20 Tage, 05.-24.10.2006
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Samstag, 7. Oktober

Der Tag begann um 9 Uhr. Nach dem Frühstück saßen wir auf der Couch und lernten zusammen ein wenig Deutsch und Koreanisch aus einem Buch mit koreanisch/deutsch/englischen Sätzen, das sie mitgebracht hatte. Insgesamt kam das Sprachen-Lernen leider zu kurz, weil ich mich mit ihr meist auf Englisch unterhielt, sie ohnehin nicht die gesprächigste war, und ich kaum Sätze auf Koreanisch so spontan herausbrachte (weil ich mir zu viele Gedanken über die korrekte Grammatik machte).

Dennoch war dieser Morgen lustig, weil sie mir die Aussprache bestimmter Worte beibrachte. Und obwohl ich immer dachte, dass es keinen Unterschied zwischen meiner und ihrer Version gäben würde, verzweifelte sie teilweise fast an mir. Nicht weniger lustig fand ich, ihr die deutsche Aussprache näher zu bringen, was für einen Koreaner viel schwieriger ist als im umgekehrten Fall, da es im Koreanischen weder ein F noch ein CH gibt. Vor allem letzteres ist ein Laut, der viel Übung erfordert, und ja selbst für Europäer schwierig auszusprechen ist.

Als sich die Regenwolken verzogen haben, machten wir uns auf den Weg nach Basel, der einzigen größeren Stadt in meiner direkten Umgebung. Ich dachte, das würde ihr sehr gefallen, weil Basel eine schöne Altstadt bietet und die Bevölkerung von der Herkunft her stark duchmischt ist.

Mit der Tram (Schweizer Straßenbahn), was ganz neu für sie war, fuhren wir ins Zentrum. Hye-Suk trug heute Kontaktlinsen, weil sie sich mit diesen hübscher fühlte (was ich auch bestätige, da die Brille sie ernster aussehen lässt).

Hier ein Scroll-Panorama von dieser Rheinbrücke aus aufgenommen:

Also schlenderten wir...

...langsam durch die Stadt, wobei Hye-Suk leider ziemlich kalt wurde, da es nur rund 15 Grad hatte.

Als ich merkte, dass sie müde wurde und nicht mehr gehen wollte, fanden wir nach einiger Suche (die Schweizer Preise sind leider höher) ein mexikanisches Cafe, in dem wir etwas zu essen bestellten.

Hye-Suk (und nicht nur ihr, aber ich bins gewohnt) stieß dabei ziemlich übel auf, dass sie für ein Glas einfaches stilles Wasser 4,80 Franken (3 Euro) bezahlen musste, wo es in Korea in jedem Restaurant kostenlos eine Kanne Wasser zum Essen gibt. Wir entschlossen uns, ein Hauptgericht zu teilen, und bezahlten selbst dafür letztlich über 28 Franken (18 Euro).

Hye-Suk ging auf die Toilette, um ihre Kontaktlinsen gegen ihre Brille zu tauschen. Der Wind in den Straßen ließ ihre Augen zu schnell trocknen, und winzige Staubpartikel drängten sich unter die Linsen, wodurch die Kontaktlinsen schmerzhaft für sie wurden.

Nach dem Essen gingen wir zum wahrscheinlich schönsten Gebäude Basels, dem Rathaus.

Hier merkte ich dann auch endlich, dass es ihr gefiel, weil sie viele Fotos des reich geschmückten Innenhofes machte und insgesamt die Architektur des Gebäudes bewunderte.

Schließlich schlenderten wir zurück Richtung Tram-Haltestelle, setzten uns dann aber noch ans Rheinufer, um ein wenig (im wahrsten Sinne des Wortes) zu reden und Schwäne zu beobachten. Allerdings zitterte Hye-Suk nun schon richtig, was ich kaum verstehen konnte, da es mir keineswegs zu kalt war. Ich machte mir schon Vorwürfe, weil ich ihr gesagt hatte, dass sie keinesfalls ihre Winterjacke mitbringen müsste, normale Herbstkleidung würde absolut genügen. Nun ja, manche Dinge bei Frauen sind eben weltweit verbreitet.

Noch ein kleines Abschiedsfoto...

...und dann ging es zurück in die "Heimat", was nur rund 20 Minuten Fahrt entsprach. Ich fuhr mit Hye-Suk in das nächste deutsche Städtchen (Lörrach) und lotste sie dort in ein Bekleidungsgeschäft. Sie wollte sich etwas warmes kaufen. Zunächst suchten wir in der falschen Abteilung, weil ihr alle Kleidungsstücke zu groß waren. Also sagte ich ihr, dass wir in die Kinderabteilung gehen sollten, was sie ein wenig schockierte. Doch wusste ich immerhin, dass auch viele deutsche Mädchen sowie junge Frauen in der Kinderabteilung einkaufen, um ihre Größe zu finden. Von der Mode her macht das heutzutage eh kaum noch einen Unterschied.

Dort fand sie dann endlich eine gut gefütterte Jacke, die sich schön warm anfühlte und mit 25 Euro auch nicht allzu teuer war. Von diesem Tag an trug sie diese jeden Tag. Das Kälteproblem war damit passe und sie schien auf einmal viel glücklicher. Nach einem Rundgang durch einen großen Lebensmittelmarkt, in dem sie viele neue Dinge sah, fuhren wir zurück in meine Wohnung, wo ich Instant-Rösti und Wienerle machte. Das war nicht unbedingt das beste Essen, was man hätte essen können, aber es war schnell gemacht, war neu für Hye-Suk, und es machte satt.

Damit war dieser Tag auch schon gelaufen. Als ich wieder allein für mich war, machte ich mir ernsthafte Gedanken darüber, ob wir gut miteinander auskommen würden. So langsam sollte sie doch endlich mal auftauen, oder nicht? Zumindest ein wenig aus sich rausgehen? Konnte sie das überhaupt? Dieser Tag war nicht wirklich prickelnd gewesen. Und ich sah schon die Hoffnung in mir schwinden, dass die nächsten Tage besser werden würden...


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