Mutter war das Kimchi viel zu scharf, fand das Essen aber dennoch gut (oder zumindest eine Erfahrung wert). Obwohl ich nur wenige Dinge der koreanischen Küche gegessen hatte, wusste ich endlich, dass ich keine Probleme mit diesem Essen haben würde.

Da es am nächsten Tag in die Schweiz gehen sollte, lieh sich Hye-Suk von meiner Schwester deren warme Ski-Jacke. Und meine Mutter richtete schon mal die Handschuhe. Ab sofort sollte das Mädel nicht mehr frieren müssen.


Hier gehts weiter!


[ 05.10. ] [ 06.10. ] [ 07.10. ] [ 08.10. ] [ 09.10. ] [ 10.10. ] [ 11.10. ] [ 12.10. ] [ 13.10. ] [ 14.10. ] [ 15.10. ] [ 16.10. ] [ 17.10. ] [ 18.10. ] [ 19.10. ] [ 20.10. ] [ 21.10. ] [ 22.10. ] [ 23.10. ] [ 24.10. ]